Tatort "Blind Date": Tankwart liegt nach Überfall tot am Boden

Mainz - Im neuesten Tatort spielen drei Frauen die Hauptrollen. Heike Makatsch (50) bekommt es in ihrem dritten Fall als Kommissarin Berlinger mit einer blinden Jurastudentin und einer rätselhaften Tankstellenräuberin zu tun. Nebenbei muss die alleinerziehende Ermittlerin eine Entscheidung fällen, die ihr ganzes Privatleben auf den Kopf stellt. Das Erste zeigt die Folge "Blind Date" am Sonntagabend um 20.15 Uhr.

Ellen Berlinger (Heike Makatsch, 50) und Martin Rascher (Sebastian Blomberg, 49) müssen sich etwas einfallen lassen, um die ausgesprochen dünne Faktenlage aufzubessern.
Ellen Berlinger (Heike Makatsch, 50) und Martin Rascher (Sebastian Blomberg, 49) müssen sich etwas einfallen lassen, um die ausgesprochen dünne Faktenlage aufzubessern.  © SWR / Bettina Müller

Den Auftakt erleben die Zuschauer aus der Perspektive der fast völlig blinden Zeugin Rosa (Henriette Nagel, 29).

Wie jeden Abend kauft sich die Studentin an der Tankstelle zwei Bier, um ihrem drögen Alltag zwischen Uni-Seminaren und einem übervorsichtigen Elternhaus für einen Moment zu entfliehen. Doch diesmal ist alles anders: Die mit nur einem Prozent Sehkraft ausgestattete Rosa wird Zeugin eines Überfalls, bei der am Ende der Tankwart tot am Boden liegt.

Zwar hat die junge Frau nur die groben Umrisse der beiden Täter - ein Mann und eine Frau - gesehen. Doch ihr Gehör, ihr Geruchssinn und ihr Gespür sind derart geschult, dass sie den Kommissaren Ellen Berlinger und Martin Rascher (Sebastian Blomberg, 49) präzise Hinweise auf die Täter geben kann.

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Den ihr angebotenen Polizeischutz lehnt die Studentin kategorisch ab. Sie will sich nicht schon wieder auf Schritt und Tritt begleiten lassen, wie es ihr Vater jahrelang zuvor getan hat.

Anhand ihres Parfums bemerkt Rosa, dass sich einer der Verbrecher - eine Frau in ihrem Alter - ganz nah in ihrem Umfeld bewegt. Die Angst vor der Täterin weicht einer immer größeren Neugier. Und bald fühlt sie sich auch körperlich zu ihr hingezogen...

Tatort "Blind Date" aus Mainz: Lohnt sich das Einschalten?

Ellen Berlinger (links, Heike Makatsch, 50) versucht gemeinsam mit ihrer Zeugin Rosa (Henriette Nagel, 29) herauszufinden, welches Parfum sie am Tatort gerochen hat.
Ellen Berlinger (links, Heike Makatsch, 50) versucht gemeinsam mit ihrer Zeugin Rosa (Henriette Nagel, 29) herauszufinden, welches Parfum sie am Tatort gerochen hat.  © SWR / Bettina Müller

Eher nicht. Dabei fängt "Blind Date" stark an. Hauptfigur Rosa scheint zunächst ein dramaturgischer Hauptgewinn zu sein. Immer wieder können die Zuschauer ihre Sicht auf die Welt sehen.

Verschwommene Konturen, verdächtige Geräusche - all das treibt die Spannung voran. Allerdings entscheidet sich Regisseurin Ute Wieland (64), die Identität der Tankstellenräuber schon früh zu enthüllen.

Und diese sind nichts weiter als ein müder Abklatsch von "Bonnie und Clyde". Der Rest der Folge konzentriert sich darauf, Rosas Charakter mit billigen Klischees in Richtung Unabhängigkeit zu treiben. Viele Dialoge sind hölzern, Rosas dialektbabbelnde Eltern werden völlig überzeichnet dargestellt.

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Auch das Ermittler-Duo kommt in "Blind Date" nicht gut weg. Berlingers Probleme mit ihrer Tochter Greta (Elin Knipchild) und das plötzliche Auftauchen des Kindsvaters (David Murphy) wirken ein bisschen zu sehr zurechtgeschustert. Ihr Kollege Rascher geht fast völlig unter, darf nur hier und da ein paar - zugegeben sehr witzige - Sprüche klopfen.

Unterm Strich versteift sich "Blind Date" zu sehr auf die persönlichen Dramen seiner Figuren und lässt dabei den Krimi-Aspekt zur Nebensache werden. Der Versuch, die weiblichen Charaktere in den Mittelpunkt zu rücken, ist zwar eine nette Idee, scheitert aber an der langatmigen Erzählweise und einem schwachen Drehbuch.

Titelfoto: SWR / Bettina Müller

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