Ewa über Huren-Vergangenheit: "Beim ersten Freier waren die Schamhaare länger als der Schw***"

Frankfurt am Main - Wenn jemand in ihren Texten authentisch zu sein scheint, dann ist es die "Rotlicht-Rapperin" Ewa Malanda, besser bekannt als Schwesta Ewa (37). Ab dem heutigen Donnerstag kann man sich davon in einer sechsteiligen Dokumentation bei TVNow überzeugen.

In der TVNow-Doku "Schwesta Ewa - Rapperin. Häftling. Mutter." redet die 37-Jährige sehr offen über ihre Vergangenheit und ihr Innenleben.
In der TVNow-Doku "Schwesta Ewa - Rapperin. Häftling. Mutter." redet die 37-Jährige sehr offen über ihre Vergangenheit und ihr Innenleben.  © TVNow

Während viele Rapper über größtenteils erfundenen Lebensläufe in ihren Texten reden und sich dabei gern als verwegene Gangster inszenieren, kommen Ewas Raps gerade deshalb so spannend daher, weil sie weiß, worüber sie spricht.

Aus Polen emigriert, begann sie bereits mit 16 Jahren, in ihrer neuen Heimat Kiel im Rotlichtmilieu zu arbeiten. 2004 zog sie nach Frankfurt am Main und verdiente sich sechs Jahre lang ihr Geld als Sexarbeitertin.

"Ich habe Scheiße gefressen. Ich war Prostituierte. Ich hatte keinen Spaß daran. Mich hat der Beruf angekotzt", sagt Ewa in der sehenswerten Doku "Schwesta Ewa - Rapperin. Häftling. Mutter.", deren ersten beiden Episoden wir bereits sehen durften.

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"Mein erster Freier war ein dicker Chinese, dessen Schamhaare länger als sein Schwanz waren", berichtet sie über die natürlich auch verstörenden Erlebnisse in dieser Zeit.

Nebenbei begann sie zu rappen, 2012 erschien ihr erstes Demotape "Realität", drei Jahre später ihr gefeiertes Debütalbum "Kurwa" bei Xatars (39) Label "Alles oder Nix", das es bis auf Platz elf der deutschen Charts schaffte.

Im Juni 2017 wird Schwesta Ewa zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt

Rapperin Schwesta Ewa im Gerichtssaal des Landgerichts in Frankfurt am Main mit Verteidigerin Anja Dobat
Rapperin Schwesta Ewa im Gerichtssaal des Landgerichts in Frankfurt am Main mit Verteidigerin Anja Dobat  © DPA/Arne Dedert

2015 übernahm sie mit ihrem damaligen Lebensgefährten die Stoltze Bar in der Frankfurter City.

Ihre Bekanntheit habe dann dazu geführt, dass sich junge Frauen an sie gewandt hätten, um ebenfalls im Milieu als Prostituierte viel Geld zu verdienen. Daraus habe sich ein "illegaler Escortservice" entwickelt, wie Ewa in der Doku sagt.

Mit diesem verdiente sie jede Menge Kohle. Sie managte ihre "Mädchen", verschaffte ihnen Termine, mietete Zimmer in besseren Hotels an, sorgte für die Sicherheit der Frauen.

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"Ich hätte noch mehr Gas geben können. Aber ich dachte, so 1500 Euro am Tag ist okay, pro Mädchen", sagt sie rückblickend.

Doch dann habe eine junge Frau, die sie nicht beschäftigen wollte, die Behörden auf sie aufmerksam gemacht, so Ewa.

Die Folge: Festnahme 2016, U-Haft von November 2016 bis Juni 2017. Der Vorwurf von Zwangsprostitution und Menschenhandel stand im Raum. Letztlich wurde sie zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung und Körperverletzung verurteilt.

Schwesta Ewa: "Es war durchaus eine Überlegung abzutreiben"

Schwesta Ewa mit ihrer neugeborenen Tochter in Karlsruhe beim Bundesgerichtshof, der die Revision ihres Urteils abwies.
Schwesta Ewa mit ihrer neugeborenen Tochter in Karlsruhe beim Bundesgerichtshof, der die Revision ihres Urteils abwies.  © dpa/Fabian Sommer

"Ich war überrascht, weil ihr ja so ein Ruf vorausging", sagt der damals zuständige Richter Martin Bach über Ewa. "Eine intelligente, junge Frau, bescheiden im Auftreten. Sehr wach, sehr aufmerksam. Eine sympathische Erscheinung."

Sie selbst habe tatsächlich über die vergleichsweise überschaubare Strafe Freudentränen geweint, erzählt Ewa. Aber plötzlich tat sich ein essenzielles Problem auf: Sie war schwanger.

Den Knast damals vor Augen sagt Ewa: "Es war durchaus eine Überlegung, sie abzutreiben."

Zum Glück tat sie das nicht. Am 9. Januar 2019 wurde ihre Tochter Alijah geboren (TAG24 berichtete). Ziemlich genau ein Jahr später, am 11. Januar 2020 trat Ewa ihre Haftstrafe in der JVA Wittlich II an.

Da auch Alijahs Vater einsitzen musste, brachte Ewa ihre Tochter bei einer Freundin unter. Der Mutter-Kind-Vollzug war ihr versagt worden. Eine übertriebene Maßnahme, wie Richter Bach findet.

Erst ein halbes Jahr später wurde Ewa in das JVK Fröndenberg verlegt, wo sie Alijah dann wieder regelmäßig sehen konnte. Anfang Februar 2021 wurde sie aus der Haft entlassen.

"Jetzt heiße ich jedenfalls wieder Mama", sagt Schwesta Ewa

Die lange Trennung von ihrer Tochter macht Ewa immer noch zu schaffen. Mit Tränen in den Augen erzählt sie, wie sich Alijah in den Monaten von Ewas Haft von ihr entfernte. "Jetzt heiße ich jedenfalls wieder 'Mama'", sagt sie.

Es ist ein sehr echter, persönlicher Einblick, den Ewa Malanda in der TVNow-Doku zulässt. Hier wird wenig aufgebauscht und versucht, ihrer Geschichte gerecht zu werden, ohne irgendetwas zu beschönigen.

Für ein vielschichtiges Bild sorgen die vielen Stimmen, die von Freunden, Weggefährten, Journalisten bis hin zu Richtern, Anwälten und JVA-Angestellten reichen.

Titelfoto: TVNow

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