Nach Wechsel von drei Sprechern: "Tagesschau"-Ikone Dagmar Berghoff kritisiert Bezahlung

Hamburg - Geld regiert die Welt! Die ARD musste in kürzester Zeit drei schmerzhafte Abgänge verkraften.

Dagmar Berghoff (78) war jahrzehntelang Sprecherin der Tagesschau.
Dagmar Berghoff (78) war jahrzehntelang Sprecherin der Tagesschau.  © Axel Heimken/dpa

Jan Hofer (69), Linda Zervakis (45) und Pinar Atalay (43) verabschiedeten sich und schlossen sich den Privat-Sendern an.

Für "Tagesschau"-Ikone Dagmar Berghoff (78), die vor 45 Jahren als erste Frau die Nachrichten moderierte, hat das auch einen triftigen Grund.

"RTL und Sat.1 zahlen natürlich auch viel mehr als die ARD. Das ist gar kein Vergleich", erklärt sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Wenn man überlegt, dass man für eine 20-Uhr-Ausgabe 257,33 Euro bekommt, ist das schon wenig Geld." Selbst das ZDF zahle mehr.

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Der ehemalige Chefsprecher Hofer verabschiedete sich im Dezember 2020 von der Tagesschau, ehe im März bekannt wurde, dass er bei RTL eine eigene Sendung bekommen werde.

Berghoff könne den Schritt zwar nicht verstehen, sei aber auf das Format gespannt. "Es könnte natürlich sein, dass Jan Hofer auch das Geld gereizt hat", gibt sie zu Bedenken.

Den gleichen Weg geht auch "Tagesthemen"-Moderatorin Atalay. "Sie hat wahrscheinlich die Chance einfach ergriffen", tippt Berghoff. Atalay selbst hatte wie folgt ihren Wechsel begründet: "In diesen politisch spannenden Zeiten wird das journalistische Profil von RTL weiter gestärkt, und ich freue mich, daran teilhaben zu dürfen."

Dagmar Berghoff wurde widerwillig zur "Tagesschau"-Sprecherin

Als erste Frau sprach sie am 16. Juni 1976 die Tagesschau-Nachrichten.
Als erste Frau sprach sie am 16. Juni 1976 die Tagesschau-Nachrichten.  © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Die Dritte im Bunde ist Zervakis. Die "Tagesschau"-Sprecherin verabschiedete sich Ende April und wechselte zu ProSieben. Dort hatte sie bereits ihren ersten Auftritt. Zusammen mit Louis Klamroth interviewte sie den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Die Sendung floppte allerdings. "Sie will sich austoben", ist sich Berghoff sicher.

Die heute 78-Jährige blickt zudem auf ihre eigenen Anfänge zurück. Als erste Frau durfte sie die Hauptnachrichtensendung im Ersten sprechen. "Als ich meine erste 'Tagesschau' machte an dem 16. Juni vor 45 Jahren war noch ein zweiter 'Tagesschau'-Kollege mit im Studio", erklärt sie.

Das hatte einen einfachen Grund: "Er sollte einspringen, falls ich als erste Frau der 'Tagesschau' zusammenbrechen sollte oder nicht weiterreden könnte. Das ist heute unvorstellbar."

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In der damaligen Zeit herrschte noch das typische Klischee-Denken. "Der damalige Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke war der Meinung, dass Frauen das nicht können. Er musste aber auf Betreiben der Chefredaktion jemanden suchen und hat mich widerwillig ausgesucht. Er war selbst überrascht, dass ich das ganz gut machte."

Berghoff moderierte 33 Jahre lang die "Tagesschau", ab 1995 sogar als Chefsprecherin. Auf eigenen Wunsch hin verließ sie die Sendung am 31. Dezember 1999.

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

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