"Pinky Gloves": Netzwelt ist entsetzt und verspottet Produkt aus "Höhle der Löwen"

Köln - In den sozialen Medien hagelt es Kritik, Hohn und Spott. Warum? Zwei Männer erfanden pinkfarbene Menstruationshandschuhe, die die Entsorgung von Periodenartikeln erleichtern soll. Ihre Idee stellten sie bei "Die Höhle der Löwen" vor. Das Problem? Es gab eigentlich nie eins. Bis jetzt.

Ob Investor Ralf Dümmel (54) auch nach dem Shitstorm im Netz noch so hinter seinem Investment steht, wird sich zeigen.
Ob Investor Ralf Dümmel (54) auch nach dem Shitstorm im Netz noch so hinter seinem Investment steht, wird sich zeigen.  © TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Mit ihrer Idee trafen Gründer Eugen Raimkulow und André Ritterswürden (beide 32) bei Investor Ralf Dümmel (54) ins Schwarze.

30.000 Euro möchte der Löwe nun in das Start-up investieren. Ganz zum Leidwesen der Netzgemeinde. Dort werden die beiden Gründer und der Investor regelrecht zerrissen.

Denn auf Instagram und Twitter entbrannte kurz nach der Sendung eine hitzige Debatte zu den beiden Männern, die sich für menstruierende Personen stark machen möchten. "Hygienisch, diskret und perfekt für unterwegs", lautet der Slogan der pinkfarbenen Einmal-Handschuhe.

Und genau da fängt laut vielen das Problem an. Aus unzähligen Kommentaren und Aussagen wird deutlich, dass das Entsorgen von Hygieneartikeln nie ein Problem war und erst jetzt mit den pinkfarbenen Handschuhen wieder zu einem Problem gemacht wird.

"So was können sich auch nur Männer ausdenken für ein angebliches Frauenproblem 🙄. Die Periode wird wieder zum Tabuthema, Toilettenpapier tut's auch und Nachhaltigkeit lässt definitiv zu wünschen übrig... Recycelt wird da sicher gar nichts", schreibt eine Instagram-Nutzerin.

Kritik an "DHDL"-Produkt: Sexismus und Period Shaming

Die Gründer von "Pinky Gloves" Eugen Raimkulow (l.) und Andre Ritterwürden (beide 32) haben ihre Menstruationshandschuhe in der "Höhle der Löwen" vorgestellt.
Die Gründer von "Pinky Gloves" Eugen Raimkulow (l.) und Andre Ritterwürden (beide 32) haben ihre Menstruationshandschuhe in der "Höhle der Löwen" vorgestellt.  © TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Aber vielen Menstruierenden geht es um noch viel mehr. Sie sind es leid, dass die Periode durch dieses Produkt wieder einmal stigmatisiert und in eine Schublade gesteckt wird, auch Period Shaming genannt.

So schreibt eine Twitter-Nutzerin: "*Menstruierende*: wollen, dass ihre natürlichen Körperfunktionen nicht stigmatisiert werden, wollen kostenlosen & öffentlichen Zugang zu Menstruationsprodukten und wollen während der Menstruation nicht als ekelhaft gelten."

Lange Zeit galt die Periode als unrein und dreckig. Dass im Jahr 2021 mit diesen Vorurteilen aufgeräumt werden muss, ist vielen bewusst. Dass dann aber ausgerechnet zwei Männer um die Ecke kommen und ein Produkt bewerben, das Frauen "aus der Patsche" helfen soll, ist einigen Nutzern und Nutzerinnen ein Dorn im Auge.

Denn die Handschuhe machen die Periode für Menstruierende nicht bloß noch unangenehmer, als sie es für manche eh schon ist, sondern rufen auch eine heftige Sexismus-Debatte hervor.

"Ich glaub wenn die Handschuhe noch glitzern würden, wäre es ein größerer Erfolg. Dann wären wir pink-glitzer-liebenden Frauen so geblendet, dass wir uns direkt so ein Ding für unseren nächsten Shopping Trip (wo wir natürlich nur zarte Highheels und pinke Kleider kaufen werden) holen und dann später mit einem Secco darauf anstoßen, wie süß wir doch sind. 🥂💝", schreibt eine Instagram-Nutzerin unter einen Post von "Die Höhle der Löwen"-Investor Ralf Dümmel.

Auch aus der Branche bekommt "Pinky Gloves" Kritik

Es melden sich sogar andere Unternehmende zu Wort, die sich das Produkt einmal genauer angeschaut haben und vom Fach sind:

Die beiden Unternehmerinnen Kati Ernst und Kristine Zeller (beide 39) entwickelten vor mehreren Jahren nachhaltige Periodenunterwäsche.

Auch sie waren vor zwei Jahren zu Gast bei "Die Höhle der Löwen" und stellten damals ihr Produkt vor. Ohne Erfolg. Zu einem Deal kam es nicht.

Mittlerweile sind Ernst und Zeller zwar auch ohne einen Push der Investoren sehr erfolgreich, äußerten sich aber dennoch zu der Handschuh-Affäre auf ihrem Instagram-Kanal und fassten ihre Beobachtungen in einem kurzen Video zusammen.

Thema Umweltschutz: Der Handschuh bestünde zwar aus Plastik, das zu recyceln wäre, aber sobald ein Tampon oder eine Binde drinstecke, sei das nicht mehr der Fall. "Außerdem braucht man zwei Handschuhe. Einen, um den Tampon rauszuholen und einen, um einen frischen wieder reinzutun", erklärt Ernst.

Auch die Unternehmerinnen äußern sich kritisch zu der Farbe Pink, denn "nur Frauen tragen Pink". Darüber hinaus machen sie auf die Preise für die Handschuhe aufmerksam. 48 Handschuhe kosten demnach 11,96 Euro, obwohl man laut der beiden Damen auch einfach die altbekannten Gummihandschuhe aus dem Drogeriemarkt benutzen könne.

Zuletzt reden auch Ernst und Zeller über das Period Shaming und möchten daran erinnern, dass die Periode kein Problem ist und auch nicht als solches angesehen werden sollte.

"Pinky Gloves"- Unternehmer melden sich nach heftiger Kritik zu Wort

Die "Pinky Gloves"-Erfinder Eugen Raimkulow (l) und Andre Ritterwürden (beide 32) haben sich nach heftiger Kritik im Netz zu Wort gemeldet.
Die "Pinky Gloves"-Erfinder Eugen Raimkulow (l) und Andre Ritterwürden (beide 32) haben sich nach heftiger Kritik im Netz zu Wort gemeldet.  © TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Zu dem ganzen Hass im Netz äußerten sich am Dienstag auch die beiden Erfinder der "Pinky Gloves" auf ihrem Instagram-Kanal.

"Wir sind überwältigt von der Resonanz", beginnt Raimkulow. "Wir möchten uns zunächst für die zahlreichen und wertvollen Hinweise bedanken, die uns nach unserem Pitch in die Höhle der Löwen erreicht haben."

Ihr Instagram-Video nutzen sie dafür, um offene Fragen zu klären und "Dinge", die während des Pitches zu kurz gekommen sind noch einmal zu verdeutlichen.

"Mit Pinky wollten wir vor allem eine Lösung entwickeln, die Frauen unterwegs in der Situation ohne die nötige hygienische Voraussetzung, zum Beispiel ohne Toilette, Mülleimer oder Waschbecken, die Entsorgung der Artikel erleichtert", ergänzt Kollege Ritterswürden.

Er betont nachdrücklich, dass es nie die Intention war, die Menstruation als etwas "Ekelhaftes" zu betiteln. Eine Perspektive, die ihnen "fremd" ist, fügt Raimkulow hinzu.

"Wir sehen ein, dass wir die Sichtweise auf das Thema Menstruation noch nicht vollumfänglich erkannt haben. Jetzt ist uns klar, dass wir noch umsichtiger vorgehen müssen", erklärt Ritterswürden. Doch der Shitstorm geht auch unter diesem Posting bereits fleißig weiter...

"Die Höhle der Löwen" läuft immer montags um 20.15 Uhr bei VOX. Sonntags um 15.10 Uhr wird die Sendung bei ntv wiederholt. Zudem ist sie jederzeit bei TVNOW abrufbar.

Titelfoto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

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