Team Wallraff: schwere Ausbeutung bei Burger King? Das sagt der Konzern

Köln – Acht Jahre nach den aufrüttelnden Enthüllungen über Burger King von Günter Wallraff (79) und seinen Kollegen hat das "Team Wallraff" den Fast-Food-Giganten erneut unter die Lupe genommen - auch dieses Mal schockieren die Recherche-Ergebnisse.

Günter Wallraff (79) und sein Team haben erneut Missstände bei Burger King aufgedeckt.
Günter Wallraff (79) und sein Team haben erneut Missstände bei Burger King aufgedeckt.  © RTL/Stefan Gregorowius

2014 deckten die Investigativ-Reporter teils katastrophale Hygienemissstände und Arbeitsbedingungen auf. Damals ging es konkret um den Franchisenehmer Yi-Ko mit rund 3000 Beschäftigten in 91 Filialen. Burger King hatte Yi-Ko als Reaktion auf die RTL-Sendung fristlos gekündigt.

Der "Spiegel" hatte anschließend berichtet, dass Wallraff für seine Recherchen bei Burger King mit deren größten Konkurrenten McDonald's zusammengearbeitet und dafür sogar Honorare bekommen haben soll.

In einer neuen Folge, die am heutigen Donnerstagabend (20.15 Uhr bei RTL) ausgestrahlt wird, stellt das "Team Wallraff" nun erneut Missstände bei Burger King an den Pranger. Laut einem RTL-Bericht haben die Reporter mit ehemaligen und aktuell angestellten Mitarbeitenden gesprochen.

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Es geht um extreme Arbeitszeiten, Ausbeutung und grundsätzliche gravierende Verstöße gegen das Arbeitsrecht.

Schwere Vorwürfe gegen Burger King: 60 Überstunden im Monat?

Burger King hat rund 750 Filialen in Deutschland.
Burger King hat rund 750 Filialen in Deutschland.  © Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/dpa

Dass die Angestellten bei Burger King Akkordarbeit leisten müssen, dürfte für die Wenigsten eine Überraschung sein. Eine Ex-Mitarbeiterin habe nun im Interview erzählt, dass sie früher teils 13, 14 Stunden pro Tag arbeiten musste: "Das ist aber normal."

Das Telefon habe auch geklingelt, wenn man eigentlich krankgemeldet war. Das Ergebnis seien bis zu 60 Überstunden im Monat gewesen. "Wenn du 220 Stunden im Monat arbeitest, dann hast du kein Privatleben mehr", wird ein Informant zitiert.

Durch einen internen Wochenbericht habe das "Team Wallraff" erfahren, dass für alle Restaurants maximal 14 Prozent des Umsatzes für Personalkosten verwendet werden dürften. Manche Mitarbeitenden würden als Konsequenz einfach während ihrer Schicht nach Hause geschickt, wenn der Umsatz zu gering sei.

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"Zu viel Personal darf unter keinen Umständen vor Ort sein. Es wird mehr Wert darauf gelegt, die Personalkosten unten zu halten, als den Umsatz zu fördern." Dabei würden ausgefallene Stunden selbstredend nicht bezahlt werden.

"Team Wallraff"-Ergebnisse: Burger Kind bezieht Stellung

Günter Wallraff konfrontiert Burger King mit den Recherche-Ergebnissen.
Günter Wallraff konfrontiert Burger King mit den Recherche-Ergebnissen.  © RTL/Stefan Gregorowius

Eine aktuell angestellte Schichtleiterin einer Kölner Filiale habe berichtet, dass sie jeden Tag Nachtschichten einlegen müsste: "Ich bin irgendwann verrückt geworden!"

Ein anderer Mitarbeiter aus demselben Restaurant habe vier Kinder und zusätzlich einen Job in einer Bäckerei: "Ich mache niemals Pause. Ich arbeite 24 Stunden. Viel zu viel."

"Diese Ausbeutung hat laut Günter Wallraffs erstem Informanten System", berichtet RTL. Demnach würden gerade Arbeitssuchende mit Migrationshintergrund eingestellt, die um ihren Verbleib in Deutschland bangen müssen.

"Lieber stelle ich jemanden ein, der gerade erst in Deutschland eingereist ist und der Sprache nicht mächtig ist und nicht weiß, welche Rechte er hat", so der Informant.

Das "Team Wallraff" habe Burger King mit seinen Recherchen konfrontiert. In einer Antwort verwies der Konzern darauf, seit Mai 2022 neue Mehrheitseigentümer zu haben. "Seitdem wurde ein umfassender Veränderungsprozess eingeleitet, der auch erhebliche Investitionen umfasst. Einige Ihrer Recherchen erfolgten lange vor diesen schrittweise eintretenden Veränderungen."

Burger King: "Haben die benannten Restaurants umgehend geschlossen"

Weiter heißt es in dem Schreiben von Burger King: "Nachdem wir von Ihren Vorwürfen erfahren hatten, haben wir - gemeinsam mit unseren Franchisepartner*innen - sofort gehandelt und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Wir haben die benannten Restaurants umgehend geschlossen und ein außerordentliches, externes Audit für alle 750 Burger King Restaurants in Deutschland angeordnet, das bis spätestens Ende September 2022 abgeschlossen sein wird."

Alle Recherche-Ergebnisse zeigt RTL am heutigen Donnerstag um 20.15 Uhr in der neuen "Team Wallraff"-Folge und im Anschluss im Stream bei RTL+.

Titelfoto: Montage: Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/dpa, RTL/Stefan Gregorowius

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