Große Leere in ihrem Leben: Der 10. Juni wird ein trauriger Tag für die Queen

Windsor - Es sind oft kleine Dinge, mit denen Queen Elizabeth II. (95) Signale setzt. Kürzlich war es eine Brosche, die beim Besuch des nach ihr benannten Flugzeugträgers an ihrem roten Mantel steckte. Prinz Philip, jahrelang Mitglied der britischen Marine, hat sie ihr einst geschenkt. Seit dem Tod ihres Ehemanns am 9. April ist die Queen alleine.

Die britische Königin Elizabeth II. (95) trägt die Brosche, die ihr von ihrem verstorbenen Ehemann Prinz Philipp (†99) geschenkt wurde, bei einem Besuch des Flugzeugträgers "HMS Queen Elizabeth" der Royal Navy im Marinestützpunkt Portsmouth.
Die britische Königin Elizabeth II. (95) trägt die Brosche, die ihr von ihrem verstorbenen Ehemann Prinz Philipp (†99) geschenkt wurde, bei einem Besuch des Flugzeugträgers "HMS Queen Elizabeth" der Royal Navy im Marinestützpunkt Portsmouth.  © Steve Parsons/PA Wire/dpa

62 Tage später, an morgigen Donnerstag (10. Juni), wäre der Herzog von Edinburgh, wie Philip in Großbritannien genannt wird, 100 Jahre alt geworden. Für Palastkenner ist klar, was die Brosche zeigen soll: Er ist immer an meiner Seite.

"Es ist mit tiefer Trauer, dass Ihre Majestät die Königin den Tod ihres geliebten Gatten, Seiner Königlichen Hoheit Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, bekannt gibt. Seine Königliche Hoheit ist diesen Morgen friedlich auf Schloss Windsor eingeschlafen." Es sind zwei Sätze, mit denen der Palast am 9. April über den Tod des Queen-Gemahls informiert.

Was folgt, ist geradezu beispiellos in der jüngeren Geschichte der Royals. Tagelang verbreitet der Palast über seine Social-Media-Kanäle zahlreiche Bilder des Königspaares aus den 73 Jahren seiner Ehe, einige zuvor unveröffentlicht.

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Offiziell spielte Philip keine zentrale Rolle, als Royal Consort stand er eindeutig im Schatten seiner Ehefrau. Doch zeugen die Fotos vom großen Einfluss des Prinzgemahls.

Vier Kinder hatte das Paar: Thronfolger Charles (72), Anne (70), Andrew (61) und Edward (57). Stärke und Stütze der Queen sei Philip gewesen, sagt Premierminister Boris Johnson (56) und preist ihn als "Institution, die unbestreitbar bedeutsam für das Gleichgewicht und das Glück unseres nationalen Lebens bleibt".

Es ist ein Bild, das sich durch alle Berichte zieht - und von der Royal Family selbst bestätigt wird. Von einer "großen Leere in ihrem Leben" berichtet der zweitjüngste Sohn, Prinz Andrew.

Er war ihr wichtigster Berater

19. Juni 2012: Königin Elizabeth II. (95) und Prinz Philip (†99) besuchen den "Ladies Day" beim Royal Ascot Pferderennen in Ascot.
19. Juni 2012: Königin Elizabeth II. (95) und Prinz Philip (†99) besuchen den "Ladies Day" beim Royal Ascot Pferderennen in Ascot.  © Andy Rain/EPA/dpa

Wie aber kann eine solche Lücke gefüllt werden? Zwar nahm Philip in den letzten Jahren seines Lebens kaum noch an Terminen teil, von denen er seit seiner Heirat mit Elizabeth 1947 rund 22.000 wahrgenommen haben soll. Doch im Palast galt er als ihr wichtigster Berater, vor allem bei Ärger in der Familie - und davon gab es stets reichlich.

"Wir, ihre Familie und diejenigen, die ihr nahe stehen, versammeln sich um sie, um sicherzustellen, dass wir für sie da sind", kündigte Andrew an.

Aus dem Palast hieß es, bei offiziellen Terminen werde stets ein ranghoher Royal die Queen begleiten. Doch sucht man manchmal vergebens: Den Flugzeugträger im Hafen von Portsmouth besichtigte die Königin alleine, zeigte dabei ein Lächeln.

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Helfen sollten der Queen eigentlich neue Haustiere. Zwei Hunde hat Prinz Andrew seiner tierliebenden Mutter angeblich geschenkt, als Philip wochenlang wegen Herzproblemen im Krankenhaus lag.

Jahrzehntelang hatte die Queen Corgis gezüchtet, walisische Hütehunde, aber vor wenigen Jahren damit aufgehört. Doch nur einen Monat nach dem Herzog starb auch eines der Tiere, wie britische Medien zu berichten wussten.

Scheue Persönlichkeit, doch nach außen kein Anzeichen von Schwäche

2. Juni 1953: Königin Elizabeth II. von Großbritannien und ihr Mann, Prinz Philip, winken nach der prunkvollen Krönungszeremonie in der Westminster-Abtei vom Balkon des Buckingham Palasts den Menschen zu.
2. Juni 1953: Königin Elizabeth II. von Großbritannien und ihr Mann, Prinz Philip, winken nach der prunkvollen Krönungszeremonie in der Westminster-Abtei vom Balkon des Buckingham Palasts den Menschen zu.  © Str/PA/dpa

Es muss ein neuer Schlag gewesen sein für die Monarchin, wie die Royals-Expertin Penny Junor dem "Telegraph" sagte. Die Queen sei an sich eine sehr scheue Persönlichkeit, im jungen Alter ins öffentliche Schlaglicht gerückt. "Bei ihren Hunden kann sie ganz sie selbst sein, sicher im Wissen, dass sie sie lieben als diejenige, die sie ist und nicht, weil sie ist, was sie ist."

Doch nach außen: kein Anzeichen der Schwäche. Bewundernd bemerkten die Medien nach Philips Beisetzung, dass die Queen allein und unbegleitet die Kirche verlassen habe.

Es ist das jahrzehntealte Rezept der "stiff upper lip2 - 2auf die Zähne beißen2 und Durchhaltevermögen beweisen. "Der Job ist nicht etwas, das man einfach aufgeben kann", sagte der jüngste Sohn Prinz Edward dem "Telegraph Magazine". "Es geht einfach immer weiter."

Dass sich die Queen nicht beirren lassen will, zeigen die geplanten Termine: Am 12. Juni findet die traditionelle Geburtstagsparade "Trooping the Colour" statt, wegen der Corona-Pandemie wie im Vorjahr im kleineren Rahmen.

Einen Tag später empfängt die Queen den US-Präsidenten Joe Biden (78) auf Schloss Windsor.

Und auch das große Jubiläum wird bereits vorbereitet: Zum 70. Jubiläum ihrer Thronbesteigung sind gleich vier Tage Programm geplant, ein Sonderurlaubstag für die Bevölkerung inklusive.

Titelfoto: Steve Parsons/PA Wire/dpa

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