Was hat es mit den gefährlichen Geisternetzen auf sich?

Von Björn Strauss

ZDF/Hamburg - Unser täglich Fisch gib uns heute... Die Überfischung der Meere schreitet weiterhin voran. Und wo immer mehr Fischkutter tuckern, landen auch mehr Fischer-Netze in den Tiefen der Meere - mit dramatischen Auswirkungen!

Über 130.000 Delphine, Seehunde, Seelöwen, Wale und Millionen Fische, Vögel und Schildkröten verenden aufgrund der Netz-Schwämme Jahr für Jahr.
Über 130.000 Delphine, Seehunde, Seelöwen, Wale und Millionen Fische, Vögel und Schildkröten verenden aufgrund der Netz-Schwämme Jahr für Jahr.  © ZDF/Wolf Wichmann

Der durchschnittliche Konsum von Fisch bzw. von Fischereierzeugnissen (nur) deutscher Verbraucher summierte sich 2019 auf rund 13,2 Kilogramm pro Kopf. Und dieser Batzen muss erstmal in die Netze gehen.

Die Ozeane aber leiden. Neben dem Klimawandel und dem damit verbundenen Anstieg der Meerestemperatur gibt es weitere bedenkliche Gefahren, mit denen besonders die Meeresbewohner zu kämpfen haben.

Die spannende "planet e"-ZDF-Doku wartet mit noch mehr Fakten auf: Als wäre die "normale" Plastik-Verschmutzung oder jene durch Milliarden von Schutz-Masken nicht schon genug: Die Fischerei-Flotten hinterlassen ihre "maschigen" Machenschaften in immer größerem Ausmaß.

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Denn, bis zu einer Million TONNEN Fischernetze verbleiben JÄHRLICH in den Ozeanen! Und genau diese "Geisternetze" führen dazu, dass Abermillionen Meerestiere qualvoll verenden.

Wie kann gegengesteuert werden? Im ZDF läuft dazu eine Doku, bei der es einem bitter aufstößt.

Bergung der Fischernetze ist dringend notwendig

Ein "entsorgtes" Fischernetz "überlebt" bis zu 600 Jahre im Meer!
Ein "entsorgtes" Fischernetz "überlebt" bis zu 600 Jahre im Meer!  © Justin Klusener Photography/Ugu South Coast Tourism/dpa

Um all die Geisternetze zu bergen, führen Meeresschützer wie die "Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V." teils riskante Tauchaktionen durch.

Auch in der Ostsee werden Fischernetze "gefischt". Denn auch im Binnenmeer landen jährlich bis zu 10.000 Netzteile.

Die abgerissenen Netze und Netzteile gehen bei Stürmen und Unfällen verloren, bleiben an Wracks hängen und sinken zum Meeresboden.

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Allerdings steige auch die Zahl der Geisternetze, die durch illegale Entsorgung im Meer landen, so das ZDF.

600 Jahre dauert es, bis ein einziges Netz zersetzt ist. Zu lange! Denn so lange bleiben sie tödliche Fallen. Die Macher der Doku schätzen, dass über 130.000 Delphine, Seehunde, Seelöwen, Wale und Millionen Fische, Vögel und Schildkröten aufgrund der Netz-Schwämme Jahr für Jahr verenden.

Aber nicht nur UNTER Wasser lauert Gefahr! An Stränden der Nordsee werden regelmäßig Netzreste angespült. Diese nutzen Vögel zum Nestbau. Die brütenden Vögel aber nutzen die reißfesten Kunststoff-Fetzen, die sie am Strand finden - was ein tödliches Unterfangen, vor allem für den Nachwuchs, darstellt.

Gibt's eine Alternative zu den Kunststoffnetzen? Wie weit ist die Forschung? Die ZDF-Reihe "planet e." fragt auch nach beim "SINTEF Research Institute" im norwegischen Trondheim, dessen Forscher unter anderem untersuchen, ob sich Netze aus biologisch abbaubaren Materialien einsetzen lassen.

TV-Tipp. Was Meeresschützer dagegen tun und ob es Alternativen zu den todbringenden Kunststoffnetzen gibt, ERZÄHLT die ZDF-Umweltdoku am Sonntag, 6. Juni 2021, 15.40 Uhr, in "Geisternetze - Gefahr vom Meeresgrund" (ab Freitag, 10 Uhr, in der ZDFmediathek).

Titelfoto: ZDF/Wolf Wichmann

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