Bülent Ceylan spricht sich für mehr Dialekt aus und will das als Schulfach

Mannheim - Der Mannheimer Comedian Bülent Ceylan (45) bedauert den schleichenden Abschied vom Dialekt in Deutschland.

Bülent Ceylan (45), Mannheimer Comedian, und Nina Brunner, Moderatorin, stehen im Studio zur 3sat-Sendung "Kulturzeit".
Bülent Ceylan (45), Mannheimer Comedian, und Nina Brunner, Moderatorin, stehen im Studio zur 3sat-Sendung "Kulturzeit".  © Jana Kay/ZDF/dpa

"Mundarten sind ein Kulturgewinn. Leider hört man sie immer seltener. Dabei können sie Ausländern sogar die Integration erleichtern. Sprache schafft Nähe", sagte der Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters der Deutschen Presse-Agentur.

Wer Dialekt spreche, zeige oft Bodenständigkeit und Authentizität. Zudem könne man in Mundart besser streiten, meinte der Künstler. "Wenn ich sage "Hall de Gosch" statt "Halt den Mund", klingt das gleich weniger aggressiv."

Ceylan will an diesem Freitag in seinem Mannheimer Heimatdialekt in der TV-Sendung "Kulturzeit" (16.4., 19.20 Uhr bei 3sat) für mehr Mundart im Alltag werben. Die Sendung trägt den Titel "Kulturzeit extra: Hochdeutsch verboten mit Bülent Ceylan".

"Ich trete dort zwar als Comedian auf und nicht als Sprachforscher, aber die Sendung hat trotzdem eine Botschaft", sagte der Mannheimer. Er spreche sich unter anderem dafür aus, das Fach "Dialekt" in Schulen zumindest als Arbeitsgemeinschaft anzubieten.

Jede Region sollte zu ihrem Dialekt stehen, so Bülent Ceylan

"Das fände ich wichtig. Wenn Kinder erst einmal sicher sind im Schreiben und Lesen, dann vermittelt der Dialekt ihnen Wissen über die eigene Herkunft." Ceylan benutzt in seinen Shows selbst oft Dialekt. Seine Kunstfigur Mompfred etwa spricht breites Kurpfälzisch.

Ceylan kritisierte die oft gehörte Meinung, dass Dialektsprache ein Zeichen für mangelnde Bildung sei. "Mundart hat tatsächlich ein Prestigeproblem in Deutschland. Aber mit Intelligenz hat Dialekt erst einmal nichts zu tun. Im Gegenteil: Hochdeutsch lernen kann jeder", meinte der Comedian augenzwinkernd. Er stelle in seinen Shows immer wieder fest, dass Regionalsprache ein regelrechter "Eisbrecher" sei.

"Ich kann mir zum Beispiel für Dresden den tollsten Gag überlegen - aber wenn ich dann dort auch nur einen Satz in Sächsisch sage, tobt der Saal." Jede Region sollte zu ihrem Dialekt stehen, meinte er. "Dialekte halten die kulturellen Wurzeln einer Region am Leben."

Titelfoto: Jana Kay/ZDF/dpa

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