Ärztin über "In aller Freundschaft": "Serie ist ein Vorbild für uns Mediziner"

Leipzig - Ihre Bücher sind Bestseller, dabei schreibt Yael Adler (47) weder Krimis noch Fantasy-Romane! Die Berlinerin ist Hautärztin und schafft es mit ihren Büchern regelmäßig in die Top 10 der Sachbücher. Bekannt sind zum Beispiel "Wir müssen reden, Frau Doktor" oder "Darüber spricht man nicht", in denen sie über Ärzte, Patienten und Phänomene des menschlichen Körpers berichtet. 

Yael Adler erwähnte "In aller Freundschaft" auch in einem ihrer Bücher.
Yael Adler erwähnte "In aller Freundschaft" auch in einem ihrer Bücher.  © Screenshot/ MDR Riverboat

Und gerade was die Beziehung zwischen Arzt und Patient angeht, sei die MDR-Erfolgsserie "In aller Freundschaft" das beste Beispiel für die Praxis. Das erzählte die Medizinerin in der Talkrunde von Jörg Kachelmann (62) und Kim Fisher (51) im Riverboat. 

"Die Serie habe ich auch in meinem Buch erwähnt als Vorbild für eine gute Beziehung zwischen Ärzten und Patienten", so die Hautärztin. Da musste Kachelmann einhaken. 

"Ich habe mich immer gefragt, ob Ärzte vielleicht immer ein Beißholz oder ein Brechbecherchen dabei haben, um die mögliche Diskrepanz zwischen der Realität und dem, was in der Glotze gezeigt wird, auszuhalten. Warum ist die Sachsenklinik was Gutes?"

Die Fans der Serie lieben natürlich die Charaktere und vor allem die Schauspieler, Yael Adler weiß die Geschichten aber auch noch aus anderen Gründen für gelungen. 

Optimale Arzt-Patienten-Beziehung bei "In aller Freundschaft"

"Es gibt auch Kollegen, die sagen, die Sachsenklinik könnte man auch für die Aus- und Fortbildung des Nachwuchses nutzen. Für die Beziehung zwischen Arzt und Patienten, was ja eigentlich die Basis ist, um zu heilen und gesund zu werden", erklärt sie. 

"Dafür braucht es menschliche Ärzte und Pfleger, auch menschliche Pflege. Das sieht man in der Sachsenklinik. Die gucken ihren Patienten auch in die Augen. Und die fühlen auch mit und da gibt es auch mal ein mitfühlendes Wort. So, wie es auch wieder in der Realität sein soll. Aber leider ist diese Beziehung etwas in die Krise geraten."  

Da spricht sie wohl so manchem Patienten aus der Seele. "Wir wollen eine moderne Beziehung zwischen Arzt und Patienten", erklärt Adler. "Nur ein Rezept ausstellen oder nur operieren ist es eben manchmal nicht. Und wenn man den Partner seines Vertrauens finden will, ist es eben manchmal gut, den Hausarzt schon in guten Zeiten und nicht erst in schlechten Zeiten zu haben. 

Der mit einem Vorsorge, Prävention, Impfen macht und auch mal sein Netzwerk anruft und sagt: 'Hier, ich habe hier jemanden für eine Darmspiegelung'. Das ist doch die viel bessere Variante. Patienten haben heute aber immer noch ein Problem damit, dieses Bild zu verändern."

"IaF" zeigt das Bild einer guten Ärzte-Patienten-Beziehung, weiß die Expertin.
"IaF" zeigt das Bild einer guten Ärzte-Patienten-Beziehung, weiß die Expertin.  © MDR/Saxonia Media/Robert Strehler

Krankheiten googeln hilft doch? Das sagt die Expertin

Denn: Viel zu oft werde der Arzt oder die Ärztin von den Patienten als allwissender Held glorifiziert. 

"Der Arzt wird idealisiert und muss sagen, wo es lang geht. Aber das wollen wir eigentlich gar nicht, dieses 'Machen Sie mal Frau Doktor, sie wissen schon, wo es lang geht'. Nein, das wollen wir gar nicht, wir wollen, dass die Patienten mit Verantwortung übernehmen für ihren Genesungsprozess. Und mitarbeiten. Das ist viel besser, als Patienten, die nicht mitdenken. Und da haben Menschen wirklich Schwierigkeiten, das würde ich gerne ändern."

Aber mal ehrlich, wem geht es nicht so: Man sitzt beim Arzt, der erklärt, man versteht, geht nach Hause und erst da fallen einem dann doch noch ein paar Fragen zur Thematik ein. Dafür hat Yael einen. Vorschlag, wie Behandlungen in Zukunft ablaufen könnten. 

"Da wäre eine Idee für die Zukunft, dass dem Kassenarzt oder einem Online-Arzt die Nachberatung bezahlt werden würde von der Krankenkasse. Und ein guter Tipp ist auch, mit einer Liste zum Arzt zu kommen. Sich also vorzubereiten und sich die fünf wichtigsten Punkte aufzuschreiben. Und am Anfang der Sprechstunde schon zu sagen: 'Ich habe heute fünf Punkte'.

Und es ist ein Mythos, dass wir durch Googlen der Symptome gekränkt wären. Das finden wir eigentlich toll, denn wir sind ja da auch so bisschen Profis und wir dürfen auch mit verschiedenen Patiententypen klar kommen und wir freuen uns, wenn jemand mitmacht. Wir merken dann, der Patient will mitreden und seine Diagnose verstehen.

Das ist auch eine super Grundlage für eine Arzt-Patienenbeziehung."

Titelfoto: Screenshot/ MDR Riverboat

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