"Promi Big Brother"-Gewinner Werner Hansch: "Ich habe einen Trümmerhaufen hinterlassen"

Leipzig - ER war DIE Überraschung des Jahres: Kommentatoren-Legende Werner Hansch (82) verblüffte mit seinem Einzug ins "Promi Big Brother"-Haus alle. Sprachlos machte er ganz Deutschland, als er öffentlich im Container - vor Millionen von Zuschauern - beichtete: "Ich war spielsüchtig!". Hansch mauserte sich zum Publikumsliebling, gewann am Ende die Show - als ältester Mensch, der je ein Reality-Format weltweit als Sieger verließ (TAG24 berichtete)!

Werner Hansch (82) durfte sich über den "Promi Big Brother"-Sieg freuen.
Werner Hansch (82) durfte sich über den "Promi Big Brother"-Sieg freuen.  © Henning Kaiser/dpa

100.000 Euro hat die Kommentatoren-Legende als Preisgeld abgestaubt. Nach seiner Schuldenbeichte kam ihm das Geld sicherlich gerade recht. 

Im MDR-Riverboat erzählte Hansch aber, dass es ihm bei seiner Teilnahme nicht allein um das Geld ging, auch, wenn er durch seine Spielsucht eine Menge Kohle verloren hat. Kim Fisher (51) und Jörg Kachelmann (62) erzählte Hansch die ganze Geschichte.

"Ich bin in einem sehr späten Stadium meines Lebens in eine Sucht-Schlucht gefallen. Ich hatte keine Ahnung, dass so eine Lunte in mir angelegt war. Ich wurde im späten Alter von fast 70 spielsüchtig. Mit allen Konsequenzen, die das hat. Mit Verschweigen zuhause, mit Verspielen von Vertrauen bei Freunden und in der Familie, man verliert die Übersicht über seine Verhältnisse, man verspielt am Ende auch Geld, das einem nicht gehört", gibt der 82-Jährige offen zu.

Werner Hansch ganz ehrlich: "Ich habe zuhause gesessen und dachte, die Welt ist zu Ende."

Im Riverboat erzählte Werner (82) ausführlich über seine Spielsucht.
Im Riverboat erzählte Werner (82) ausführlich über seine Spielsucht.  © Screenshot/MDR-Riverboat

"Und dann gibt es Umstände, die ganz furchtbar sind und es zerbricht daran eine Beziehung. Aber auch das war noch nicht der Punkt, wo es bei mir Klick gemacht hat. In diesem Moment spielt eine ehemalige Alphatier-Figur aus der Politik eine Rolle, Wolfgang Bosbach. Er hat mir ein Darlehen gegeben. Und ich war durch verschiedene Umstände im Leben nicht in der Lage, das Darlehen so zurück zu zahlen, wie ich es mir vorgestellt habe", erklärt Werner weiter. 

"Ich war an einer Lungenentzündung erkrankt, ein anderes Projekt im Zusammenhang mit Schalke 04 konnte nicht realisiert werden und so kam es: Wolfgang Bosbach hat mich am 10. Dezember 2019 angezeigt. Er hatte da schon das halbe Darlehen zurück, muss ich sagen, und er führte in seiner Anzeige aus, dass einiges auf eine Spielsucht hindeuten würde bei mir. Vielleicht wäre es schön gewesen, wenn er mich vorher angesprochen hätte, das hat er aber nicht getan."

Das war der Moment, indem Werner Hansch nicht mehr ein noch aus wusste, für ihn brach eine Welt zusammen - vor allem die heile Welt, die er nach außen hin immer aufrecht erhalten wollte. 

"Ich stand völlig an der Wand, ich wusste, dass er die zweite Hälfte dieses Darlehens, es ging um 2500 Euro, zurückhaben will. Und dann ist es passiert, am 12. Februar wurde diese Anzeige durchgestochen an die Medien. Das war der Klick-Punkt in meinem Leben. Durch die Veröffentlichung dieser Anzeige wurde ich im Kern meiner Reputation, die ich mir in 30 Jahren aufgebaut hatte, wie bei einer Atomspaltung, getroffen. Ich habe zuhause gesessen und dachte, die Welt ist zu Ende", erinnert sich der 82-Jährige an die schwierige Zeit zurück. 

"Ein befreundeter Anwalt, Alfons Becker in Dortmund, der hat mir den Weg in die Umkehr gewiesen, in eine Therapie, die ich heute noch begleite. Ich denke, ich bin auf einem sehr guten Weg. Und ich darf das sagen, weil ich keine Entzugserscheinungen habe. Ich habe seit acht Monaten keine solche Bude mehr betreten, in der man wetten kann. Ich bin über Pferde gestolpert. Über Pferde!"

Werner Hansch wird Spielsucht-Botschafter

Werner Hansch und Wolfgang Bosbach (r.).
Werner Hansch und Wolfgang Bosbach (r.).  © Revierfoto/dpa

Jetzt ist Hansch sogar Botschafter geworden beim Fachverband Spielsucht. "Ich werde mich da mit Herzblut engagieren. Ich möchte vielen Menschen, auch jüngeren, von meinen Erfahrungen berichten und verhindern, dass sie auch in diese Schlucht fallen. Das Problem ist in der deutschen Gesellschaft viel weiter verbreitet, als wir annehmen. Da muss noch viel mehr drüber gesprochen werden." 

Mehr als eine habe Million Euro hat Hansch über die Jahre durch seine Spielsucht verloren. "Ich muss dem Bosbach eigentlich am Ende dankbar sein, denn durch seine Anzeige hat er den entscheidenden Klick bei mir ausgelöst", sagt er heute.

Eine Insolvenz sei für ihn aber nie Frage gekommen: "Ich hätte mich in ein Mauseloch verkrochen und alle diese Freunde, die mir Vertrauen und Geld geliehen haben, die hätte ich enttäuscht und zurückgelassen. Das hätte mich kaputt gemacht, ich sage es ganz deutlich. Das kam für mich nicht in Frage. Deshalb war dieses Projekt für mich eine Chance. Nicht nur des finanziellen Anreizes wegen. Ich habe dort auch eine Menge für mich selbst erfahren. Das ich es noch schaffe, in meinem Alter mit einer Gruppe junger Menschen, die alle ihr eigenes Leben haben, so zurecht zu kommen".

"Promi Big Brother" war deshalb eine private und persönliche Bereicherung für Werner.

Titelfoto: Screenshot/MDR-Riverboat

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