2021 feiert der "Polizeiruf" 50-Jähriges: Ein Blick in die Geschichte des DDR-"Tatorts"

Halle (Saale) - Aus dem sozialistischen Gegenwartsfilm ist nach Ansicht vieler Zuschauer der bessere "Tatort" geworden: 2021 wird die Krimireihe "Polizeiruf 110" 50 Jahre alt. Sie gehört zu den wenigen Formaten, die nach 1990 den Sprung vom DDR-Fernsehen ins vereinte Deutschland geschafft haben - und dort sogar auf den prominenten Sendeplatz am Sonntagabend.

Das Jubiläums-Team: Derzeit wird in Halle ein neuer "Polizeiruf"-Film für den 50. Geburtstag der Krimiserie produziert. Als Ermittler fungieren dabei Peter Kurth als Henry Koitzsch (3. v.l.) und Peter Schneider (2.v.r.) als Michael Lehmann.
Das Jubiläums-Team: Derzeit wird in Halle ein neuer "Polizeiruf"-Film für den 50. Geburtstag der Krimiserie produziert. Als Ermittler fungieren dabei Peter Kurth als Henry Koitzsch (3. v.l.) und Peter Schneider (2.v.r.) als Michael Lehmann.  © Felix Abraham/MDR/dpa

Im Juni 2021 (27.6.) hat der "Polizeiruf" das runde Jubiläum, sieben Monate nach dem bundesrepublikanischen ARD-Klassiker "Tatort". Seit 1971 gab es fast 390 Folgen, beim "Tatort" sind es seit 1970 bald 1200 Folgen.

Unvergessen sind Schauspieler wie Peter Borgelt als Oberleutnant (später Hauptmann) Fuchs, Jürgen Frohriep als sein Kollege Hübner, Alfred Rücker als Leutnant Subras und Lutz Riemann als Oberleutnant Zimmermann. Anders als beim "Tatort", bei dem es gut sieben Jahre bis zur ersten Frau Kommissarin dauerte, war beim DDR-Krimi von Anfang an eine Ermittlerin im Einsatz: Sigrid Göhler als Leutnant Vera Arndt.

Auch später faszinierten vor allem die Figuren der Ermittlerinnen, darunter Angelica Domröse als Hauptkommissarin Vera Bilewski, Katrin Sass als Kommissarin Tanja Voigt, Jutta Hoffmann als Wanda Rosenbaum, Gaby Dohm als Silvia Jansen oder Imogen Kogge als Johanna Herz.

Michaela May als Jo Obermaier und Edgar Selge als Jürgen Tauber in München sind vielen noch gut im Gedächtnis, ebenso wie Uwe Steimle als besserwisserischer Kommissar Jens Hinrichs oder Henry Hübchen als Tobias Törner in Schwerin. Legendär waren Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler, die in 50 Krimis in 17 Jahren bis 2013 als Herbert Schmücke und Herbert Schneider in Halle/Saale und Umgebung Verbrecher jagten.

Zum 50-jährigen Bestehen des "Polizeirufs" kehrt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) nun nach Halle zurück - mit zunächst einem Film, dessen Ausstrahlung im Mai geplant ist (TAG24 berichtete).

"Polizeiruf" in der DDR: Das Honecker-Bild stets im Büro

Peter Borgelt als Oberleutnant Peter Fuchs in einer Szene des "Polizeiruf"-Films "Im Alter von". Der Film basierte auf einem DDR-Fall, bei dem ein Lehrling drei Jungen umbrachte. 1975 wurde er von den Machthabern der Republik verboten.
Peter Borgelt als Oberleutnant Peter Fuchs in einer Szene des "Polizeiruf"-Films "Im Alter von". Der Film basierte auf einem DDR-Fall, bei dem ein Lehrling drei Jungen umbrachte. 1975 wurde er von den Machthabern der Republik verboten.  © rbb/MDR/DRA

Der erste "Polizeiruf" vor 50 Jahren hieß "Der Fall Lisa Murnau". Darin ging es um den Raub von 70.000 Mark aus einem Postamt, bei dem die Schalterbeamtin lebensgefährlich verletzt wurde.

Mord und Totschlag waren im "Polizeiruf" der 70er und 80er eher die Ausnahme. Sadistische Mörder waren die Täter der DDR-Krimis keine - und politisch motivierte Straftäter schon gar nicht. Stattdessen standen Menschen, die anders waren als der Normalbürger - Trinker, Gestrauchelte, Diebe, Egoisten - in den Drehbüchern.

Die Ermittler waren zu DDR-Zeiten auch keine Egomanen. Komplizierte Privatleben oder gar psychische Probleme gab es im sozialistischen Kriminalistenkollektiv nicht. Im Büro hing das Honecker-Bild. Die Büroarbeit, das kriminaltechnische Können und stets die Warnung vor dem Bösen standen im Mittelpunkt.

Herausragende Fälle zu DDR-Zeiten waren zum Beispiel der Film "Schuldig", der 1978 ungewöhnlich offen Missstände im sozialen Gefüge des real existierenden Sozialismus aufzeigte. Annekathrin Bürger porträtierte darin intensiv eine Trinkerin, was vielen Zuschauern den Atem stocken ließ. Der Film wurde bis zum Mauerfall nicht wiederholt. 1988 sorgte "Der Kreuzworträtselfall" unter anderem mit Günter Naumann als Hauptmann Günter Beck und Andreas Schmidt-Schaller als Leutnant Thomas Grawe für Aufsehen.

Eine "Polizeiruf"-"Tatort"-Zusammenarbeit gab es übrigens schon im Einheitsjahr 1990: Damals trafen im deutsch-deutschen Krimi "Unter Brüdern" die Kommissare Fuchs und Grawe aus dem Osten (Peter Borgelt und Andreas Schmidt-Schaller) auf Schimanski und Thanner aus dem Westen (Götz George und Eberhard Feik).

Und was passiert 2021?

Maria Simon verabschiedet sich im kommenden Jahr von ihrer Rolle als Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski.
Maria Simon verabschiedet sich im kommenden Jahr von ihrer Rolle als Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski.  © Max Kohr/rbb Presse & Information/dpa

Beim RBB-"Polizeiruf" aus Świecko bei Frankfurt (Oder) steigt Maria Simon (44) als Olga Lenski aus (TAG24 berichtete). Zehn Jahre und 18 Fälle war sie dabei. Lucas Gregorowicz (44) als Adam Raczek macht weiter. Er bestreitet nach Simons Abschiedsfall "Monstermutter" einen Krimi im Herbst allein, bevor er den Schauspieler André Kaczmarczyk (34) als neuen Kollegen bekommt.

Beim seit 2010 aktiven NDR-Rostock-Team Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) geht es im Fall "Sabine" um eine eigentlich stille Bürokraft, die angesichts der Stilllegung der Arunia-Werft durchdreht.

In einem zweiten Krimi des oft gelobten Teams wirkt dann Bela B. Felsenheimer von der Punkband Die Ärzte mit (TAG24 berichtete). Er spielt den Rockstar Jo Mennecke, der im Fall eines getöteten Musikclub-Inhabers verdächtig ist und mit seinen Allüren nervt.

Beim Magdeburg-"Polizeiruf" mit Claudia Michelsen als Doreen Brasch gab es laut MDR aufgrund der Corona-Pandemie einige Verzögerungen, es sollen aber 2021 zwei neue Fälle zu sehen sein.

Und in München, wo Matthias Brandt sieben Jahre (15 Filme) Kommissar Hanns von Meuffels war, sind nun wieder zwei neue Krimis geplant. Nach dem BR-Neustart 2019 mit Verena Altenberger gab es 2020 nämlich keinen neuen Krimi mit der Ermittlerin Elisabeth (Bessie) Eyckhoff.

Titelfoto: Max Kohr/rbb Presse & Information/dpa

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