Feuchtgebieterin im Doku-Talk: Es ist wie Big Brother am Lagerfeuer, einfach gut!

Von Björn Strauss

"Irgendwo im Wald von Norddeutschland" - Gott, sind die unterschiedlich! Aber was haben Robert Stadlober, Tim Wiese, Annalena Baerbock und Christine Neubauer gemein? Nun, sie sitzen im Wald, ums Lager-Feuer bei Charlotte Roche - und das ist gut so!

Ex-Fußballtorhüter Tim Wiese, Fernsehstar Christine Neubauer, Bündnis 90/Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Robert Stadlober, Schauspieler und Musiker, bei Charlotte Roche.
Ex-Fußballtorhüter Tim Wiese, Fernsehstar Christine Neubauer, Bündnis 90/Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Robert Stadlober, Schauspieler und Musiker, bei Charlotte Roche.  © NDR/Daniel Bremehr

Denn "Die Geschichte eines Abends", diesmal mit Gastgeberin Charlotte Roche, hebt sich angenehm ab vom üblichen Talkshow-Einerlei. Der anarchische "Doku-Talk" lief am Freitag tief in der Nacht und zum Glück noch in der >> Mediathek!

An einem lauen Spätsommerabend war's: Irgendwo in einem Wald in Norddeutschland brennt vor einer gemütlichen Hütte ein Lagerfeuer. Vier prominente Gäste sind geladen... So weit das Setting.

Der Anfang ist deftig! "Du tust das Messer in das Po-Loch ... gehst aber auf keinen Fall tief in die Gedärme." Nein, nicht Feuchtgebiete wird gelesen. Fische werden ausgenommen, vorbereitet fürs Essen, bei dem es dann sogleich traurig wird.

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Charlotte Roche erzählt vom Tod dreier ihrer Geschwister vor 15 Jahren, als diese auf dem Weg zu Charlottes Hochzeit waren.

Ein absoluter Stimmungs-"Downer" quasi - dennoch, keine Angst, es wird wieder besinnlich, intim und ehrlich.

Über Tod und Angst vor Fremden

Tim Wiese im Gespräch mit Grünenchefin Annelena Baerbock. An diesem Abend kam alles auf den Tisch: Vom Tod der eigenen Eltern bis zur Angst vor Flüchtlingen.
Tim Wiese im Gespräch mit Grünenchefin Annelena Baerbock. An diesem Abend kam alles auf den Tisch: Vom Tod der eigenen Eltern bis zur Angst vor Flüchtlingen.  © NDR/Daniel Bremehr

Zwischen gegrillter Regenbogen-Forelle und einer holprigen Nachtwanderung erzählen alle irgendwann und irgendwie, aber auf jeden Fall immer rührend von ihren Ängsten, Träumen, von Tod und ein bisschen über Politik.

Von Christine Neubauer erfahren wir: Der Medienmoloch hat mich krank gemacht. Robert Stadlober hat riesige Angst vorm Sterben. Und Tim Wiese und Annalena Baerbock sprechen über die Flüchtlinge in Deutschland und die Angst vor Fremden, die ausgerechnet der 1,93-Meter große Wiese hat.

Es ist wie eine Reise, in die tiefe Dunkelheit des Waldes und ins Innerste der Gästeschar. Mit dokumentarischem Blick wird hier die Begegnung der fünf Menschen erzählt, die zum ersten Mal gemeinsam Zeit verbringen. Sich antasten, kennen lernen wollen und es auch tun! Die Kamera immer drauf, nah dran, fast wie bei "Big Brother" - die Gäste vergessen die Kameras ganz offensichtlich - und das tut gut.

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Das Konzept der - im wahrsten Sinne - Unterhaltungs-Sendung lebt von der Ungezwungenheit. Es ist ungeschönt-direkt und offen. Es war nicht das erste Mal, es war der sechste Streich der Reihe. Denn 2015 tauchte "Die Geschichte eines Abends" erstmals auf - Dirk Stermann lud damals ein. Als Nächster macht's dann Lars Erdinger. Da kann man nur gespannt sein.

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