"Faking Hitler" bei RTL: Hat's das wirklich gebraucht?

Hamburg - Die "Lügenpresse" gab's wirklich: Im verstaubten Jahr 1983 war's, als sich der "stern" Hitlers angebliche Ergüsse über Blähungen, Mundgeruch und seine Eva andrehen ließ. RTL+ hat sich samt der UFA als Produzentin an das "Werk" eines Fälschers gemacht. Seit Dienstag ist der öde Zweitaufguss im Portfolio des Streaming-Anbieters zu sehen.

"Faking Hitler" in sechs Folgen mit Lars Eidinger.
"Faking Hitler" in sechs Folgen mit Lars Eidinger.  © RTL+

Zweitaufguss, weil 1992 mit "Schtonk" eine wunderbare Persiflage der Führer-Fälschungen in deutschen Kinos und später den Röhrenfernsehern landete.

Fakt ist: Diese gefakten Führer-Tagebücher brachten dem "stern" neben enormem finanziellen Verlust auch eine Langzeit-Rufschädigung ein. Kunstfälscher und "Aktionskünstler" Konrad Kujau (27. Juni 1938 in Löbau/Sachsen; † 12. September 2000 in Stuttgart) drehte dem "stern" insgesamt 62 ledrige Schmierhefte an - das angebliche Tagebuch-Gedöns Hitlers stamme aus den Jahren 1932 bis 1945. Satte 9,3 Millionen D-Mark zahlte der "stern" für Hitlers Mundgeruch und Schwärmereien aus Kujaus Hirn...

Was mit Götz George, Uwe Ochsenknecht, Rolf Hoppe, Harald Juhnke und der wunderbaren Christiane Hörbiger hervorragend gelang, plätschert mit Bleibtreu und Eidinger leider stumpf dahin.

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Auch wenn sie sich bemühen, es erinnert zum einen nicht an 1983 und - schlimmer noch - es ist vergebene Geschichts-Liebesmüh.

Als Zuschauer weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Klar ist: Heute könnte niemand mit derart plumpen Fälschungen um die Ecke kommen (sehen wir mal vom "Spiegel"-Relotius ab) - das wäre eher Material für reale Satire-Portale. Selbst diese würden - im Gegensatz zum "stern" - Diktatoren-Kost kaum noch zu einem Gag für Geld verbraten.

Filme über "Hitler" bergen oft ein Risiko - "Faking Hitler" ist zu flach

Der Kino-Erfolg "Schtonk" von 1992 hat die "stern"-Misere aus dem Jahr 1983 wunderbar umgesetzt - "Faking Hitler" hingegen ist nur ein lauwarmer Aufguss.
Der Kino-Erfolg "Schtonk" von 1992 hat die "stern"-Misere aus dem Jahr 1983 wunderbar umgesetzt - "Faking Hitler" hingegen ist nur ein lauwarmer Aufguss.  © IMAGO/Allstar

RTL+ nun hat sich in sechs Folgen des Fälscher-Stoffs angenommen. Um es kurz zu machen: Das Ganze ist so - und um es nett auszudrücken - unnötig wie ein Kropf.

Zuschauer, die die Geschichte um den "Hitler-Schatz" noch kennen, sind sicherlich gelangweilt, Fans von "Schtonk" werden die grandiosen Szenen vermissen, in denen vom "Führer-Popel" und Görings Bademantel die Rede war... in denen Veronica Ferres drallbusig auf dem Kartoffelacker stand und dem Kunstfälscher Kujau als Modell für ein einfältiges Hitler-Bild stand.

Das war dem Sujet angepasste Satire - die "Faking Hitler"-Serie ist einfach nur eins: vergeudetes Filmmaterial, vergeudete Zeit für den Zuschauer - perfekt in Braungrau-Sepia...

"Faking Hitler" ist seit dem 30. November bei RTL + abrufbar.
"Faking Hitler" ist seit dem 30. November bei RTL + abrufbar.  © RTL+

Wer (von den Jüngeren) an der Story interessiert ist, dem sei der gleichnamige Podcast von Malte Herwig, Isa von Heyl und Nilz Bokelberg empfohlen. Hier ist der "stern"-Hitler-Skandal minutiös aufbereitet. Ohne schmückend-sinnlose Rand-Episoden, wie sie in RTLs "Faking Hitler" erzählt werden.

Titelfoto: RTL +

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