Talkshow-Urgestein Hans Meiser wettert gegen RTL

Köln - Hans Meiser (73) war einer der ersten Talk-Master Deutschlands. Sein Ende beim Privatsender RTL kam extrem plötzlich und unerwartet. Verziehen hat er das seiner ehemaligen TV-Heimat nicht. 

Hans Meiser (73).
Hans Meiser (73).  © imago images / Rainer Unkel

Mit "T-Online.de" sprach Hans Meiser (73) über seine RTL-Vergangenheit und seine zukünftigen Wünsche und Pläne. 

Etwas verbittert, aber auch wehmütig wirken die Antworten des mittlerweile 73-jährigen "Talkshow-Gotts" schon. Besonders, wenn es um den Sender geht, der ihm über zwei Jahrzehnte lang eine Heimat gab und ihn dann fallen ließ wie eine heiße Kartoffel. 

Oder wie er selbst vor mittlerweile zehn Jahren sagte: RTL habe ihn "abgeschossen, wie eine Wildsau in der Morgensonne". 

Besonders in Erinnerung ist wohl seine Talkshow  "Hans Meiser" geblieben. Acht Jahre lang lief diese zur Mittagszeit täglich von Montag bis Freitag auf RTL.

"Hans Meiser" fand nicht nur der Journalist selbst einzigartig und grandios. Einschaltquoten von zwischenzeitlich 40 % gaben ihm recht. "Wir wollten die Leute, die nicht ins Fernsehen wollten. Wir waren die erste Talkshow mit ganz normalen Menschen. Das war eine tolle Zeit", erinnert sich Hans Meiser. 

Natürlich hatten sie damals auch tolle Themen. Da gab es mehr als die Frage: Wer ist mein Vater? Oder: Bist du mein Vater? Beziehungsweise: Wer von euch ist der Vater meines Kindes. 

"Wir hatten hervorragende Sendungen, beispielsweise über Sekten. Wir waren die erste Sendung, in der bekennende Scientologen waren. Das muss man erstmal schaffen." 

Plötzlich war er weg vom Fenster

Warum Hans Meisers Show urplötzlich abgesetzt wurde, weiß er bis heute nicht. An das kurze Gespräch mit dem Sender erinnert er sich aber bis heute genau:

RTL:"Es ist Schluss mit der Talkshow."

Meiser: "Was machen wir dann?"

RTL: "Such dir einen neuen Sender!"

2010 war dann endgültig Schluss mit RTL! Damals wetterte er sehr laut gegen die Verantwortlichen, heute ein bisschen leiser. Verziehen hat er ihnen aber nicht. "Ich möchte mit denen nichts mehr am Hut haben. Intelligente Menschen können mich beleidigen, aber nur intelligente Menschen. Aber das ist Vergangenheit", feuert er eine Spitze gegen seine ehemaligen Mitarbeiter ab... Aber: "Ich kenne heute noch viele Menschen im Sender. Ich will nicht schlecht sprechen."

Unzufrieden ist er auch mit den jetzigen Kollegen, die die deutsche Fernsehlandschaft bereichern. Die würden einfach nicht richtig arbeiten. "Die Leute heute haben keine geschulten Stimmen, die reden ohne Punkt und Komma, recherchieren nicht richtig. Da kriege ich Zustände. Als ich mit 15 Jahren beim SWR anfing, wäre ich mit so seiner Leistung nicht mal am Portier vorbeigekommen. Das ist sehr schade." 

Damals war anscheinend alles besser. Naja, fast. Die Streamingdienste mag er dann doch ganz gerne.

Und wie sieht es mit der Zukunft aus, Herr Meiser? Nochmal TV-Geschichte schreiben, oder doch lieber weg von der Bild(schirm)fläche?

Vielleicht, vielleicht auch nicht. Seine alten Show-Formate vermisst er schon irgendwie. Nochmal eine Talkshow oder auch Nachrichten zu moderieren, kann er sich gut vorstellen. Aber den 73-Jährigen zieht es auch zu seinen Wurzeln zurück. Dem Radio. "Das ist das weitaus intensivere Medium. Da musst du mit deiner Stimme, deinem Wissen und deinem Können ein Programm gestalten."

Mit einem Jan Böhmermann muss er sich da dann hoffentlich auch nicht mehr auseinandersetzten. Der machte sich bei der TV-Legende unbeliebt, als er mit ihm 2017 über die Bild-Zeitung Schluss machte. Ist ja auch wirklich nicht nett...

Mehr zum Thema Promis & Stars:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0