Verbotener DEFA-Film verschwand im DDR-Giftschrank: Jetzt können ihn alle sehen!

Leipzig - 1966 sollte der DDR-Film "Fräulein Schmetterling" erscheinen. Doch noch vor der Fertigstellung verschwand der DEFA-Streifen im Giftschrank, blieb vor der Öffentlichkeit verschlossen - bis heute!

Der DEFA-Film "Fräulein Schmetterling" wurde 1966 verboten.
Der DEFA-Film "Fräulein Schmetterling" wurde 1966 verboten.  © MDR/DEFA-Stiftung/Rolf-Eckhardt

"Fräulein Schmetterling" wurde 1965 nach einem Drehbuch von Christa (†82) und Gerhard Wolf (92) sowie DEFA-Regisseur Kurt Barthel (†82) geschrieben.

Der Film war als Experiment für die DEFA geplant, denn ein derartiges Gegenwartsmärchen mit Einblicken in das Berliner Alltagsleben der 1960er-Jahre gab es bis dato noch nicht.

In dem Projekt sollte die Selbstverwirklichung der Hauptfigur Helene Raupe (gespielt von der damals 17-jährigen Melania Jakubisková) und die Gedanken der Jugend zu DDR-Zeiten gezeigt werden.

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Doch das 11. Plenum des ZK der SED hatte etwas gegen die Veröffentlichung. Dieses hatte einige andere DEFA-Filme im Dezember 1965 verboten, teils sogar vernichtet.

Deshalb wurde der zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorgestellte "Fräulein Schmetterling"-Streifen überarbeitet, kritische Szenen gelöscht, Charaktere umbenannt.

"Fräulein Schmetterling": Nach mehr als 55 Jahren gibt es die TV-Premiere

Der Rohschnitt wurde im Februar und später auch April 1966 vorgeführt. Nach dem zweiten Termin wurde der Film verboten, "weil alle vom 11. Plenum des ZK der SED kritisierten falschen und schädlichen ideologischen Auffassungen vertreten seien", schrieb das Filmmuseum Potsdam.

2002 bis 2004, lange nach der Wiedervereinigung, folgte dann der erste Versuch einer Rekonstruktion durch Ralf Schenk (65) und Ingeborg Marszalek. Sie bemerkten, dass die Tonspur zu einem Großteil fehlte, die Aufnahmen aber fast komplett vorhanden waren.

Neben mehreren Sondervorführungen ist der Film seit Mai 2021 auch digitalisiert fertiggestellt worden. Er wird in der Nacht vom heutigen Freitag zu Samstag um Mitternacht im MDR-Fernsehen erstmals gezeigt. Ab sofort gibt es "Fräulein Schmetterling" auch in der Mediathek, wo er bis Mittwoch (30. Juni) abrufbar ist.

Titelfoto: MDR/DEFA-Stiftung/Rolf-Eckhardt

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