"Markus Lanz": Sportjournalist Marcel Reif verteidigt Regenbogen-Verbot der UEFA

Hamburg - Das war ein Eigentor, Herr Reif! Nach dem letzten und entscheidenden EM-Vorrundenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn (2:2) ging es im ZDF am Mittwochabend sportlich, aber auch politisch weiter.

Sportexpertin Gaby Papenburg (61) kritisierte die UEFA für ihr Vorgehen scharf.
Sportexpertin Gaby Papenburg (61) kritisierte die UEFA für ihr Vorgehen scharf.  © Georg Wendt/dpa

In der Talkshow "Markus Lanz" diskutierten Sportjournalist Marcel Reif (71), Sportexpertin Gaby Papenburg (61), Ex-Fußballspier und -Bundesliga-Trainer Ewald Lienen (67) und Moderator Giovanni Zarrella (43) nicht nur über das schlechte Spiel der DFB-Elf und die Aufstellung von Bundestrainer Joachim Löw (61), sondern auch über das "Regenbogen-Verbot" des europäischen Fußball-Verbandes UEFA.

Und dabei gab es keine einheitliche Meinung!

Papenburg war der Meinung: "Die UEFA hat sich ein klassisches Eigentor geschossen." Denn durch das Verbot würde nun die ganze Welt über die LGBTQ+-Bewegung und ihre Rechte sprechen. Hätte die Allianz-Arena, wie gefordert, in den Regenbogen-Farben geglänzt, wäre die Diskussion nie so groß geworden.

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Die Sportexpertin hielt zudem die Begründung des europäischen Fußball-Verbandes, sich aus politischen Themen rauszuhalten, für "komplett scheinheilig".

Moderator Zarella, der in der Jugend sowohl für den AS Rom als auch den VfB Stuttgart kickte, wurde da schon deutlich emotionaler. "Es kann nie falsch sein, ein positives Signal zu senden", stellte der 43-Jährige klar. "Es geht nicht um Politik, es geht um Menschenrechte."

Ganz anders sah das hingegen Sportmoderator Reif. Er unterstützte die UEFA in ihrer Entscheidung. "Die UEFA ist ihren Regularien gefolgt", versuchte er, das Ganze zu erklären. "Das, was in Ungarn passiert, kann man nicht nur über Sport und Fußball lösen."

Marcel Reif versuchte vergebens, noch zu retten, was nicht mehr zu retten war

Sportjournalist Marcel Reif (71) gab der UEFA in ihrem Vorgehen recht.
Sportjournalist Marcel Reif (71) gab der UEFA in ihrem Vorgehen recht.  © picture alliance / dpa

In einer gewissen Art und Weise mag er vielleicht sogar recht damit haben, doch der Fußball hat mit seinen Fans und seiner Außenwirkung eine ungeheure Macht.

Kein Wunder, dass auch Ex-St.-Pauli-Trainer Lienen Widerstand leistete. "Die großen Verbände wie Fifa und Co. haben Politik erfunden", stellte er klar. Er spielte darauf an, dass immer mehr große Turniere und Veranstaltungen in politisch instabile oder arme Ländern gehen - wie die Fußball-WM 2022 in Katar.

Auf europäischer Ebene müssten laut Lienen aber auch die mitgesendeten Botschaften beurteilt werden.

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Sichtlich bemüht, noch zu retten, was nicht mehr zu retten war, verlor sich Reif in abwehrenden Gegenfragen. "Wenn wir nur noch dort Fußball spielen, wo alles sauber ist, spielen wir nur noch in der Schweiz", sagte er sichtlich angefressen.

Am Ende versuchte er noch einen letzten Erklärungsversuch: "Ich habe viele Freunde in Ungarn und wenn du da mit jungen Leuten sprichst, die sind nicht so."

Das Eigentor, das sich Reif an diesem Abend schoss, hätte selbst der Video Assistant Referee (VAR) aber nicht mehr zurücknehmen können.

Titelfoto: picture alliance / dpa

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