Kommentar zu DSDS und dem Wendler: Gesinnungs-Diktatur oder mutiger Schritt?

TAG24-Redakteur Florian Gürtler fragt in seinem Kommentar, wie die nachträgliche Verbannung des Skandal-Musikers Michael Wendler (48) aus den Episoden von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) zu bewerten ist?

RTL hat seine Ankündigung tatsächlich umgesetzt: Skandal-Musiker Michael Wendler (48) wurde aus den Episoden von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) herausretuschiert (TAG24 berichtete). Doch wie ist diese äußerst drastische Maßnahme des Senders aus Köln zu bewerten?

Das Foto zeigt (v. l.) Mike Singer (20), Maite Kelly (41) und Dieter Bohlen (66), die drei verbliebenen Juroren von DSDS 2021.
Das Foto zeigt (v. l.) Mike Singer (20), Maite Kelly (41) und Dieter Bohlen (66), die drei verbliebenen Juroren von DSDS 2021.  © TVNOW / Stefan Gregorowius

Die politischen Unterstützer des Sängers, der durch seinen üblen KZ-Vergleich und Verschwörungstheorien aus dem Lager der Corona-Leugner für Schlagzeilen gesorgt hatte, werden die nachträgliche Verbannung des Wendlers aus den DSDS-Folgen sicher als weiteren Beleg für angeblich gesteuerte Medien, Zensur, wenn nicht gar für Gesinnungs-Diktatur halten.

Tatsächlich erinnern die Maßnahmen von RTL – insbesondere der Umstand, dass nicht einmal mehr ein Schlager des Wendlers zu hören war, als einer der Kandidaten ihn sang – ein wenig an George Orwells berühmten Roman "1984".

Darin wird ein dystopischer, totalitärer Überwachungsstaat geschildert, die Hauptfigur Winston Smith arbeitet im Propagandaministerium und betreibt dort Geschichtsfälschung im Sinne des herrschenden Regimes, indem er Dokumente nachträglich manipuliert.

Aber ist das Verfahren von RTL im Wendler-Fall tatsächlich mit der Manipulation des Kultur-Betriebs in einer totalitären Diktatur zu vergleichen?

Die Antwort lautet ganz klar: Nein!

Keine Bühne für Corona-Leugner und rechte Demagogen

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Ohne Zweifel hat RTL mit der Verbannung des Wendlers ein politisches Statement gesetzt. Dies wird von dem Sender aber auch klar kommuniziert.

Zu Beginn der gestrigen Episode wie auch nach jedem Werbeblock wurde ein schwarzes Feld mit weißer Schrift eingeblendet und vorgelesen, in welchem der Schritt erklärt wurde.

"Wir verurteilen jegliche Form von Antisemitismus, Rassismus sowie Diskriminierung auf das Schärfste" heißt es darin zum Schluss.

RTL hat mit der nachträglichen und umfassenden Trennung von Michael Wendler Mut bewiesen und eine eindeutige Position bezogen – und dies ist angesichts von Meinungsmachern, die mit Lügen und kruden Verschwörungstheorien arbeiten auch absolut notwendig.

Es wäre zu wünschen, dass andere Medien sich dieser Form des politischen Protests anschließen.

Ob es um Corona-Leugner oder rechte Demagogen wie Donald Trump (74) geht, wer mit Fake News und Verschwörungstheorien arbeitet und dadurch die Demokratie unterhöhlt, der sollte in seriösen Medien keine Bühne mehr erhalten.

Aufklärende Berichterstattung hingegen muss weiter stattfinden, damit diejenigen als Lügner und Hetzer benannt werden, die Lüge und Hetze betreiben.

Die Zahlen sprechen übrigens für sich: Laut RTL war die gestrige DSDS-Episode ohne den Wendler in allen Zielgruppen "erfolgreicher als die Auftaktfolge am vergangenen Dienstag", in welcher der Musiker noch als Juror zu sehen war.

Titelfoto: TVNOW / Stefan Gregorowius, Florian Gürtler

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