Hach, Märchen aus England: Ab heute "pilchert" es wieder im Fernsehen!

Köln - Es soll niemand sagen, dass Rosamunde Pilcher nur heile Welt ist. In der neuesten ZDF-Verfilmung "Herzensläufe", die am heutigen Sonntag um 20.15 Uhr gezeigt wird, geht es um zwei Schwestern, die ihre Mutter bei einer Brandkatastrophe verloren haben.

Produzent Smeaton (69) mit Schriftstellerin Pilcher (1924-2019) in einer Aufnahme von 2016.
Produzent Smeaton (69) mit Schriftstellerin Pilcher (1924-2019) in einer Aufnahme von 2016.  © Jon Ailes/ffp New Media/dpa

Nicht ohne Tragik. Dennoch kommen die Wechselfälle des Lebens hier anders daher als etwa im zeitgleich laufenden ARD-Sonntagskrimi.

Der Kölner Produzent Michael Smeaton (69) ist der Mann hinter diesen Filmen. Als es im Jahr 1993 damit losging, konnte niemand ahnen, dass sich daraus ein eigenes Programm-Modul entwickeln würde.

Heute, 28 Jahre später, liegt die Zahl der Pilcher-Filme bei mehr als 160. Jedes Jahr werden etwa fünf abgedreht. Allein diesen Herbst zeigt das ZDF drei neue Produktionen, immer am Sonntagabend.

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Ein Grund für den Erfolg muss etwas mit England zu tun haben, jedenfalls mit dem Pilcher-England. Hier tragen die Herren Tweed-Sakkos und farbige Westen und die Damen Strohhüte und Wachsjacken.

Man verabredet sich zum Afternoon Tea mit Scones und befährt Küstenstraßen entlang uriger Cottages. "Die englische Lebensart hat für die Deutschen etwas Faszinierendes", glaubt Smeaton, ein Mann, den man mit seiner grauen Haarmähne und Reibeisenstimme ohne weiteres an der Küste von Cornwall verorten könnte. Tatsächlich hat er einen Bezug zu Schottland: Sein Vater stammte von dort.

"Dass die Deutschen eine Vorliebe für England haben, erkennt man schon daran, dass sie seit gefühlt 100 Jahren an Silvester "Dinner for One" gucken. Oder daran, dass Millionen die Trauerfeier für Prinz Philip einschalteten."

Pilcher-Produktionen wird es weiterhin geben

"Herzensläufe": Zarte Bande zwischen dem verliebten Matt (Maximilian Hildebrandt) und Jacky (Liliane Zillner), die eine Gin-Destillerie führt, vor malerischer Kulisse.
"Herzensläufe": Zarte Bande zwischen dem verliebten Matt (Maximilian Hildebrandt) und Jacky (Liliane Zillner), die eine Gin-Destillerie führt, vor malerischer Kulisse.  © ZDF/Jon Ailes

Dass der Pilcher-Kosmos mit dem wirklichen England nur bedingt etwas zu tun hat, muss selbst Zuschauern klar sein, die noch nie einen Fuß auf die Insel gesetzt haben. Die Darsteller sind praktisch nur deutsche Schauspieler, die unter Umständen mit bayerischem oder österreichischem Akzent sprechen. Smeaton sieht diese Dinge abgeklärt.

"Das, was wir zeigen, ist nicht das England von heute und vermutlich noch nicht mal das von gestern", sagt er. "Wir erzählen Märchen."

Die deutschen Pilcher-Filme im britischen Fernsehen zu zeigen, ist unvorstellbar. Selbst wenn man sie synchronisierte, würde man am Gestus und an hundert kleinen Dingen erkennen, dass die Schauspieler als Engländer verkleidete Deutsche sind.

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Allerdings wird das deutsche Pilcher-Phänomen im Königreich hier und da mit wohlwollendem Erstaunen zur Kenntnis genommen. Kürzlich erschien ein längerer Bericht im "Guardian", Titelzeile: "Warum Deutsche TV-Romanzen aus Cornwall lieben".

Vor einigen Jahren waren sogar Prinz Charles und Camilla am Set. Damals lebte Rosamunde Pilcher noch, und Camilla erfreute sie mit der Info, dass sie zwei ihrer Romane gelesen habe. Smeaton war mit der 2019 gestorbenen Pilcher befreundet. "Sie ist eine extrem bescheidene Person gewesen", erzählt er. "Sie wohnte in einem Flachbau in Schottland." Man wäre nie auf die Idee gekommen, dass da eine Frau lebte, die über 60 Millionen Bücher verkauft hatte. "Aber wenn wir ihr gesagt haben 'Du kriegst jetzt die Goldene Kamera oder einen Bambi, wir fliegen dich nach Berlin', dann hat sie das sehr genossen."

Pilcher-Produktionen wird es weiterhin geben. Der Brexit macht alles zwar komplizierter durch den bürokratischen Aufwand, und die Corona-Pandemie hat die Hotelpreise in die Höhe getrieben. Aber eine wirkliche Gefahr ist das nicht. "Ich persönlich hoffe, dass die Pilcher-Filme mich überleben werden", sagt Michael Smeaton. "Das wäre eine schöne Sache. Doch, wirklich."

Titelfoto: ZDF/Jon Ailes

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