Unwort im ZDF: Jugendlicher beißt Mitschüler Ohr ab!

Vom Björn Strauss

Berlin/ZDF - "Das Unwort" soll eine Komödie über Antisemitismus, über das Zusammenleben von Mitschülern unterschiedlicher Religionen sein. Im Mittelpunkt: der Konflikt zwischen Muslimen und jüdischen Schülern. Dabei bleibt einem an mancher Stelle die Luft weg, und das nicht vor lachen! Eine Komödie über Religion - geht das? 

"Das Unwort" im ZDF: Nur eine Rangelei auf dem Schulhof oder tiefe religiöse Konflikte?
"Das Unwort" im ZDF: Nur eine Rangelei auf dem Schulhof oder tiefe religiöse Konflikte?  © ZDF/Conny Klein

Das ZDF selbst bezeichnet den Film als "Drama-Komödie". Eltern müssen in der Schule antanzen. Der Grund: das abgebissene Ohrläppchen eines Schülers - zunächst! 

Für den Vater des Beißers ist das Ohrläppchen "ein Präventivschlag" - schließlich ging dem Biss ein dauerhafter Antisemitismus auf dem Schulhof voraus.

Das Eltern-Lehrer-Kammerspiel beginnt: Lehrerin Frau Ritter, stellt zu Beginn gar koscheres Essen bereit, drapiert liebevoll israelische Fähnchen drauf. Palästina und Israel bestimmen den Abend. Nein, die Schüler. Aber sind das noch "normale" Mobbing-Szenen, die dem Abend vorausgingen? Eins steht fest: Die Bezeichnung "Jude" fällt in den zahlreichen Rückblenden des ZDF-Films oft...   

Max wurde gemobbt, weil er jüdisch ist. Das steht allerdings nicht im Bericht der Lehrerin. 

Schuldirektor Stede meint: "Ja, ich gebe zu, Max wurde Jude genannt. Ist das schon Antisemitismus? Jude ist doch mittlerweile ein gängiges Wort auf Berliner Schulhöfen." Doch beginnen wir von vorn. 

Top-Besetzung: Dr. Nüssen-Winkelmann (Iris Berben, l.) entgleist nach Majans (Neda Rahmanian) Rede und beendet abrupt die Sitzung. Direktor Stege (Devid Striesow, r.) möchte kein Aufsehen erregen und versucht, die Beteiligten zu beschwichtigen.
Top-Besetzung: Dr. Nüssen-Winkelmann (Iris Berben, l.) entgleist nach Majans (Neda Rahmanian) Rede und beendet abrupt die Sitzung. Direktor Stege (Devid Striesow, r.) möchte kein Aufsehen erregen und versucht, die Beteiligten zu beschwichtigen.  © ZDF/Conny Klein

Darum geht's im ZDF-Film "Das Unwort"

Das Thema "Anne Frank" löst einen Streit zwischen Karim (Oskar Redfern, r.) und Max (Samuel Benito, l.) aus.
Das Thema "Anne Frank" löst einen Streit zwischen Karim (Oskar Redfern, r.) und Max (Samuel Benito, l.) aus.  © ZDF/Conny Klein

Dem 15-jährigen Max Berlinger droht der Schulverweis. Schließlich biss er beherzt zu - Karims Ohrläppchen ist ab. Liegt auf dem Fußboden. Einem anderen, Reza, ist die Nase gebrochen. 

Die Klassenlehrerin, der Direktor, die Eltern sowie die Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde treffen sich in der Schule zum Krisengespräch. 

Weil der Vertrauenslehrer angeblich keine Zeit hat, stößt auch der Hausmeister hinzu (hervorragend Florian Martens, 61, seit 1994 "Ein starkes Team"). 

Dann stellt sich heraus, was dem Vorfall tatsächlich vorausging: Nachdem Max im Unterricht von seinem jüdischen Glauben erzählt hatte, wurde er von Karim, Reza und anderen Mitschülern über lange Zeit immer wieder verbal und physisch attackiert... 

Die Klassenlehrerin und der Schuldirektor haben den Konflikt übersehen wollen, haben halbherzig gehandelt und spielen ihn in der Konferenz herunter. 

Doch jetzt hat Max sich gewehrt. Wer trägt für das, was geschehen ist, die Verantwortung? Und welche Konsequenzen gibt es? 

Der Versuch der Erwachsenen, den Konflikt zu lösen, gerät zu einem sich steigernden verbalen Schlagabtausch zwischen Eltern und Eltern, zwischen Eltern und Schulvertretern, zwischen Juden und Muslimen. Nur scheinbar weltoffen und fortschrittlich ist die Schulkultur zwischen starren Regeln und dem gesunden Menschenverstand.

Und das ist starker Tobak für Beteiligte und Zuschauer! Zum Schluss flimmert eine kleine Flamme der Hoffnung... 

TV-Tipp: Der Film "Das Unwort" mit super Besetzung (u. a. Iris Berben, Ursina Lardi, Devid Striesow) läuft am 9. November um 20.15 Uhr im ZDF. Ist bereits in der ZDFmediathek zu sehen. Im Anschluss läuft um 21.40 Uhr die Dokumentation "Hey, Ich bin Jude".

Titelfoto: ZDF/Conny Klein

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