MDR-Intendantin Wille: Warum reichen acht Milliarden Rundfunkbeitrag nicht?

Leipzig - Es war ein besonderer Abend im Riverboat: Mehrere starke Frauen erzählten ihre Geschichte in der Talkrunde. Dabei war auch MDR-Intendantin Karola Wille (61), die allerdings nicht nur zu starken Frauen im Fernsehen etwas zu sagen hatte …

Mehrere starke Frauen waren am Samstagabend im Riverboat zu Gast: Darunter auch MDR-Intendantin Karola Wille (61, M.).
Mehrere starke Frauen waren am Samstagabend im Riverboat zu Gast: Darunter auch MDR-Intendantin Karola Wille (61, M.).  © Screenshot/MDR-Riverboat

Denn die Rolle der Frau hat sich in den letzten Jahrzehnten auch in Film und Fernsehen verändert.

"Wir haben einen Vielfaltsauftrag. Wir müssen dafür stehen, die Gesellschaft in ihrer Unterschiedlichkeit und ihrer Vielfältigkeit darzustellen, die Lebenswirklichkeit der Menschen zeigen. Und wenn die Hälfte der Gesellschaft Frauen sind, dann müssen sich diese auch dargestellt finden, auch medial", so Wille im Gespräch mit den Moderatorinnen des Abends Kim Fisher (51) und Stefanie Müller-Spirra (37).

"Es gibt Rollenbilder - und wie stark die wirken, wissen wir alle. Wir wissen, das Stereotype auch durch Medien geprägt werden und hinter ihnen eine ziemliche Wirkkraft steckt. Eine Studie, die alle deutschen Fernsehsender vor einigen Jahren gemeinsam in Auftrag gegeben haben, zeigte, dass deutlich mehr Männer im Fernsehen zu sehen sind. Es wurden 3000 Stunden Fernsehen und mehrere Kinofilme analysiert", sagte die Intendantin. Und weiter: "Die alte Rollenwelt: Nachrichtensprecher und Experten erklären die Welt - das war die Erkenntnis vor sechs Jahren und das fand ich ziemlich nachdankenswert."

Im eigenen Sender habe sich in Sachen "Rolle der Frau" aber schon eine Menge getan. "Wir müssen uns das noch mehr bewusst machen und reflektieren, was da genau im Fernsehen stattfindet. Ich finde, da hat sich schon viel bewegt in der ARD und beim MDR. Die Hälfte der journalistischen Führungskräfte beim MDR sind Frauen."

Der Weg sei aber noch nicht zu Ende. "Jetzt kam die Meldung, dass erstmals eine Frau alle Endspiele der Europa- und Weltmeisterschaft im Radio moderieren wird. Und alle: 'Wow!' Ich dachte aber: Wir haben es erst geschafft, wenn keiner mehr 'Wow' sagt. Sondern alle sagen, das ist doch völlig normal. Und sich keiner mehr darüber wundert."

Corona-Krise habe gezeigt "wie wichtig es ist, dass es ein System gibt, das verlässliche Informationen bietet"

MDR-Intendantin Karola Wille (61) sprach im MDR-Riverboat unter anderem über Gleichberechtigung und die Rundfunkgebühr.
MDR-Intendantin Karola Wille (61) sprach im MDR-Riverboat unter anderem über Gleichberechtigung und die Rundfunkgebühr.  © Screenshot/MDR-Riverboat

Aber auch die Frage nach der Rundfunkgebühr wurde gestellt. "Viele Menschen fragen sich: Warum reichen rund acht Milliarden Euro pro Jahr für die öffentlich-rechtlichen Sender nicht aus? Was sagen Sie denen?", so Müller-Spirra an Wille gerichtet.

"Denen würde ich gern jetzt in der Corona-Zeit sagen, dass gerade diese Krise gezeigt hat, wie wichtig es ist, dass es ein System gibt, das verlässliche Informationen bietet und auf das man vertrauen kann, weil es guten Journalismus bietet. Und dass wir in dieser schwierigen Zeit den Schulen mit vielen Bildungsinhalten für Kindern geholfen haben. Ich finde, dass wir einen ganz besonderen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland haben, der vielfältig ist", befand Wille deutlich.

"Deutschland ist föderal und wir wollen an den Problemen der Menschen dran sein. Deshalb ist auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk föderal. Das kostet natürlich Geld, widerzuspiegeln zu können, was die Menschen in ganz Deutschland bewegt und dafür nah bei ihnen sein zu können", erklärte sie weiter. "Wir werden von der Gesellschaft finanziert und deshalb haben die Menschen natürlich den Anspruch darauf, dass wir das in guter journalistischer Qualität liefern und die Menschen sich darauf verlassen können."

Dass es aber auch Kritik gibt und Dinge, an denen noch gearbeitet werden müsse, sei ihr bewusst. "Aber das ist ja normal und damit müssen wir offen umgehen."

Titelfoto: Screenshot/MDR-Riverboat

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