"Obi-Wan Kenobi" bringt sich selbst um Gänsehaut-Momente! Das läuft in den ersten Folgen falsch

Deutschland - Diese Serie lockt die vielen Millionen Fans vor die Bildschirme und Fernseher! "Obi-Wan Kenobi" läuft seit dem 27. Mai bei Disney+, ist eines der größten Kultur-Gesprächsthemen des Sommers und wird nach den ersten drei Folgen bereits in viele Richtungen diskutiert. Die TAG24-Kritik.

Darth Vader kehrt in "Obi-Wan Kenobi" als mächtiger Gegenspieler des legendären Jedi zurück.
Darth Vader kehrt in "Obi-Wan Kenobi" als mächtiger Gegenspieler des legendären Jedi zurück.  © PR/Disney/™ Lucasfilm LTD

Gleich mal vorweg: Regisseurin Deborah Chow (51, "The Mandalorian") liefert weitere starke "Star Wars"-Momente ab, verpasst mit ihrer Crew bislang aber immer wieder die Krönung - und das ausgerechnet wegen einer der Kategorien, in der die beliebte Film- und mittlerweile auch Serienreihe sonst besonders zu punkten weiß: der Musik.

Während die leidenschaftlichen Anhänger auf der ganzen Welt vom ersten Teaser Trailer begeistert waren und ihn sich immer wieder anschauten, stellt sich das nach den ersten drei Folgen von "Obi-Wan Kenobi" traurigerweise als Etikettenschwindel heraus.

Denn die ersten Bewegtbilder waren mit legendären Themes wie "Duel of the Fates" aus Episode I: Die Dunkle Bedrohung" (1999) unterlegt, was automatisch für Gänsehaut sorgte, weil mehrere Generationen mit den Scores vom Maestro John Williams (90) aufgewachsen sind und er sie nachhaltig geprägt hat.

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Schließlich rufen diese klassischen Songs tief sitzende Emotionen hervor, weshalb es umso unverständlicher ist, dass ausgerechnet die neue Vorzeigeserie diese Stärken überhaupt nicht ausspielt und in dieser Hinsicht enttäuscht. Achtung, es folgen Spoiler zur Handlung!

Im 1. Teaser Trailer zu "Obi-Wan Kenobi" war die Musikuntermalung schlichtweg genial

"Obi-Wan Kenobi" setzt die bekannten Themes nicht ein, der neue Score ist bestenfalls durchwachsen

Die Dritte Schwester Reva (Moses Ingram, 29) macht Jagd auf Obi-Wan Kenobi.
Die Dritte Schwester Reva (Moses Ingram, 29) macht Jagd auf Obi-Wan Kenobi.  © PR/Disney/™ Lucasfilm LTD

Etwa in der zweiten Folge, als Obi-Wan (Ewan McGregor, 51) von der durchtriebenen, mächtigen sowie böswilligen Dritten Schwester Reva (Moses Ingram, 29) gejagt und mit dem Fakt konfrontiert wird, dass Anakin Skywalker/Darth Vader (Hayden Christensen, 41/im englischen Original mit der Stimme von James Earl Jones, 91) noch lebt.

Während McGregor hier eine überragende schauspielerische Leistung zeigt und das schockierte Beben seiner Figur mimisch auf geniale Weise einfängt und entwickelt, fehlt dieser Szene das gewisse Etwas, für das "Star Wars" sonst steht.

Denn hier wird Standard-Musik gespielt, auf eines der vielen eingängigen Themes hofft man an dieser Stelle leider vergebens - das ist richtig ärgerlich, weil man unnötig Potenzial verschenkt und man sich offenbar ganz bewusst für diesen anderen Weg entschieden hat.

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Nicht falsch verstehen. Es ist gut, wenn wie bei "The Mandalorian" neue Songs komponiert werden, die viel Qualität haben, cool und nachhallend sind. Doch genau das passiert in "Obi-Wan Kenobi" nicht. Das Theme, das Williams extra für die Serie bzw. die Hauptfigur geschrieben hat, wird von Komponistin Natalie Holt (39, "Loki") zu selten eingesetzt.

Offenbar haben sie und die Verantwortlichen hier nur wenig Gespür für die Wünsche der Anhänger. Das ist besonders bitter, wenn man bedenkt, wie sehr Disney nach der äußerst polarisierenden Film-Trilogie um die Episoden sieben bis neun darauf bedacht ist, die Wogen zu glätten und Fan-Service zu betreiben.

Auch im offiziellen Trailer zu "Obi-Wan Kenobi" war der Score besser als (bislang) in der Serie selbst

Ein Funken Hoffnung: Sparen sich die "Obi-Wan Kenobi"-Macher die Themes für die nächsten Folgen auf?

Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor, 51) musste bislang einige Prüfungen überstehen.
Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor, 51) musste bislang einige Prüfungen überstehen.  © PR/Disney/™ Lucasfilm LTD

Siehe die letzte Folge der zweiten Staffel von "The Mandalorian" oder die sechste Episode der ersten Staffel von "Das Buch von Boba Fett". Viel mehr geht in dieser Hinsicht nicht. Man kann nur hoffen, dass "Obi-Wan Kenobi" in den verbleibenden drei Folgen noch die Kurve kriegt.

Schließlich hat die Serie schnell eine spannende und mitreißende Dynamik entwickelt, glänzt durch die starke Kameraführung, aufwendigen Spezialeffekte, die Charaktertiefe, präzisen Dialoge, hintergründigen Drehbücher, abwechslungsreichen Locations und hat einfach viel Qualität.

Durch den bewusst und klug gewählten langsamen Start wurde einem die innere Zerrissenheit und das Seelenleid des legendären Jedi offenbart, der zehn Jahre nach den Geschehnissen von "Die Rache der Sith" (2005) erst wieder zu sich selbst und der Macht finden musste.

Zudem tauchen weitere alte Bekannte wie Jimmy Smits (66) als Senator Bail Organa auf und interessante neue Figuren wie Tala (Indira Varma, 48). Auch Leia (Vivien Lyra Blair, 9) spielt eine tragende Rolle. In der dritten Folge ging es nun erstmals richtig ab, veränderte sich die Dynamik und sogar das gesamte "Star Wars"-Universum nachhaltig. Denn die Handlungsstränge spitzen sich langsam zu. Darth Vader wird auf einem Höhepunkt seines Schaffens gezeigt.

Gegen ihn hat der untrainierte Obi-Wan nicht den Hauch einer Chance. Doch erneut ist es die Musik, die zwar laut aufgedreht eingesetzt wird, aber halbherzig wirkt und diese ganz großen Momente ihrer Kraft beraubt.

Obi-Wan-Kenobi-Theme vom legendären Komponisten John Williams

Doch vielleicht haben Chow und ihre Crew für die restlichen Folgen eine bessere Mischung gefunden, sodass die Sequenzen eine epischere Wirkung entfalten können - rein inszenatorisch steht dem nichts im Wege ...

Titelfoto: PR/Disney/™ Lucasfilm LTD

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