DDR-Strippenzieher von damals - "Singen für den Sozialismus"

Von Björn Strauss

Dresden/Leipzig - Westmusik für Ossis? Der Raum Dresden war das "Tal der Ahnungslosen", hieß es einst bitterböse und mit einem Augenzwinkern, weil die Stadt zu weit weg von Radiostationen und im Tal liegt. Der MDR zeigt "Strippenzieher" von einst, die Westmusiker in die DDR holten. Aber auch viele Ost-Hits sind zu hören in der "MDR-Zeitreise" zurück in die 80er... und noch früher.

Die "DDR-Sängerin" Tamara Danz (†43 im Jahr 1996) sang beim Konzert der Gruppe "Silly" am 11. Januar 1986 im Ost-Berliner Palast der Republik anlässlich der Veranstaltung "Rock für den Frieden".
Die "DDR-Sängerin" Tamara Danz (†43 im Jahr 1996) sang beim Konzert der Gruppe "Silly" am 11. Januar 1986 im Ost-Berliner Palast der Republik anlässlich der Veranstaltung "Rock für den Frieden".  © DB ZB/dpa-Zentralbild/dpa

Er war da: "The Boss" Bruce Springsteen (71) sang 1988 in Weißensee und 150.000 DDR-Bürger feierten die Party ihres Lebens! Es sollte das größte Rockkonzert in der Geschichte der DDR sein - und war es auch, vielleicht sogar das legendärste.

Das einzige blieb es nicht. Schon kurz nach Kriegsende 1945 traten "Westkünstler in der damaligen sowjetischen Besatzungszone" auf. 1965 begeistert Louis Armstrong (†69) 18.000 Fans in der DDR.

Und weil die Devisen ("Westgeld") knapp waren, gab's für die Westkünstler oft "Naturalien" als Bezahlung. "Statt Gage gibt’s Teleskope aus Jena, sogar Waffen aus Suhl", so der Sender.

Doch noch lange nicht jeder Künstler durfte rein in die "Zone". Da machte oft die Zensur einen Strich durch die Song-Rechnung. Die große DDR-Tournee von der Kölner Kultband BAP beispielsweise scheiterte – die Band wollte sich einfach nicht ihre Songtexte korrigieren lassen...

Roland Kaiser (68) - hier beim Festakt zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit - durfte im Osten auftreten.
Roland Kaiser (68) - hier beim Festakt zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit - durfte im Osten auftreten.  © Soeren Stache/dpa

Statt Gage gibt’s Teleskope aus Jena, sogar Waffen aus Suhl

Janett Eger (36) moderiert die "MDR ZEITREISE" mit spannenden Gegenwartsfragen in historischer Perspektive.
Janett Eger (36) moderiert die "MDR ZEITREISE" mit spannenden Gegenwartsfragen in historischer Perspektive.  © MDR/Alexander Friederici

Und in der Gegenrichtung gab's auch Irrungen. Im Westen auftreten konnte nur, "wer der DDR treu zu bleiben gedenkt".

"Nur Ostkünstler, die die Botschaft des Sozialismus in die weite Welt tragen, sehen auch etwas von dieser", macht der MDR klar.

Für die "MDR ZEITREISE" besucht der MDR "die Strippenzieher von damals. Wer durfte wohin? Was war erlaubt? Was durfte keinesfalls passieren?"

In der Doku kommen alte, unvergessene Hits von Ossis auf die Zuschauer-Ohren!

Die Klänge von "Silly" (noch mit Tamara Danz, †43) bis "Karat" und von Louis Armstrong bis Roland Kaiser (67), der schon vor 32 Jahren zum ersten Mal in der DDR sang. Und er hat's bis heute geschafft, sein "Ostpublikum auf Händen" zu tragen.

Wolfgang Niedecken (70), Sänger der Kölsch-Rock-Band "BAP", die Band wollte sich einfach nicht ihre Songtexte korrigieren lassen... das bedeutete Auftrittsverbot in der DDR.
Wolfgang Niedecken (70), Sänger der Kölsch-Rock-Band "BAP", die Band wollte sich einfach nicht ihre Songtexte korrigieren lassen... das bedeutete Auftrittsverbot in der DDR.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

TV-Tipp: In neuen Folgen des MDR-Erfolgsformats nimmt uns Moderatorin Janett Eger (36) am Sonntagabend um 22 Uhr mit auf ihre "Zeitreise"; zu sehen vorab in der Mediathek. Und wie es einst in der DDR-Disco (Es ging nur um Sex - Diskos in der DDR) abging, erfahrt Ihr >> hier.

Titelfoto: DB ZB/dpa-Zentralbild/dpa und Soeren Stache/dpa

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