"Dann erzählt dir Xavier Naidoo sonst was": YouTuberin Mai fordert mehr naturwissenschaftliche Bildung

Mainz - Die preisgekrönte YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim ("maiLab") macht sich für mehr naturwissenschaftliche Bildung in den Schulen und eine transparentere Kommunikation von wissenschaftlichen Inhalten stark. 

Wissenschafts-Journalistin und YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim ist promovierte Chemikerin.
Wissenschafts-Journalistin und YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim ist promovierte Chemikerin.  © dpa/WDR/Linda Meiers

"Wir als Gesellschaft bewerten Naturwissenschaften als Genie- oder Freakwissen und weniger als Allgemeinwissen - und das fällt uns jetzt in der Pandemie auch mit auf die Füße", sagte die 32-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Mainz.

"Es gibt keinen Kurs in der Schule, in dem wissenschaftliches Arbeiten, die Basics, Statistiken lernen, Falsifizieren - was ist eine methodisch starke Studie, was eine schwache - gelehrt wird."

Sie selbst habe auch erst in ihrem Studium in Mainz und am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA wissenschaftliches Arbeiten so richtig gelernt.

"Es kann nicht sein, dass man erst in Chemie promovieren muss, damit man die wissenschaftlichen Basics versteht."

"Mit Medien- und Quellenkompetenz alleine kann man sich in diesem Medien-Dschungel nicht zurechtfinden", mahnte die promovierte Chemikerin. "Wenn man nicht weiß, was ein Virus ist, kann einem Attila Hildmann oder Xavier Naidoo natürlich sonst was erzählen."

Mai Thi Nguyem-Kim: "Verschwörungs-Theoretiker bekommen zu viel Aufmerksamkeit"

Die Wissenschafts-Journalistin sieht bei der Verbreitung der Verschwörungs-Theorien in der Corona-Krise sowohl die Medien als auch jeden einzelnen in der Pflicht.

"Das ist ja eine Minderheit, die leider viel Aufmerksamkeit bekommt", sagte Mai, die auch Autorin und TV-Moderatorin ist, mit Blick auf die Demonstrationen gegen Corona-Regeln.

Und: "Bei sehr irre wirkenden Gruppen sind auch immer Menschen dabei, die vernünftige Bedenken haben." Allerdings seien viele derjenigen, die vor die Kameras träten oder die sich als große Verschwörungs-Theoretiker initiierten, natürlich "total durchgeknallt" .

Die Medien stünden vor einem schwierigen Spagat - zwischen Aufklären und einer Minderheit zu viel Raum zu geben.

Dies beschäftige auch ihr "maiLab"-Team bei der Produktion für das nächste Video, das an diesem Donnerstag erscheint.

"Jeder von uns trägt auch ein bisschen seine Verantwortung mit, nicht Spreader zu sein" und absurde Theorien weiter zu verbreiten, sagte Mai. "Letztendlich ist das auch nur wie ein Virus."

Mai teilt die Kritik etwa vom Verein ProQuote Medien, dass in der Corona-Pandemie weniger Frauen zu Wort kämen.

Ihr allerdings nur subjektiver Eindruck sei, "dass Frauen erst als Expertinnen in die Öffentlichkeit gehen, wenn sie seit Jahren einen Lehrstuhl inne haben, während Männer eher mal sagen, ich habe doch Biologie studiert, dazu kann ich was sagen".

Dies merke sie auch bei ihrer Recherche. "Wir schreiben alle möglichen Experten an, und uns schreiben viel mehr Männer zurück, die sich das zutrauen vor so einem großen Publikum zu sprechen und für immer im Internet zu sein."

Titelfoto: dpa/WDR/Linda Meiers

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