"Tatort" aus Franken: Liebesglück und tiefer Fall

München - Paula Ringelhahn schlägt lächelnd die Augen auf. Zärtlich streichelt sie mit der Hand über das leere Kopfkissen neben sich. Mit der großen Decke um die Schultern geschlungen, schreitet sie wie eine Braut mit langer Schleppe die Treppe hinab. Ihr Liebhaber hat derweil in der Küche das Frühstück zubereitet und begrüßt die Kommissarin mit einem zärtlichen Kuss.

Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) sind bestürzt über die aktuellen Entwicklungen des Falls in einer Szene aus "Tatort: Wo ist Mike?"
Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) sind bestürzt über die aktuellen Entwicklungen des Falls in einer Szene aus "Tatort: Wo ist Mike?"  © Marc Reimann/BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/dpa

Der neue Franken-"Tatort" des Bayerischen Rundfunks "Wo ist Mike?" zeigt die Ermittlerin (Dagmar Manzel, 62) so privat wie noch nie.

Doch die heimelige Atmosphäre am Anfang steht in einem starken Kontrast zur bedrückenden Stimmung, die Regisseur Andreas Kleinert (59) im übrigen Teil des Films inszeniert.

Immer wieder kommt es zu irritierenden Momenten, nach denen man sich fragt: Was ist wahr, was Einbildung?

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Auch das Liebesglück mit dem Bamberger Lehrer Rolf Glawogger (Sylvester Groth, 63) ist nur von kurzer Dauer. Als ein fünfjähriger Junge verschwindet, gerät Glawogger in Verdacht. Und ausgerechnet Ringelhahn und ihr Kollege Felix Voss (Fabian Hinrichs, 47) müssen gegen ihn ermitteln.

Das Erste strahlt den siebten Fall des Nürnberger Ermittlerteams am Sonntag um 20.15 Uhr aus.

Ringelhahn gerät darin in einen schweren Konflikt zwischen ihrer neuen Liebe und ihrem Job. "Man sieht, dass es ihr unglaublich schwerfällt und dass da auch was kaputt geht", sagt Manzel im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die Geschichte war für die passionierte Theaterschauspielerin eine willkommene Gelegenheit, ihrer Figur mehr persönliche Tiefe zu verleihen - und gleichzeitig mit Sylvester Groth zusammenzuarbeiten, mit dem sie seit Jahren befreundet ist.

"Tatort: Wo ist Mike?": Liebesbeziehung ist Ausgangspunkt für tragischen Kriminalfall

Als Mikes Mutter (Linda Pöppel) am Haus von Rolf ankommt, macht sie eine fürchterliche Entdeckung.
Als Mikes Mutter (Linda Pöppel) am Haus von Rolf ankommt, macht sie eine fürchterliche Entdeckung.  © BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden

Anfang der 1980er Jahre standen Manzel und Groth zum ersten und bis dato letztem Mal gemeinsam vor der Kamera. Weshalb er auch etwas aufgeregt gewesen sei, sagt Groth: "Man kennt sich zwar über die ganze lange Zeit und ist befreundet. Aber man weiß ja nicht, wie das bei der Arbeit funktioniert."

Das habe es dann aber sehr gut, sagen beide.

Und fiel der Filmkuss ihnen deshalb auch leichter? "Garantiert", sagt Manzel. "So ist es ein bisschen inniger", ergänzt Groth. "Andersrum ist es aber auch okay, ist dann halt ein Job."

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Die Beziehung von Paula Ringelhahn und dem Lehrer ist in dem neuen "Tatort" aus Franken der Ausgangspunkt für einen tragischen Kriminalfall:

Der kleine Mike ist spurlos weg - und die mit ihrem Trennungsstreit beschäftigten Eltern (Linda Pöppel, Andreas Pietschmann) merken das erst drei Tage später. Beide hatten angenommen, dass der Junge beim jeweils anderen ist. Wütend beschuldigen sie sich gegenseitig.

"Tatort" zeigt, wie schnell Rufmord zu Existenzzerstörung führt

Mitte von links: Titus' Mutter (Bettina Hoppe) besucht ihren Sohn (Simon Frühwirth) in der psychiatrischen Klinik.
Mitte von links: Titus' Mutter (Bettina Hoppe) besucht ihren Sohn (Simon Frühwirth) in der psychiatrischen Klinik.  © BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden

Und dann ist da noch der 17-jährige Titus (Simon Frühwirth). Dass dieser irgendetwas mit dem Verschwinden von Mike zu tun hat, wird den Zuschauerinnen und Zuschauern schnell klar.

Dessen Leben gerät immer stärker aus den Fugen, während seine Mutter versucht, Normalität vorzuspielen. Doch welche Rolle spielt er?

Zuerst wird jedoch der Lehrer Glawogger festgenommen. Ins Visier der Ermittler geriet er vor allem, weil zwei Schüler ihn zuvor wegen sexueller Belästigung angezeigt hatten - was sich später als falsche Behauptung herausstellt. Doch da ist die neue Beziehung schon unheilbar zerbrochen, das Haus mit Hassparolen beschmiert.

An seiner Rolle habe ihn besonders gereizt, dass diese zeige, wie schnell ein Satz ein Leben zerstören könne, sagt Groth. "Das finde ich ein ganz wichtiges Thema in unserer Zeit, wie schnell Rufmord zu Existenzzerstörung führt."

Gerade haben Manzel und Hinrichs den nächsten "Tatort" aus Franken gedreht. Und so viel verrät die TV-Kommissarin schon mal: In diesem Fall wird es dann überhaupt nicht um das Privatleben des Ermittlerteams gehen. "Und das finde ich auch gut", sagt sie.

Titelfoto: Marc Reimann/BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/dpa

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