Mord in der Obdachlosen-Szene: Ist dieses Leben weniger Wert als ein anderes?

Wien (Österreich) - Sind bestimme Menschen mehr wert als andere? Im neuen "Tatort" aus Österreich scheint so manch eine Figur diese Ansicht zu teilen.

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, 60) inspiziert den Tatort.
Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, 60) inspiziert den Tatort.  © ARD Degeto/ORF/Superfilm/Philipp Brozsek

Nicht aber Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, 60) und Major Bibi Fellner (Adele Neuhauser, 61). Das Ermittler-Duo aus Wien beweist am heutigen Sonntagabend, dass es egal ist, aus welchem Milieu man kommt - jeder verdient es, gehört zu werden.

Im "Tatort: Unten", der um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen ist, beginnt alles mit dem Fund einer Leiche, die sich als ehemaliger Informant von Fellner entpuppt - ein Ex-Journalist, der auf der Straße gelandet ist. Indy (Michael Steinocher, 37) und Tina (Maya Unger, 25), die selbst beide obdachlos sind, entdecken den Toten namens Gregor und verständigen die Polizei.

Zunächst gerät Tina selbst in das Zentrum der Ermittlung, da der Ermordete ihr kurz vor seinem Tot seine Lebensversicherung übertragen hatte. Es scheint auch möglich, dass Tina und Gregor ein Verhältnis hatten und Indy den Kontrahenten aus Eifersucht beseitigte.

Die Spuren führen Eisner und Fellner allerdings bald ins Heim "Lebensraum", in dem Gregor lange Zeit gemeldet war. Der Heimleiter Zanger (Michael Pink, 43) kannte den Verstorbenen und vermutet ebenso wie die ärztliche Leiterin des Heims eine Drogengeschichte hinter dem Verbrechen.

Doch alle Hinweise scheinen zu simpel, derartige Motive zu naheliegend zu sein. Glücklicherweise hören Eisner und Fellner auf die Sackerl-Grete (Inge Maux, 76), eine stark verwirrte alte Frau, und kommen dadurch einer grausamen Verschwörung auf die Schliche.

Lohnt sich das Einschalten?

Moritz Eisner und Bibi Fellner (Adele Neuhauser, 61) ermitteln heute Abend im Obdachlosenmilieu.
Moritz Eisner und Bibi Fellner (Adele Neuhauser, 61) ermitteln heute Abend im Obdachlosenmilieu.  © ARD Degeto/ORF/Superfilm/Philipp Brozsek

Es hat schon was Ironisches, wenn einer der besten "Tatorte" gar nicht aus Deutschland kommt.

"Unten" ist eine bedrückende sowie spannende ORF-Produktion, mit der nur wenige deutsche TV-Krimis mithalten können.

Angeführt von sehr starken Hauptrollen kann der Film einen durchweg überzeugenden Cast anbieten - ein Kunststück, welches leider selbst dem prestigeträchtigen "Tatort" selten gelingt.

Besonders mitreißend ist der Krimi unter anderem wegen der sehr aufwühlenden musikalischen Untermalung. Der Soundtrack erinnert mitunter sehr an den von "Dark", der vielleicht besten deutschen Serie aller Zeiten.

Auch die Story ist mehr als solide: nicht so lahm, dass man am Sonntagabend mal wieder vor dem Fernseher einschläft - nicht aber so komplex, dass einem der Schädel zum Wochenendausklang brummt. Nur die Auflösung des Falls dürfte bei echten "Tatort"-Kennern keine allzu große Überraschung auslösen. Zu klar zeichnet sich vorher ab, welche Figuren in ein klassisches Täterprofil passen.

Nicht umsonst gehören die Wiener Ermittler für viele Zuschauer zum Besten, was der Tatort zu bieten hat. Sie passen zusammen, ziehen inzwischen an einem Strang und halten sich den Rücken frei - obwohl sie eigentlich recht unterschiedlich sind. Diese Woche gibt es keine großen Streitereien, keine Wortgefechte, doch das schadet ihrer Synergie nicht.

Auch wenn "Unten" kein Meisterwerk für die Ewigkeit ist - welcher "Tatort" ist das schon - so kann man sich am vierten Advent doch auf einen der besseren Fernseh-Krimis des Jahres freuen. Wenn man es in der Weihnachtszeit nicht nur beschaulich, sondern auch spannend mag...

Titelfoto: ARD Degeto/ORF/Superfilm/Philipp Brozsek

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