Fake-Vorwürfe: Preisgekrönte Sex-Doku "Lovemobil" gefälscht?

Hamburg - Es ist sehr selten und ungewöhnlich, dass sich ein TV-Sender zu so einem Schritt gezwungen sieht: Der NDR distanziert sich von der preisgekrönten Doku "Lovemobil". Der Grund: Fälschungsvorwürfe.

In den Lovemobil genannten Wohnmobilen verkaufen Prostituierte am Straßenrand ihren Körper. (Archivbild)
In den Lovemobil genannten Wohnmobilen verkaufen Prostituierte am Straßenrand ihren Körper. (Archivbild)  © Julian Stratenschulte/dpa

Wie der Sender am Montagnachmittag mitteilte, sind zahlreiche Situationen des Films nachgestellt oder inszeniert. Zentrale Protagonisten würden nicht ihre eigenen Erfahrungen schildern, sondern eine Rolle spielen.

Die Doku "Lovemobil" schildert das Leben von Prostituierten, die mit ihren titelgebenden Wohnmobilen am Straßenrand in Niedersachsen arbeiten. Der NDR war Ko-Produzent. Der Film wurde durch Nordmedia, die Filmförderung Niedersachsens und Bremens, gefördert. Im Juli 2020 erhielt er den Deutschen Dokumentarfilmpreis, außerdem ist er für den Grimme-Preis nominiert.

Recherchen der NDR Redaktion STRG_F haben nun die Verfehlungen ans Licht gebracht.

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Im Interview - so der NDR - habe die Autorin Elke Margarete Lehrenkrauss es versäumt, "den NDR über die Inszenierungen zu informieren". Das bereue sie, warf dem Sender vor, nie nachgefragt zu haben.

Zu STRG_F sagte sie: "Ich kann mir auf jeden Fall nicht vorwerfen, die Realität verfälscht zu haben, weil diese Realität, die ich in dem Film geschaffen habe, ist eine viel authentischere Realität."

Bekannte der Regisseurin spielen im Film Rollen

Ob diese Szene aus "Lovemobil" echt ist, oder nur gespielt, ist unbekannt.
Ob diese Szene aus "Lovemobil" echt ist, oder nur gespielt, ist unbekannt.  © Christoph Rohrscheidt/Elke Lehrenkrauss/dpa

Außerdem soll Lehrenkrauss eingeräumt haben, dass Sie Darsteller - darunter auch Bekannte - eingesetzt habe.

Im Film taucht beispielsweise die Prostituierte "Rita" auf, bei ihr handelt es sich um eine Schauspielerin. Einer der gezeigten "Freier" soll ein Bekannter der Regisseurin sein.

"Die Redaktion war während der mehrjährigen Produktionszeit zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert worden", heißt es vom NDR. Die Dokumentarfilmredaktion weist den Vorwurf zurück, keine Nachfragen zur Authentizität gestellt zu haben.

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Mit der Aufklärung stehe der NDR noch ganz am Anfang.

Über den Fall plant der Sender mehrere Berichte. Montag um 22.45 Uhr wird er im Kulturjournal aufgegriffen. STRG_F zeigt seine Recherchen am Dienstag um 17 Uhr auf YouTube. Außerdem berichtet Panorama 3 am Dienstag um 21.15 Uhr.

"Lovemobil" wurde aus der ARD-Mediathek genommen und gesperrt.

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa

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