Legenden beim MDR: Jutta Hoffmann landet im politischen "Giftschrank"

Von Björn Strauss

Halle/Dresden/Potsdam - "Wandas letzter Gang" im rbb-"Polizeiruf 110" liegt 20 Jahre zurück - und ist dennoch nicht vergessen. Jutta Hoffmann war und ist Vollblut-Schauspielerin. Sie ist "Ein Teil von uns" - dem Film, der ihr 2017 eine Nominierung als "Beste deutsche Schauspielerin" für die "Goldene Kamera" brachte. Die "DDR"-Schauspielerin wurde jüngst 80 Jahre jung. Der MDR macht sie zur Legende!

1998 in Brandenburg: Dorfpolizist Horst Krause (79) und Ermittlerin Jutta Hoffmann (80) bei Dreharbeiten für die rbb-TV-Krimireihe "Polizeiruf 110".
1998 in Brandenburg: Dorfpolizist Horst Krause (79) und Ermittlerin Jutta Hoffmann (80) bei Dreharbeiten für die rbb-TV-Krimireihe "Polizeiruf 110".  © Nestor Bachmann/Zentralbild/dpa

Jutta Hoffmann wurde am 3. März 1941 in Halle an der Saale geboren. Früh wurde sie Mitglied einer Theatergruppe der Buna-Werke in Schkopau. 1959 bis 1962 studierte sie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg.

Der Wunsch, Schauspielerin zu werden, habe bei ihr auch etwas zu tun "mit der Sehnsucht nach einer anderen Welt, nach einem anderen Leben".

Schnell wird sie für das DDR-Fernsehen entdeckt - bis sie 1983 in den Westen geht, ist sie Teil unzähliger großartiger Filme.

So mancher DEFA-Film landet allerdings im politischen "Giftschrank".

Mit Rollen in Filmen wie "Die Schlüssel" (u. a mit Jaecki Schwarz, 75), "Das Versteck" und "Geschlossene Gesellschaft" (u. a. mit Armin Mueller-Stahl, 90, und Walter Plathe, 70) feierte sie ihren Durchbruch – und das mutig-kompromisslos und fern ab vom (SED-)Parteiprogramm.

Kompromisslos und mutig - ein unendlich bewegtes Schauspiel-Leben

Schauspielerin Jutta Hoffmann erhielt 2017 den Deutschen Schauspielerpreis in der Kategorie "Schauspielerin in einer Hauptrolle" - für ihre Obdachlosen-Rolle in "Ein Teil von uns".
Schauspielerin Jutta Hoffmann erhielt 2017 den Deutschen Schauspielerpreis in der Kategorie "Schauspielerin in einer Hauptrolle" - für ihre Obdachlosen-Rolle in "Ein Teil von uns".  © Jörg Carstensen/dpa

Eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Egon Günther bringt unterschiedliche Filme wie "Junge Frau von 1914", "Lotte in Weimar" und "Der Dritte" hervor - "ein Glücksfall für die DEFA", wie es der MDR schreibt.

Die Künstlerin, die heute nah am Park Sanssouci in Potsdam lebt und gern Rad fährt, sagt selbst zu ihren Erinnerungen an die DEFA, für die sie fast 20 Jahre gearbeitet hatte:

"Die DEFA – die schöne Scheintote, würde ich sagen. Das ist schon eine große Sache, wenn man darüber nachdenkt und sich in diese seltsame Zeit einordnen kann."

DEFA - das sei auch etwas wie ein "Zuhause" gewesen: "Je länger man mit denselben Leuten arbeitet, desto mehr entwickelt man Vertrauen, sodass man in Gefühlen oder Gedanken ganz bei sich sein kann. Ich kann nur sagen, das war immer ein Hochgefühl, es war immer ein Aufrichten, und los ging es."

Öffentlicher Protest schon zu DDR-Zeiten

Szene aus dem Gesellschaftsdrama "Geschlossene Gesellschaft" - Jutta Müller (80) mit Kollege Armin Mueller-Stahl (90).
Szene aus dem Gesellschaftsdrama "Geschlossene Gesellschaft" - Jutta Müller (80) mit Kollege Armin Mueller-Stahl (90).  © MDR

Das DDR-Publikum lernt Jutta Hoffmann schnell durch Theater, Kino und Fernsehen kennen.

Sorgsam wählte sie ihre Rollen, bis hin zu Frank Beyers 1977 gedrehtes Kammerspiel, das die DDR-Wirklichkeit zeigte.

Hier platzt mitten in die Dreharbeiten "die Biermann-Affäre" rein, auch die Hauptdarsteller Jutta Hoffmann und Manfred Krug (†79), protestierten damals öffentlich.

Auch ihr Fernsehfilm "Geschlossene Gesellschaft" (1978) wird ein heimlicher Renner in der DDR. Jutta Hoffmann und Armin Mueller-Stahl als Paar - umwerfend!

Dann wurde Jutta Hoffmann "kaltgestellt" - sie verließ schließlich - wie viele Kollegen - die DDR.

An der Seite eines Weltstars

DEFA-Star Jutta Hoffmann hier im Jahr 1965.
DEFA-Star Jutta Hoffmann hier im Jahr 1965.  © DEFA/ARCHIV

Auch im "Westen" konnte Hoffmann erfolgreich weiterarbeiten.

Das "große Publikum" erfreute sich an ihrer komödiantischen Seite in der Fernsehserie "Motzki" (1993) - auch ihre dramatische Kraft im Kino-Kassenhit "Bandits" (1997) ist beeindruckend.

Dann folgt 2016 "Ein Teil von uns" - hierfür erhielt Jutta Hoffmann für ihr intensiv-schmerzhaftes Schauspiel den Grimme-Preis.

In Hamburg war sie eine hochgeschätzte Schauspielprofessorin, unter anderem Marie Bäumer (51, u. a. als Romy Schneider, †43, in "3 Tage in Quiberon", TAG24 berichtete) lernte bei ihr das filmische Handwerk.

Diese Legenden & Lebensläufe gab's u. a. bisher beim MDR:


Mediatheken-Tipp: "Die Fahrradfahrerin von Sanssouci – Jutta Hoffmann" - aus der MDR-Legenden-Reihe - ist in der Mediathek >> hier zu sehen.

Titelfoto: Nestor Bachmann/Zentralbild/dpa

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