Lanz: Virologe Streeck ist gegen Lockdown und Impfpflicht

Hamburg - Die aktuelle virale wie auch politische Lage treibt so manchen Teilnehmer in Talkshows auf die Erregungs-Palme.

Virologe Hendrik Streeck (44) plädierte am Donnerstagabend dafür, dass man das Corona-Geschehen in Deutschland "differenziert betrachten" solle.
Virologe Hendrik Streeck (44) plädierte am Donnerstagabend dafür, dass man das Corona-Geschehen in Deutschland "differenziert betrachten" solle.  © Screenshot/ZDF/Markus Lanz

Kurz nachdem sich der wahrscheinlich künftige Justizminister Marco Buschmann (44, FDP) mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (46, CDU) bei "Maybrit Illner" im ZDF über Kreuz lagen ("Reißen Sie sich am Riemen!"), hat Markus Lanz (52) mit seinen Gästen getalkt.

Wie in den letzten drei Talk-Abenden auch, versuchte Moderator Lanz, einmal mehr, an Namen der künftigen (SPD-)Minister*innen zu kommen - Fehlanzeige, die Politiker halten tatsächlich dicht, bis Montag...

So drehte sich die Unterhaltung einmal mehr um Corona.

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Virologe Hendrik Streeck (44) plädierte am Donnerstagabend dafür, dass man das Corona-Geschehen in Deutschland "differenziert betrachten" solle, sprich: kein allgemeiner Lockdown nötig sei. Intensivmediziner und Anästhesist Bernd Böttiger hingegen sprach sich in der ZDF-Runde gegen Streecks Äußerungen aus.

Impfpflicht als Ausweg?

Intensivmediziner und Anästhesist Bernd Böttiger sprach sich in der ZDF-Runde bei Markus Lanz (52) gegen Streecks Äußerungen aus.
Intensivmediziner und Anästhesist Bernd Böttiger sprach sich in der ZDF-Runde bei Markus Lanz (52) gegen Streecks Äußerungen aus.  © Screenshot/ZDF/Markus Lanz

Man hätte ja von England oder Israel lernen können, den Ländern, in denen sehr zeitig geboostert wurde, so Streeck: "Da hat man das deutlich gesehen, dass das einen Effekt hat."

Die hiesige Politik habe es versäumt, über die Notwendigkeit der dritten Spritze aufzuklären: "Wir haben ja mehr Wahlwerbung gesehen als Impfwerbung."

Auch Intensivmediziner Böttiger sagte: "Für das Virus war die Wahl super." Man habe nicht erst seit dem Sommer gewusst, "dass der Winter intensiv wird". In der Tat sagte RKI-Chef Lothar Wieler (60) bereits im Juli eine solche Lage voraus.

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Die Politik habe nicht auf die Wissenschaft gehört. "Ich fühle mich von der Politik im Stich gelassen", stellt Böttiger klar, als er von den traurigen Fällen seiner Intensivstation sprach.

Hilft eine Impfpflicht als Ausweg, dass zu wenige Erst-, Zweit- und Drittimpfungen verabreicht wurden? Streeck legte sich nicht fest. Aber: Die aktuelle Corona-Welle könne man nicht mittels einer Impfpflicht brechen - dafür "ist es zu spät". Außerdem wisse man nicht, wie "oft man überhaupt auffrischen" müsse. Ebenso wissen wir nicht, "wie lange die Booster-Wirkung anhält".

Angeblich sei kaum "eine Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger" in puncto Corona erfolgt. Für diese Aussage hagelt es prompt auf Twitter heftige Gegenrede. Es gibt genug Stellen, bei denen sich jeder informieren könne, so der Grundtenor.

Intensivmediziner Böttiger hingegen sprach sich für die verpflichtende Impfung aus.

Er sieht jeden Tag "aufs Neue, wie gefährlich eine Infektion mit dem Coronavirus" ist. Ein Drittel der Menschen, die auf der Intensivstation landeten, würden sterben, rechnete Böttiger vor. "Russisches Roulette ist viel sicherer."

Ist das aktuelle Nord-Süd-Gefälle im Infektionsgeschehen ein "kleineres Problem für den Westen und den Norden Deutschlands"? Professor Böttiger sagt voraus: "Die Welle kommt aus dem Süden hoch", mahnte er. "Wir laufen auf eine sehr schwierige Situation in zwei, drei Wochen auf den Intensivstationen zu."

Deswegen hat er seine Meinung zur Impfpflicht in den letzten Wochen geändert und ist nun dafür. "Es wird nicht anders gehen."

Titelfoto: Screenshot/ZDF/Markus Lanz

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