"Polizeiruf 110": In München ticken die Uhren anders

München - Im neuen "Polizeiruf 110" (20.15 Uhr, Das Erste) aus München hat Kommissarin Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger, 33) ein besonders dickes Brett zu bohren. Dabei steht der mutmaßliche Täter in "Bis Mitternacht" von vornherein fest. Es handelt sich um den gleichermaßen intelligenten wie redseligen Studenten Jonas (Thomas Schubert, 28), der "Bessie" im Verhörraum gegenübersitzt.

Kommissarin Elisabeth "Bessie" Eyckhoff (Verena Altenberger, 33) verhört den Tatverdächtigen Jonas Borutta (Thomas Schubert, 28).
Kommissarin Elisabeth "Bessie" Eyckhoff (Verena Altenberger, 33) verhört den Tatverdächtigen Jonas Borutta (Thomas Schubert, 28).  © BR/Provobis Gesellschaft für Film und Fernsehen/Hendrik Heiden

Der soll schon drei Jahre zuvor eine Frau kaltblütig erstochen haben und ist nun wegen versuchten Mordes an einer Studentin in Polizeigewahrsam. Mögliches Motiv in beiden Fällen: Hass auf Frauen.

Denn der Jüngling mit Faible für Schachtelsätze lebt ungewollt enthaltsam. Handfeste Beweise für seine Taten gibt es nicht.

Die einzige Möglichkeit, ihn zu überführen, ist ein Geständnis. Um das zu bekommen, hat Eyckhoff allerdings gerade einmal zwei Stunden Zeit. Schlägt die Uhr zwölf, kommt Jonas wieder auf freien Fuß. So will es das Gesetz.

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Die Kriminaloberkommissarin steht also unter gehörigem Druck, ist sich aber sicher, Jonas knacken zu können. Ihr Chef ist da jedoch anderer Meinung, weshalb er ihr den erfahrenen Ermittler und Verhörspezialisten Josef Murnauer (Michael Roll, 60) an die Seite stellt.

Der hatte sich schon damals die Zähne an Jonas ausgebissen, will nun aber seinen Fehler wieder gutmachen - vor den Augen und Ohren seiner Kollegen, dem Kripo-Chef und der Staatsanwältin, die das Verhör hinter einer Spiegelglaswand verfolgen - während die Uhr im Hintergrund unerbittlich tickt.

"Polizeiruf 110": Lohnt sich das Einschalten?

In dieser Woche lohnt sich das Einschalten des "Polizeirufs" eher weniger.
In dieser Woche lohnt sich das Einschalten des "Polizeirufs" eher weniger.  © dpa/Patrick Pleul

Eher weniger. Dabei bietet der Film von Regisseur Dominik Graf (68) allerhand vielversprechende Ansätze.

Die Nervenschlacht im Verhörraum ist stimmig in Szene gesetzt, das Spiel sämtlicher Darsteller überzeugend, die Bildsprache mustergültig. Und auch die tickende Uhr als Spannung erzeugendes Element erfüllt ihren Zweck - zumindest die meiste Zeit.

Denn ausgerechnet gegen Ende hin, wenn die Geschichte sich ihrem dramaturgischen Höhepunkt nähert, verliert der Film deutlich an Fahrt. Kurz vor Ablauf der Deadline, wenn der Zeitdruck am größten ist, entwickeln die zuvor total unter Strom stehenden Ermittler eine Arschruhe, die für den Zuschauer nur schwer nachvollziehbar ist. Klärende Gespräche werden geführt, Spritztouren quer durch die Stadt unternommen, ein neuer Verhörraum gesucht (alles innerhalb von zehn Minuten).

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Um ihr Ziel doch noch zu erreichen, packen die Kommissare dann die Brechstange aus und versuchen ein Geständnis zu erzwingen, das vor keinem Gericht der Welt Bestand hätte.

Ein Film ist bekanntlich nur so gut wie sein Ende. Und das von "Bis Mitternacht" lässt einiges zu wünschen übrig.

Titelfoto: BR/Provobis Gesellschaft für Film und Fernsehen/Hendrik Heiden

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