"Auf den Spuren eines Kindermörders": Achtjährige entführt, vergewaltigt und ermordet

Frankfurt am Main - Es ist ein Szenario, das sich Eltern nicht einmal in ihren kühnsten Albträumen ausmalen möchten: Das eigene Kind wird am helllichten Tag beim Spielen verschleppt und wird nach monatelangem Bangen nur tot aufgefunden. Eben dieses Martyrium durchlebte im Jahr 1999 die Familie Bohnacker aus dem südhessischen Ranstadt. Der Hessische Rundfunk befasst sich zum Start eines neuen True-Crime-Formats mit dem schrecklichen Mordfall Johanna Bohnacker (✝8).

Die HR-True-Crime-Dokumentation "CrimeTime" beleuchtet besonders erschütternde Kriminalfälle in aller Ausführlichkeit.
Die HR-True-Crime-Dokumentation "CrimeTime" beleuchtet besonders erschütternde Kriminalfälle in aller Ausführlichkeit.  © Hessischer Rundfunk

Wir schreiben den 2. September 1999. Die kleine Johanna, die mit ihrer Familie im 500 Seelen beherbergenden Ranstädter Ortsteil Bobenhausen lebt, ist - wie so oft an einem schönen Nachmittag - im Freien zum Spielen unterwegs. An diesem Nachmittag hält sich das Mädchen mit Freundinnen am örtlichen Sportplatz auf, auf dem noch ein Fußballspiel stattfinden soll, so der damalige Soko-Leiter Roland Fritsch.

Gegen 17 Uhr tritt die Achtjährige auf ihrem geliebten, gelben Fahrrad alleine den Nachhauseweg an, kommt aber nie zu Hause an. Schnell wird ihren Eltern klar, dass etwas nicht stimmt und kurz darauf begeben sich Johannas Vater und Schwester auf die Suche, die jedoch erfolglos bleibt.

Lediglich ihr Fahrrad wird am Radweg abseits des Sportplatzes entdeckt. Dass Johanna es dort vergessen hat - unwahrscheinlich. Nur rund zwei Stunden nach dem Verschwinden des Mädchens, das zwischenzeitlich offiziell als vermisst gemeldet wird - ist eine Hundertschaft von Polizei und Feuerwehr rund um ihren letzten bekannten Aufenthaltsort auf der intensiven Suche nach Johanna.

Bei Einbruch der Dunkelheit bleibt aber auch diese ohne Erfolg und wird abgebrochen. Für die leitenden Einsatzkräfte ist ein derartiger Fall "einer der mit am unangenehmsten Situationen, die man sich vorstellen kann", wie Fritsch weiter erläutert.

Dass es zum Äußersten - dem Tod der Achtjährigen - gekommen ist, erfahren ihre Eltern, Familie sowie die Ermittler erst sieben grauenhafte Monate voller Ungewissheit später. Da wird Johannas Leiche in einem Waldstück entdeckt.

Rick J. gestand Entführung, bestritt jedoch Missbrauch und Mord

Der Angeklagte Rick J. (r.) wird zu einer Anklagebank im Landgericht Gießen geführt. (Archivfoto)
Der Angeklagte Rick J. (r.) wird zu einer Anklagebank im Landgericht Gießen geführt. (Archivfoto)  © dpa/Fabian Sommer
Eine in der Dokumentation gezeigte Zeichnung zeigt das erste Verhör des Täters Rick J.
Eine in der Dokumentation gezeigte Zeichnung zeigt das erste Verhör des Täters Rick J.  © Hessischer Rundfunk

Ausgegangen wird von einem Tod durch Ersticken sowie einer vorangegangenen Vergewaltigung. Doch es soll nur der Anfang einer nervenaufreibenden Zeit voller Ungewissheit bleiben.

Jahrelang tappen die Verantwortlichen auf der Suche nach einem Täter im Dunklen, aus Mangel an Zeugen, Hinweisen und technischen Möglichkeiten. Auf einem "Weg voller Einbahnstraßen und Ohnmachtsgefühlen" aber auch "immer wieder kleinen Hoffnungsschimmern" lassen die Ermittler keinen Tag locker, um den trauernden Eltern zumindest ein wenig Seelenfrieden zu verschaffen.

Erst nach knapp 20 Jahren gelingt ihnen dieses Vorhaben. Der Verdächtige: Rick J. (45) - ein unscheinbarer Brillenträger mit Pferdeschwanz. Im Jahr 2018, fast auf den Tag genau 20 Jahre später beginnt der Prozess, in dessen Verlauf J. zwar die Entführung, jedoch weder die Vergewaltigung noch den Mord eingesteht. Johannas Tod sei nur ein tragischer Unfall gewesen.

Am Ende wird er zu einer lebenslangen Haft verurteilt, die Johannas Eltern zwar kein Seelenheil, jedoch ein Stück weit Genugtuung verschafft.

In drei etwa 40-minütigen Folgen widmet sich das HR-Format "Crime Time: Auf den Spuren eines Kindermörders" dem wohl bedeutsamsten, aber auch tragischsten hessischen Kriminalfall der vergangenen 20 Jahre. Verfügbar sind die Episoden der Crime-Serie, die von Profiler Mark Thorben Hofmann (30) moderiert wird, seit Mittwoch (14. April) in der ARD-Mediathek.

Titelfoto: Montage: Hessischer Rundfunk

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