Kretschmer: Corona-Infektionen "in der Gastronomie, nicht im Baumarkt passiert"

Leipzig - Sein Auftritt war am Freitagabend von vielen mit Spannung erwartet: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU) stellte sich den Fragen der Riverboat-Moderatoren Kim Fisher (51) und Jörg Kachelmann (61). Dabei ging es vor allem um die beschlossenen Maßnahmen zur Schrittweisen Öffnung der Geschäfte nach der Corona-Krise.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU) sagt: "Die Infektionen sind in der Regel nicht im Baumarkt passiert, sie sind in der Gastronomie passiert."
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU) sagt: "Die Infektionen sind in der Regel nicht im Baumarkt passiert, sie sind in der Gastronomie passiert."  © Screenshot/MDR-Mediathek

"Gesundheitsminister Jens Spahn hat gesagt, der Ausbruch des Virus sei zumindest in Deutschland beherrschbar. Als ich mit der Bahn nach Leipzig gefahren bin, hatte ich das Gefühl, es ist ein dünnes Eis, auf dem wir uns bewegen", so Kim Fisher. 

"Es waren doch schon wieder viele Menschen unterwegs. Wie können wir denn die Erfolge, die guten Ergebnisse, schützen?" 

Der Ministerpräsident verteidigt seine Maßnahmen zur schrittweisen Lockerung.

"Ich finde auch, die Dinge, die wir uns in Sachsen jetzt vorgenommen haben, sind auf keinen Fall zu wenig. Es gibt eine Grenze, die wir noch nicht überschreiten dürfen. 

In Sachsen sind es - und wenn es nur die Prüfungsjahrgänge - auch immerhin noch 60.000 Schüler, die ab Montag wieder unterwegs sind. 

Und 800 Quadratmeter Ladenfläche, das sind natürlich nahezu alle Einzelhandelsgeschäfte. Das wird viel Bewegung, das wird viel Interaktion werden", sagt er voraus.

"Und deswegen jetzt wirklich mein Aufruf: Maß halten! Wir müssen jetzt die nächsten 14 Tage bis drei Wochen abwarten, wie sich das Infektionsverhalten entwickelt. Wenn wir diszipliniert sind, können wir über weitere Lockerungen sprechen. Denn die Wahrheit ist ja: Das Virus ist in der Welt, es gibt immer noch keinen Impfschutz. Das Einzige, was wir tun können ist: Abstand halten und die Bedeckung von Mund und Nase."

Kretschmer rechnet "immer wieder mit regionalen Ausbrüchen"

"Mir blutet das Herz" sagt Kretschmer zu den Demonstrationen der Gastronomen und Hotelbesitzer, die er in Dresden gesehen hat.
"Mir blutet das Herz" sagt Kretschmer zu den Demonstrationen der Gastronomen und Hotelbesitzer, die er in Dresden gesehen hat.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Kim Fisher hakte da noch einmal genauer nach. "Das heißt, wenn wir nicht diszipliniert sind, werden die Maßnahmen wieder angezogen?" 

Möglich scheint es. "Hoffen wir es nicht", so Kretschmer. "Hoffen wir, dass wir alle diszipliniert mit der Situation umgehen. Aber wir sind uns sicher, dass in den kommenden Monaten bis zum Impfschutz immer wieder regionale Ausbrüche erfolgen werden und dort werden wir dann regional ganz gezielt aktiv werden müssen und dagegen vorgehen."

Für die Gastronomie-Betriebe in Sachsen gibt es derweil noch kein Go, um bereits am Montag wieder öffnen zu dürfen. 

"Für Gastronomen - damit diese ein Licht am Ende des Tunnels sehen - werden wir einen Stufenplan entwickeln: Ab wann können diese in welchen Umfang, in welcher Art, mit welchen Schutzmaßnahmen öffnen? Das will ich gern jetzt auch leisten, damit jeder sehen kann, was als Nächstes kommt."

Für die Sorgen und Nöte der Gastronomen und Hotelbesitzer hat Kretschmer Verständnis. "Ich habe die Demonstrationen in Dresden gesehen und mir blutet das Herz. Es ist die Branche, die es am schwierigsten hat. Die Infektionen sind in der Regel nicht im Baumarkt passiert, sie sind in der Gastronomie passiert. Jetzt muss es darum gehen, das wieder schrittweise zu öffnen, mit Abstands- und Hygieneregeln. Das müssen wir besprechen, das tun wir.

Übrigens: Auch ein Ministerpräsident ist am Ende des Tages ein Familienvater, der abends nach Hause kommt und die Kinder nach einem weiteren Tag im Homeschooling geschafft sind. Auf Michael Kretschmer warten am Wochenende die ganz normalen Aufgaben eines Familienoberhauptes. 

"Ich werde immer zu Arbeiten heran gezogen, im Garten oder im Haus. Jetzt ist renovieren angesagt. Ich hatte eigentlich gehofft, dass meine Frau es verpasst hat, die Farbe zu besorgen, aber so, wie ich das gesehen habe, ist das schon vor der Corona-Krise passiert. Wir haben uns vorgenommen, die Kinderzimmer zu streichen."

Titelfoto: Screenshot/MDR-Mediathek

Mehr zum Thema Talkshows:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0