Hendrik Streeck im Riverboat: "Haben nie die Angst vor der Impfung genommen!"

Leipzig - Ausgangssperren für Ungeimpfte, 2G in Geschäften, abgesagte Weihnachtsmärkte. Angesichts explodierender Corona-Zahlen fährt Sachsen erneut runter und die Bürger des Freistaats müssen massive Einschränkungen hinnehmen. Im "Riverboat" äußerte sich Virologe Hendrik Streeck (44) zu den neuesten Maßnahmen - und warb noch einmal für die Corona-Impfung.

Virologe Hendrik Streeck (44) war am Freitag zu Gast im "Riverboat" und versuchte dort, die Skepsis gegenüber der Corona-Impfung zu nehmen.
Virologe Hendrik Streeck (44) war am Freitag zu Gast im "Riverboat" und versuchte dort, die Skepsis gegenüber der Corona-Impfung zu nehmen.  © Federico Gambarini/dpa

Viele seiner Kollegen und auch er haben bereits im Sommer Vorbereitungen für den Winter gefordert, erklärte Streeck gegenüber Moderatorin Kim Fisher (52).

"Als die Testzentren abgeschafft wurden, haben viele gesagt: 'Das ist doch jetzt falsch. Wir müssen doch die Kontaktverfolgung aufrechterhalten'", so der Virologe. "Und vor allem hatten wir vom Expertenrat NRW gesagt, dass wir jetzt Krisenstäbe zusammensetzen müssen, um zu verstehen, was wir in verschiedenen Situationen machen können."

Gerade Sachsen und Bayern haben ihm zufolge jedoch zu spät gehandelt. "Je früher man anfängt, eine Welle runter zu halten, umso weniger Harsch müssen die Methoden dann sein."

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Dass die Reaktionen so lang auf sich warten ließen, erklärte er damit, dass die Pandemie über den Sommer in Vergessenheit geriet. "Die Sommermonate haben so ein Gefühl gegeben, es sei jetzt vorbei. Dazu kam dann noch der Wahlkampf. Man hat mehr Werbung für Parteien gesehen als fürs Impfen."

Der Impffortschritt sei sehr langsam gewesen. Darüber hinaus hätten es die Verantwortlichen versäumt, darüber aufzuklären, wie die Impfung wirklich funktioniert. "Wir haben nie die Angst und die Skepsis vor der Impfung genommen."

"Der am häufigsten getestete Impfstoff weltweit"

Die Impfung sei sicher und schütze gut vor einem schweren Verlauf, erklärte Streeck gegenüber Moderatorin Kim Fisher (52).
Die Impfung sei sicher und schütze gut vor einem schweren Verlauf, erklärte Streeck gegenüber Moderatorin Kim Fisher (52).  © MDR/Kirsten Nijhof

Mittlerweile seien "so viele Falschnachrichten" zum Thema Impfen im Umlauf, beklagt Streek. "Wenn man sich überlegt, dass die alten Chinesen schon geimpft haben. Sie haben damals von Pockentoten die Pusteln ausgekratzt und sich die getrockneten Pusteln in die Nase geblasen. Das ist quasi eine Impfung. Man zeigt dem Körper einen Teil vom Erreger oder den ganzen Erreger und das Immunsystem reagiert darauf. Die Pocken waren eine tödliche Krankheit, mittlerweile haben wir sie ausgerottet."

Das besondere an der RNA-Impfung sei nun, dass der tote Erreger oder Teile des Erregers nicht mehr benötigt würden. "Unser Körper bekommt eine Art Küchenrezept, weiß dadurch, wie das Protein aussieht und baut dieses nach. Nach zwei Tagen ist der Impfstoff weg, aber das Immunsystem hat darauf reagiert und eine Immunantwort, die wunderbar vor einem schweren Verlauf schützt."

Der Virologe betonte immer wieder, dass die Corona-Impfung nicht vor einer Infektion, jedoch sehr gut vor einem schweren Verlauf schütze. "Und damit kann man ja eigentlich nur an alle appellieren: Macht es, lasst euch impfen. Es ist sicher, es ist der am häufigsten getestete Impfstoff weltweit. Es haben ja mittlerweile Milliarden Menschen bekommen."

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Die weltweite Nutzung habe mittlerweile auch die Sorge um Langzeitfolgen aus der Welt geschafft. "Das können wir nur abschätzen, wenn sehr viele Menschen diesen Impfstoff bekommen haben." Dies sei mittlerweile der Fall, sodass "wir sicher sagen können, es gibt keine, die wir jetzt noch nicht gesehen haben."

Titelfoto: Montage: MDR/Kirsten Nijhof; Federico Gambarini/dpa

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