Gewalt, Tränengas und Blut: Diese Doku müsst ihr gesehen haben

Washington - "Sie haben uns um den Wahlsieg betrogen!" In diesem Glauben stürmten wütende Anhänger von Ex-Präsident Donald Trump (75) am 6. Januar 2021 die Herzkammer der amerikanischen Demokratie, das Kapitol von Washington. Ein Jahr später lässt eine Doku von HBO, BBC und SWR die TV-Zuschauer so tief wie wohl noch nie zuvor in die Ereignisse dieses unvergesslichen Tages eintauchen.

Der Sturm auf das US-Kapitol ist auch nach einem Jahr noch lange nicht verarbeitet.
Der Sturm auf das US-Kapitol ist auch nach einem Jahr noch lange nicht verarbeitet.  © Jose Luis Magana/AP/dpa

Vorab, "Sturm auf das Kapitol" ist keine Dokumentation, die man kurz vor dem Einschlafen schauen sollte. Sie ist brutal, sie ist ehrlich, und sie bringt das Gehirn zum Arbeiten. Wie konnte es so weit kommen, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft voller Hass das Haus ihrer gewählten Volksvertreter stürmen? Warum vertrauen diese Leute nicht mehr in Demokratie und Rechtsstaat? Und wofür kämpfen sie eigentlich?

Als sich die erste Gruppe Protestler am 6. Januar Richtung Kapitol aufmachte, war die Rede von Donald Trump, der an diesem Tag zu einer großen Kundgebung gegen das seiner (öffentlichen) Meinung nach gefälschte Wahlergebnis aufgerufen hatte, noch gar nicht zu Ende. Dennoch sieht man schon da den blanken Hass in den Gesichtern der berüchtigten "Proud Boys", einer rechtsextremen Organisation.

Begleitet werden die von einem unscheinbaren, etwas dicklichen Mann im elektrischen Rollatormobil, der begeistert mit seiner Kamera draufhält - und die Zuschauer damit förmlich in das Geschehen zieht.

Der Zuschauer ist mitten im Geschehen

Eine Absperrung nach der anderen überwanden die Demonstranten auf ihrem unaufhaltsamen Weg ins US-Kapitol.
Eine Absperrung nach der anderen überwanden die Demonstranten auf ihrem unaufhaltsamen Weg ins US-Kapitol.  © John Minchillo/AP/dpa

An der äußersten Absperrung vor dem Kapitol treffen die Demonstranten auf nur wenige Polizisten, die sich zunächst völlig ungeschützt dem größer und diverser werdenden Mob entgegenstellen.

Man sieht die Angst und Verzweiflung in ihren Augen, die auch in den wieder und wieder eingespielten kurzen Interview-Schnipseln nicht gewichen ist.

Während die Demonstranten eine Absperrung nach der anderen überrennen, mischen sich immer mehr Videoaufnahmen beider Seiten unter die anfänglichen Bilder des Rollator-Fahrers. Und mit jeder von ihnen wird dem Zuschauer die Brutalität dieser Situation bewusst. Einer, in der es am Ende nur Verlierer geben kann - und mit einigen Toten, Verletzten und späteren Suiziden auch gab.

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Immer häufiger geht der Blick der Doku-Macher jetzt auch in das Kapitol, wo in einer Sitzung die Stimmen der Wahlmänner zur Präsidentschaftswahl ausgezählt werden sollen. Hier ist man sich der Gefahr noch gar nicht bewusst, auch dann nicht, als die ersten Fensterscheiben eingeschlagen werden ...

"Sturm auf das Kapitol" ist in der ARD-Mediathek zu sehen. Es zeigt auf beeindruckende Art und Weise und nahezu wertungsfrei, wie leicht Menschen sich instrumentalisieren lassen können und wie gefährlich soziale Medien für den Frieden der Gesellschaft sind, wenn scheinbare Fakten nicht mehr überprüft und völlig uneingeordnet in die Welt geblasen werden.

Washington am 6. Januar 2021 im Ausnahmezustand

Patriotische Gefühle im Tränengas-Nebel.
Patriotische Gefühle im Tränengas-Nebel.  © Jose Luis Magana/AP/dpa
Auge in Auge und voller Hass: Ein Polizist mit völlig besudeltem Visier stellt sich einem Demonstranten gegenüber.
Auge in Auge und voller Hass: Ein Polizist mit völlig besudeltem Visier stellt sich einem Demonstranten gegenüber.  © John Minchillo/AP/dpa
Szenen wie aus einem schlechten Film: Um Abgeordnete des Repräsentantenhauses zu schützen, richten Sicherheitsleute ihre Waffen auf Protestler, die durch eine eingeschlagene Scheibe in den Saal hineinschauen.
Szenen wie aus einem schlechten Film: Um Abgeordnete des Repräsentantenhauses zu schützen, richten Sicherheitsleute ihre Waffen auf Protestler, die durch eine eingeschlagene Scheibe in den Saal hineinschauen.  © J. Scott Applewhite/AP/dpa
Menschen suchten auf den Rängen des Repräsentantenhauses Schutz. Auch ihnen ist ein Teil der Dokumentation gewidmet.
Menschen suchten auf den Rängen des Repräsentantenhauses Schutz. Auch ihnen ist ein Teil der Dokumentation gewidmet.  © Andrew Harnik/AP/dpa

Übrigens: Noch im Februar möchte Ex-Präsident Donald Trump sein neues Netzwerk "Truth Social" starten. Dort sollen sich Menschen sammeln, die mit der aktuellen Berichterstattung unzufrieden sind, oder sich in ihrer Meinung unterdrückt fühlen.

Titelfoto: Jose Luis Magana/AP/dpa

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