TV-Anwalt Ingo Lenßen: Durch Corona werden Grundrechte ausgehebelt!

Leipzig - Der Shutdown aufgrund des Coronavirus wird Juristen in Deutschland noch lange beschäftigen. Denn: Besuchsrechte wurden eingeschränkt, Menschen in Pflegeeinrichtungen durften nicht mehr nach draußen. Aus Sicht von TV-Anwalt Ingo Lenßen (59) ist die Lage schwierig. Er war jetzt Gast in der Riverboat-Talkrunde und teilte seine Sorgen mit den Zuschauern.

Vor allem Leute in Pflegeheimen und Häftlinge sind von den Corona-Regelungen stark beeinträchtigt.
Vor allem Leute in Pflegeheimen und Häftlinge sind von den Corona-Regelungen stark beeinträchtigt.  © Screenshot MDR/ Riverboat

"Es gibt so wahnsinnig viele Rechtsprobleme, die gerade einfach neu sind durch die Corona-Krise", stellt Moderatorin Kim Fisher (51) fest. "Wenn ich an Altenheime denke, zum Beispiel." 

Lenßen sieht das ähnlich. "Das finde ich in der Tat ganz schwierig. Die alten Menschen in Pflegeheimen werden ja zum Teil gar nicht mehr rausgelassen. Und das grenzt in der Tat an Freiheitsberaubung. Das finde ich ganz schlimm. Auch das Besucher-Empfangen ist ja ganz stark behindert."

Er selbst versucht gemeinsam mit einem Freund Heimbewohnern, unkonventionell zu helfen. 

"Das ist ein Konzept, bei dem wir ein kleines Häuschen vor den Eingang zum Beispiel eines Heimes schieben können. Ähnlich, wie wir es aus amerikanischen Krimis kennen. Man kann jeweils von beiden Seiten das Häuschen betreten, in der Mitte ist eine Glasscheibe. Von der einen Seite geht der Senior rein, von der anderen Seite der Besucher. 

Das Häuschen hat den Vorteil, dass es leicht zu desinfizieren ist, die Senioren brauchen keine Begleitung beim Besuch, und es wird kein Virus in das Haus hinein getragen. Denn das ist ja das nächste Problem: Die Verletzung der Privatsphäre, wenn die Senioren bei den wenigen Besuchen von einem Pfleger begleitet werden müssen, der darauf aufpasst, dass die sich nicht anfassen. Das sind doch erwachsene Menschen, die sich auch mal was Privates erzählen wollen."

Dürfen ihre Kinder nicht sehen: Auch Häftlinge von Corona betroffen

Ingo Lenßen (59) ist ein bekannter TV-Anwalt.
Ingo Lenßen (59) ist ein bekannter TV-Anwalt.  © Patrick Seeger/dpa

Eine ähnlich schlimme Situation müssten gerade auch Häftlinge durchstehen, so Lenßen.

"Dort werden bis Ende des Jahres zum Teil keine Kinder mehr reingelassen. Ein Häftling, der Kinder hat, wird seine Kinder nicht mehr sehen, weil die nicht herumrennen dürfen. Das ist doch ein Grundrecht der Menschen, seine Kinder sehen zu dürfen. 

Deshalb habe ich jetzt auch mit dem Justizministerium gesprochen. Dass wir Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, in denen die Menschen mit einer Privatsphäre wieder Kontakt zu Angehörigen haben dürfen. 

Ohne, dass überwacht werden muss, ob die sich anfassen."

Titelfoto: Screenshot MDR/ Riverboat

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