MDR: Corona-Maßnahmen in der Frühphase zu wenig hinterfragt?

Von Björn Strauss

Dresden/Leipzig - Das Coronavirus hat uns alle fest im Griff. Umso wichtiger sind fundierte, gut recherchierte Informationen über die Pandemie. Der MDR hat nun eine Bilanz über die bisherige Berichterstattung gezogen: Die fällt meist positiv aus - aber es gibt auch einen Kritikpunkt.

Andreas F. Rook (54) in "Fakt ist" im MDR-Fernsehen - auch hier das Thema: Corona.
Andreas F. Rook (54) in "Fakt ist" im MDR-Fernsehen - auch hier das Thema: Corona.  © MDR/Seegers

Prof. Dr. Bernhard Pörksen (Universität Tübingen) hat sich mit der MDR-Berichterstattung über die Corona-Krise beschäftigt, teilt der Sender mit. Dieser lobte den MDR u. a. wegen der "ARD Extras" oder auch "Prof. Kekulés Podcast" sowie den Online-Angeboten des MDR

Journalismus "hätte generell entschiedener auf eine gesellschaftspolitische Debatte hätte drängen müssen", so eine Zwischenbilanz. Dieses Versäumnis sei rasch erkannt und angegangen worden.

Außerdem gab es eine Studie des Hans-Bredow-Institutes. 

Hat der MDR für den Zusammenhalt der Gesellschaft gesorgt und wie hat der Sender diese Aufgabe erfüllt?

Hier die Bilanz: Der MDR habe im betrachteten Zeitraum (März bis Juni 2020) in TV, Hörfunk und Online-Angebot "aktuell und verständlich, verantwortungsvoll und grundsätzlich ausgewogen über die dynamischen Entwicklungen in der Corona-Krise informiert" - damit sei der Auftrag insgesamt gut erfüllt worden.

Corona-Maßnahmen zu wenig hinterfragt?

Auch bei "Hauptsache gesund" ging es oft um die Corona-Pandemie.
Auch bei "Hauptsache gesund" ging es oft um die Corona-Pandemie.  © MDR/Axel Berger

Corona hat in der Tat "mit seinen gesundheitlichen, politischen, gesellschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Aspekten" einen breiten Raum im MDR eingenommen.

Einem "erhöhten Informationsbedarf von Menschen mit Behinderung" wurde durch "zusätzliche barrierefreie Angebote" Rechnung getragen (zum Beispiel mit "Hauptsache gesund" oder aus "Fakt ist").

Sind wissenschaftliche Erkenntnisse kritisch überprüft worden, datenjournalistisch aufbereitet und eingeordnet?

Ja, "dies ist dem MDR zwischen März und Juni 2020 in der Gesamtbetrachtung gelungen", so ein Fazit.

Welche kritischen Punkte sind erkennbar gewesen?

Der Rundfunkrat merkt, "dass die Corona-Berichterstattung des MDR zu Beginn der Pandemie gelegentlich zu sehr an der Exekutive orientiert gewesen" sei. 

"In der Frühphase der Pandemie, so zeigt die Befassung des Rundfunkrats, wurden Corona-Maßnahmen bezüglich der Wirksamkeit und wissenschaftlichen Begründetheit teilweise zu wenig hinterfragt."

Allerdings ist auch klar: Journalisten mussten besonders in der "Anfangszeit der Pandemie mit elementarer Ungewissheit umgehen".

Titelfoto: MDR

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