In aller Freundschaft: Entertainer Tan Caglar übernimmt neue Hauptrolle

Leipzig/Hildesheim - Rollstuhlbasketballer, Motivations-Coach, Model auf der Berliner Fashion Week, Moderator, Autor und Comedian mit eigenem Bühnen-Programm: Tan Caglar (41) sucht immer wieder neue Herausforderungen. Vom kommenden Dienstag (10. August) an ist der Entertainer aus Hildesheim in einer weiteren Rolle zu sehen.

Tan Caglar (41) wird bei "In aller Freundschft" den Viszeralchirurg Dr. Ilay Demir spielen.
Tan Caglar (41) wird bei "In aller Freundschft" den Viszeralchirurg Dr. Ilay Demir spielen.  © MDR/Rudolf Wernicke

Der 41-Jährige spielt Doktor Ilay Demir in der Arztserie "In aller Freundschaft" (Das Erste, 21 Uhr). Die MDR-Produktion läuft bereits seit 1998 und lockt jede Woche rund fünf Millionen vor allem weibliche Fans vor den Bildschirm.

"Ich freue mich, dass mir diese Hauptrolle zugetraut wurde, obwohl ich auf keiner Schauspielschule war", sagt der neue TV-Arzt bei einem Treffen in seinem Hildesheimer Lieblings-Café.

"Als die Einladung zum Casting für eine Klinik-Serie kam, war mein erster Gedanke, dass ich vielleicht ein Unfallopfer spielen sollte." Wegen einer angeborenen Rückenmarkserkrankung ist der Künstler seit dem Alter von Mitte 20 auf den Rollstuhl angewiesen.

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Als Doktor Demir soll Tan Caglar frischen Wind in die Sachsenklinik aus dem TV zu bringen. Er habe eine "tolle Bildschirmpräsenz" und bereite sich akribisch auf jede Szene vor, heißt es vom MDR.

Der Viszeralchirurg lässt sich von Autoritäten nicht aufhalten. Seine Selbstsicherheit kann in Arroganz umschlagen, und er fährt eine Protzerkarre, was Caglar als Autofan begeistert: "Die Macherinnen und Macher waren bei der Gestaltung meiner Rolle glücklicherweise sehr offen. Und meinen Humor konnte ich auch einfließen lassen."

Nach "In aller Freundschaft" folgt der "Tatort"

Tan Caglar als Dr. Ilay Demir (l.), hier mit Julian Weigend als Dr. Kai Hoffmann, wird seinen ersten Auftritt in der Folge "Gespenster" am 10. August haben.
Tan Caglar als Dr. Ilay Demir (l.), hier mit Julian Weigend als Dr. Kai Hoffmann, wird seinen ersten Auftritt in der Folge "Gespenster" am 10. August haben.  © MDR/Saxonia Media/Robert Strehler

Bis zum Abitur und während seiner kaufmännischen Ausbildung beeinträchtigte ihn seine Krankheit noch nicht so sehr. Doch ab 2005 konnte er sich nicht mehr mit Krücken fortbewegen und musste sich dauerhaft mit dem Rollstuhl anfreunden. Als dies feststand, sei er in ein Loch gefallen und habe sich erst einmal verkrochen, erinnert sich der heute Vielbeschäftigte.

Doch irgendwann entdeckte er beim Zappen im Fernsehen Rollstuhlbasketball und war fasziniert von den coolen, tätowierten Typen, die beim Kampf um den Ball wie Autoscooter aneinander krachten. Caglar probierte den Sport aus und wurde rasch Profi bei Hannover United und später bei den Baskets 96 Rahden. Als "Cristiano Ronaldo des Rollstuhlbasketballs" bezeichnete ihn ein Fachmagazin.

Rund vier Mal im Monat dreht Caglar am Set der Sachsenklinik "In aller Freundschaft" in Leipzig, seine Homebase bleibt aber Hildesheim, wo seine aus der Türkei eingewanderten Eltern seit den 70er Jahren leben. Als deutsche Tradition schaute Familie Caglar früher sonntags gemeinsam den "Tatort" im Ersten. "Kommissar Schimanski fand ich toll", erinnert sich der Sohn.

Im November ist er selbst in einem Berliner "Tatort" als Assistent zu sehen. "Ich bin da ein Computer-Nerd. Es ist wie Doktor Demir eine Anti-Klischee-Rolle", freut sich der 41-Jährige. Gerne würde er auch mal einen Nicht-Rollstuhlfahrer spielen. "Wer sagt denn, dass eine Person in einem Film immer stehend und gehend zu sehen sein muss?"

Titelfoto: MDR/Rudolf Wernicke

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