Montagearbeiter Steven besticht seinen Sohn, "weil ich die ganze Woche weg bin"

Torgau/Aalen - Montagearbeit hat Vor- und Nachteile. Als Entschädigung für tagelanges Schuften am Stück fernab der Heimat verdienen die Arbeiter oftmals mehr Geld als im gleichen Job in der Heimat. Die RTL2-Sendung "Mensch Handwerker" hat jetzt drei Sachsen in ihrem Alltag begleitet. 

Montagearbeiter Steven Rzeppa (34) baut mit seinen Kollegen Fertighäuser auf.
Montagearbeiter Steven Rzeppa (34) baut mit seinen Kollegen Fertighäuser auf.  © RTLZWEI

Fünf Millionen Handwerker gibt es deutschlandweit. Drei von ihnen sind Steven Rzeppa (34), Patrick Höhn (36) und Felix Witzel (33) aus Torgau in Nordsachsen. 

Sie montieren Fertighäuser im Auftrag ihrer Firma. Und die schickt sie dafür quer durch die Republik. Einsatzort diesmal: Aalen in Baden-Württemberg, 450 Kilometer von daheim entfernt. 

Bauleiter Steven hat den Hut auf, weiß genau, was gemacht werden muss und worauf es ankommt. Ganz wichtig ist ein perfektes Zeitmanagement. Denn von den in Aalen kalkulierten 600 Arbeitsstunden will der 34-Jährige nur 400 in Anspruch nehmen und durch die schnellere Fertigstellung einen Bonus von bis zu 500 Euro netto einheimsen. Zusätzlich zu den 2500 Euro Normallohn.

Bis auf Heizung und Elektrik sind die Alleskönner für alles zuständig und verantwortlich - und müssen bei Mängeln, die bei der Abnahme gefunden werden, gerade stehen und diese ausbessern.

Der erste Fehler lässt nicht lange auf sich warten!

"Patrick hat die Aufgabe nicht ganz verstanden. Der hat die Platte viel zu weit reingenommen, jetzt müssen wir sinnlos hin und herrücken. Das ist unnütz und stört mich schon wieder. Da geht Zeit verloren", ist Truppführer Steven sauer. Als dann auch noch der Kranführer eine Fertigwand verwechselt, droht der Familienvater, die Geduld zu verlieren.

Trotz der Ungenauigkeiten schafft es das Trio, den Rohbau samt Dach schon am ersten Tag niet- und nagelfest aufzubauen.

"Am liebsten würden wir zu Hause montieren, um bei der Familie zu sein"

Bestatter Michael (37) mit seiner neuen Auszubildenden Mathilda (17) wurden ebenfalls von "Mensch Handwerker" begleitet.
Bestatter Michael (37) mit seiner neuen Auszubildenden Mathilda (17) wurden ebenfalls von "Mensch Handwerker" begleitet.  © RTLZWEI

Die Akkordarbeit von Montagmorgen bis Freitagmittag zehrt an den Kräften. Steven, Patrick und Felix könnten ihren Job auch in Sachsen ausführen, würden dadurch aber (deutlich) weniger verdienen. 

"Am liebsten würden wir natürlich zu Hause montieren, um bei der Familie zu sein - aber wir können es uns nicht aussuchen", sagt Baustellen-Boss Steven. 

Kollege Patrick ergänzt: "Der Anreiz ist natürlich auch das Geld, weil ich meiner Familie etwas bieten will. Dafür sind wir hier und arbeiten so schnell. Klar wäre ich lieber bei meiner kleinen, süßen Anni. Aber wenn sie ein Spielzeug möchte, will ich ihr das kaufen können."

Nach wenigen Tagen greifen die baldigen Hausbesitzer ins Geschehen ein. 250.000 Euro hat sie das Eigenheim gekostet. Um Kosten von rund 3000 Euro zu sparen, montieren sie im Inneren Laminat und Abschlussleisten selbst. 

"Ich habe es ihm idiotensicher erklärt", sagt Steven zu Beginn der Woche über das Gespräch mit dem künftigen Besitzer. Doch der meinte es etwas zu gut, hat am Übergang von Laminat zu Abschlussleiste zu viel weggeschnitten. Der 34-Jährige muss nun selbst Hand anlegen, da die Türrahmen unter diesen Zuständen nicht eingesetzt werden können - Zeitverlust für den Sachsen.

Daheim warten Partnerin Jaqueline und Sohnemann Pepe, freuen sich jeden Freitag, wenn Papa heimkommt. Und dort wird direkt weiter am eigenen Haus gewerkelt. Doch auch sein Kleiner darf nicht zu kurz kommen und wird von Steven gern mit Geschenken verwöhnt. "Ich freue mich sehr, dass ich mein Kind glücklich machen kann. Aber was soll ich machen? Ich muss ihn ja bestechen, weil ich die ganze Woche weg bin."

Zurück auf der Baustelle: Das Haus steht, die Abnahme steht an. Doch der penible Mitarbeiter findet einige Kleinigkeiten, die mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen sind. Das treibt Steven zwar zur Weißglut, doch letztlich werden alle Mängel ausgebessert und die Sachsen können sich auf den Rückweg nach Torgau machen - mit jeweils 500 Euro mehr in der Tasche. 

Titelfoto: RTLZWEI

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