Tatort: So gut wie eine Schlaftablette

Bamberg - Ein kleiner Junge und ein Jugendlicher rennen panisch durch den Wald. Einer der beiden wird von seinen Eltern als vermisst gemeldet. So beginnt der neue Franken-"Tatort: Wo ist Mike?", der am heutigen Sonntagabend um 20.15 Uhr im Ersten läuft.

Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, 62) und Felix Voss (Fabian Hinrichs, 47) suchen nach dem vermissten Mike.
Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, 62) und Felix Voss (Fabian Hinrichs, 47) suchen nach dem vermissten Mike.  © BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Marc Reimann

Drei Tage lang merken die getrennt lebenden Eltern des fünfjährigen Mike (Milo Eisenblätter, 6) nicht, dass ihr Sohn verschwunden ist. Sie vermuten ihn beim jeweils anderen, bis der Irrtum auffällt. Gegenseitig werfen sich Mutter (Linda Pöppel, 36) und Vater (Andreas Pietschmann, 52) des Kindes vor, für das Verschwinden verantwortlich zu sein.

Die Kommissare Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, 62) und Felix Voss (Fabian Hinrichs, 47) versuchen, Mike zu finden. Dabei nimmt der Fall eine persönliche Wendung.

Der Lehrer Rolf Glawogger (Sylvester Groth, 63), mit dem Ringelhahn seit Kurzem zusammen ist, wird zum Hauptverdächtigen. Er gerät ins Visier der Ermittler, weil zwei Schüler ihn zuvor wegen sexueller Belästigung angezeigt hatten. Von all dem wusste Ringelhahn nichts.

Und dann wäre da noch der rätselhafte Titus (Simon Frühwirth, 21). Er hat irgendetwas mit Mikes Verschwinden zu tun. Während sein Leben immer mehr aus den Fugen gerät, versucht seine Mutter (Bettina Hoppe, 46), Normalität vorzuspielen.

Die Kommissare stehen vor der Frage, ob und wenn ja, welche Verbindung zwischen diesen Personen besteht. Sie müssen zudem aufpassen, dass ihre persönlichen Befindlichkeiten sie bei den Ermittlungen nicht behindern.

Lohnt sich das Einschalten?

Was hat Titus (Simon Frühwirth, 21) mit dem Verschwinden des kleinen Jungen zu tun?
Was hat Titus (Simon Frühwirth, 21) mit dem Verschwinden des kleinen Jungen zu tun?  © BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden

Nein. Es sei denn, man braucht eine Alternative zur Schlaftablette. Langatmiger kann man einen Fall kaum erzählen. Dabei hätte die Geschichte durchaus das Zeug für einen spannungsreichen Abend.

Ungewohnt privat wird Paula Ringelhahn in diesem Fall gezeigt. Am Anfang schwebt die Kommissarin auf Wolke sieben. Sie wird aber schnell auf den Boden der Tatsachen geholt, als ihr Liebhaber in Verdacht gerät, für das Verschwinden von Mike verantwortlich zu sein.

Der innere Konflikt, der sich zwischen ihrer neuen Liebe und ihrem Job auftut, verleiht der Figur mehr persönliche Tiefe. Leider erreicht diese emotionale Seite das Publikum sicherlich nicht.

Auch die Vergangenheit von Felix Voss spielt bei den Ermittlungen eine Rolle. Ihn überwältigen regelmäßig kurze Erinnerung an seine Kindheit. Doch diese Flashbacks bringen die Handlung kaum voran, wirken überflüssig. Erst am Ende, fast beiläufig, erfährt man, was Voss früher erlebt hat.

Immer wieder kommt es für den Zuschauer zu irritierenden Momenten, nach denen man sich fragt: Was ist wahr, was Einbildung? Das ist durchaus ein spannendes Stilmittel, aber wenn der Rest des Films eher zum Einnicken einlädt, können solche Szenen auch nichts mehr retten.

Titelfoto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Marc Reimann

Mehr zum Thema Tatort:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0