Chaos in Dortmund: Tatort sorgt für hoffnungslos überladenen Fall

Dortmund - Der neueste Sonntagabendkrimi aus Dortmund liefert den Zuschauern einen hoffnungslos überladenen Fall rund um Rassismus, Hetze und sogenannte Fake News.

Die erfahrene Dortmunder Ermittlerin Martina Bönisch (Anna Schudt, 46, l.) und die Neue im Team, Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger, 33).
Die erfahrene Dortmunder Ermittlerin Martina Bönisch (Anna Schudt, 46, l.) und die Neue im Team, Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger, 33).  © WDR/Bavaria Fiction/Martin Menke

Mitten im cineastischen Chaos von "Tatort: Heile Welt" (20.15 Uhr, Das Erste) ist Stefanie Reinsperger (33) erstmals als Hauptkommissarin Rosa Herzog zu sehen - ein denkbar undankbarer Einstand.

In dem Film von Regisseur Sebastian Ko (50) setzt ein Mord nicht nur Ermittlungen, sondern auch eine Woge von gefährlichen Lügen in Gang.

Ganz Dortmund spricht - vorrangig in den sozialen Medien - über die tote junge Frau aus der Hochhaussiedlung. Veranschaulicht wird dies (wie in mittlerweile jedem zweiten Film) durch ständig aufploppende Netz-Kommentare.

Am Tatort deutet zunächst einiges auf eine versuchte Vergewaltigung hin. Spuren hochwertigen Kokains weisen jedoch in eine ganz andere Richtung. Schnell drängen sich Verdächtige auf.

Hauptkommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt, 46) ist überzeugt, im Drogen dealenden Sohn eines Imams einen potenziellen Mörder gefunden zu haben. Als der in Handschellen abgeführt wird, nutzen das rechte Hetzer, um ihre Klientel aufzustacheln.

Neben Krimi auch Lovestory dabei

Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, 51) erlebt einen feuchtfröhlichen Abend mit dem Obdachlosen Thomas Janowski (Jürg Plüss, 48), doch dann erhält er einen schockierenden Anruf.
Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, 51) erlebt einen feuchtfröhlichen Abend mit dem Obdachlosen Thomas Janowski (Jürg Plüss, 48), doch dann erhält er einen schockierenden Anruf.  © WDR/Bavaria Fiction/Martin Menke

Das Video von der Festnahme war nämlich im Netz gelandet, woraufhin Bönisch als offen rassistische Polizistin von Rechten gefeiert, im Gegenzug von Antifa-Rüpeln verdroschen wird.

Als ob die Mordermittlungen und Bönischs neue Rolle als "Nazi über Nacht", wie sie selbst resümiert, nicht schon genug Stoff für einen Sonntagabendkrimi bieten würden, wird auch noch die unerwiderte Liebe von Kommissar Faber (Jörg Hartmann, 51) zu seiner Kollegin thematisiert.

Bönisch hat sich nämlich mit KTU-Leiter Sebastian Haller (Tilman Strauss, 39) eingelassen, was bei Faber natürlich ordentlich Herzschmerz auslöst. Inmitten all des Trubels lernen die Zuschauer dann noch Rosa Herzog, "die Neue" im Dortmunder Revier, kennen. Die tritt zunächst schroff auf, wirkt aufbrausend und nervös.

Um ihre Nervosität zu veranschaulichen, gaben ihr die Drehbuchautoren einen Spleen mit auf den Weg: Zum Stressabbau schnipst Herzog unentwegt mit einem Gummiband.

Lohnt sich das Einschalten?

Nein! Die Macher des Dortmunder "Tatort" haben sich bei dem aktuellen Fall ordentlich verzettelt - und das ganz ohne Not. In "Heile Welt" wird ein Fass nach dem anderen aufgemacht, ohne einen Handlungsstrang wirklich auszuerzählen.

Und so gesellt sich zu der klischeebeladenen Nazi-Polizistin-Geschichte um Bönisch noch eine entbehrliche Love-Story, eine corona-bedingte menschliche Tragödie und ein Vermisstenfall. Und dann müssen auch noch die neue Kommissarin vorgestellt und ein Mord aufgeklärt werden.

Wer beim Anschauen kein Gummiband zur Hand hat, der muss einen anderen Weg finden, den Ärger über diesen schwachen "Tatort" zu bewältigen.

Titelfoto: WDR/Bavaria Fiction/Martin Menke

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