Er tanzte in Ruinen, heute ist er ein Weltstar

Von Björn Strauss

Damaskus/Amsterdam - Sein Weg war steinig - und das im wahrsten Sinn des Wortes.

Dance or Die: Dieses Lebensmotto von Ahmad Joudeh (30) ist eine Kampfansage an den IS, falls dieser ihn aufgreift.
Dance or Die: Dieses Lebensmotto von Ahmad Joudeh (30) ist eine Kampfansage an den IS, falls dieser ihn aufgreift.  © Roozbeh Kaboly/ZDF

Ahmad Joudeh (30) ist heute Balletttänzer und Choreograf aus Syrien. Er zog mithilfe der "Dutch National Ballet Company" in die Niederlande. Aber alles begann in den Ruinen von Damaskus. Über seinen Weg zum Tanz-Star berichtet eine Doku auf ARTE.

Im Nacken von Ahmad Joudeh stehen drei Worte tätowiert: "Dance or Die". Dieses Tattoo ist seine Kampfansage an den IS, falls dieser ihn aufgreife. "Dance or Die" - so heißt die bewegende Dokumentation über den syrischen Tänzer, der dem Krieg entflieht und in Europa ein neues Leben fand.

Die Geister der Vergangenheit lassen ihn nicht los; er kämpft noch immer gegen seine harte Vergangenheit an, muss mit einer Zyste im Kopf leben, die ihm große Schmerzen bereitet.

Aber er ist voller Optimismus, wenn er tanzt, wenn er mit Freunden unterwegs ist, wenn er in der neuen Heimat aufblüht...

Der Tänzer entfloh dem IS

Die Doku von Regisseur und dem Tänzer "Dance or Die" wurde 2019 mit einem Emmy ausgezeichnet.
Die Doku von Regisseur und dem Tänzer "Dance or Die" wurde 2019 mit einem Emmy ausgezeichnet.  © Roozbeh Kaboly/ZDF

Auch wenn er aus einer musikalisch gebildeten Familie stammt: Einzig die Mutter stand hinter ihm. Sein Vater wollte ihm gar die Beine brechen...

Tanzen gilt in Syrien als unmännlich. Und dort ist Krieg, der macht es Ahmad in Damaskus unmöglich, überhaupt noch zu tanzen.

Er nutzt eine Gelegenheit zu fliehen, landet 2016 in Holland. Ahmad wird Tänzer des Dutch National Ballet; zugleich ist er als Solotänzer mit weltweiten Auftritten in Fernsehshows unter anderem mit Sting (69) erfolgreich.

Sein Traum, einmal Primoballerino Roberto Bolle (45) zu sehen, wurde gar übererfüllt. Beide tanzen sogar zusammen!

Die schlimmen Erinnerungen an den Krieg aber lassen sich nicht wegdrücken, vor allem aber lastet das Zerwürfnis mit seinem Vater auf ihm, der Ahmad für sein Tun verachtet und der mit der Familie gebrochen hat.

Die allmähliche Wiederannäherung der beiden Männer findet ein gutes Ende, denn erst die Ferne der zerstörten Heimat ermöglicht es ihnen, wieder zueinander zu finden - in einem deutschen Flüchtlingslager!

Der Regisseur von "Dance or die" ist Roozbeh Kaboy. Er war als Fernsehjournalist bereits mehrere Male in Syrien. Dort lernte er Ahmad Joudeh kennen. Als Ahmad 2016 nach Holland kommt, dreht der Regisseur für das niederländische Fernsehen einen Film über den Tänzer und beschließt, ihn weiterhin filmisch zu begleiten.

Derzeit ist Ahmad Joudeh (30) international als bekannter Künstler tätig.
Derzeit ist Ahmad Joudeh (30) international als bekannter Künstler tätig.  © Roozbeh Kaboly/ZDF

Das wunderbare Ergebnis von Regisseur und dem Tänzer ist die Doku "Dance or Die", die 2019 sogar mit einem Emmy ausgezeichnet wurde.

TV-Tipp: Am Sonntag, 3. Januar 2021 um 23.10 Uhr bei ARTE (außerdem am Samstag, 16. Januar 2021 um 2.15 Uhr und am Sonntag, 17. Januar 2021 um 5.55 Uhr). Online gibt's den Film noch bis 3. April 2021 in der ARTE-Mediathek zu sehen.

Titelfoto: Roozbeh Kaboly/ZDF

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