Vorwürfe gegen Spiegel TV: Werden Demonstranten vom Fernsehen bezahlt?

Hamburg - Corona-Leugner sollen vor einem Rathaus demonstrieren. Spiegel TV steht daneben und filmt die Protestierenden. Im Internet heißt es nun, die Demonstranten würden bezahlt werden. Die TV-Produktionsfirma räumt das ein - doch ganz so einfach ist der Sachverhalt nicht.

Querdenker protestieren in Nürnberg. Sie wurden nicht vom Fernsehen bezahlt.
Querdenker protestieren in Nürnberg. Sie wurden nicht vom Fernsehen bezahlt.  © dpa/Str

Im Oktober 2020 bereits ging der Bürgermeister der Gemeinde Neustadt an der Waldnaab, Sebastian Dippold (35, SPD), viral. Er äußerte sich in einem Video scharf gegen Querdenker. Es dauerte nicht lange, dann gab es heftige Anfeindungen gegen den Lokalpolitiker. Corona-Leugner versammelten sich vor dem Rathaus. Sie protestierten gegen die Haltung des Stadtoberhauptes.

Im ZDF-Format "Terra Xpress" will man dieses Thema nun thematisieren. Doch der Fernsehsender hat keine Filmaufnahmen des Protests. Kurzerhand wurde Spiegel TV angefragt.

Die Hamburger Produktionsfirma soll die Szenen für den Fernsehbeitrag nachstellen. Und Spiegel TV sucht nun im Netz nach Darstellern für die gestellte Demo am morgigen Dienstag. Diese würden natürlich bezahlt werden.

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Das Vorgehen sei so üblich, hieß es in einem Statement, das die Produktionsfirma am Sonntagabend veröffentlichte: "Das inhaltliche Konzept der Sendereihe sieht vor, dass gelegentlich Szenen, die bestimmte Sachverhalte aus der Vergangenheit thematisieren, in einer kurzen Sequenz beispielhaft nachempfunden werden."

Allerdings, das betonte Spiegel TV, würden solche Szenen bei der Ausstrahlung "deutlich" gekennzeichnet werden. "Nachgestellt" würde dann im Bild stehen.

Doch in den sozialen Netzwerken heißt es nun, Spiegel TV würde Demonstranten bezahlen. Das ist falsch, wie die Produktionsfirma erklärte.

Normale Dreharbeiten - kein Demo-Auftrag vom ZDF

Gegner der Corona-Maßnahmen ziehen durch Düsseldorf. Auch diese sind aus freien Stücken auf den Straßen.
Gegner der Corona-Maßnahmen ziehen durch Düsseldorf. Auch diese sind aus freien Stücken auf den Straßen.  © dpa/Malte Krudewig

"Wie branchenüblich erhalten Komparsen für ihre Teilnahme an Dreharbeiten eine geringe Aufwandsentschädigung." Die Darsteller sollen also bezahlt werden - und keine echten Demonstranten.

Weiter hieß es seitens Spiegel TV, dass "selbstverständlich" keine Aufwandsentschädigungen "für die Teilnahme an realen Demonstrationen" gezahlt werde und auch nichts Derartiges beauftragt sei.

Ferner handle es sich um geplante Dreharbeiten, die auf jeden Fall als nachgestellt "explizit erkennbar" gemacht werden.

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Spiegel TV gehe zudem stets unabhängig und nach strengen journalistischen Standards vor.

Die Aufregung auf Facebook und Co. rührt also daher, dass das Angebot, als Komparse an den Dreharbeiten teilzunehmen, von einigen Usern falsch gedeutet wurde.

Dieser Aufruf verbreitete sich in den letzten Tagen in den Sozialen Netzwerken.
Dieser Aufruf verbreitete sich in den letzten Tagen in den Sozialen Netzwerken.  © Screenshot/Facebook

Wann der Fernsehbeitrag gedreht und ausgestrahlt wird, wurde zwar nicht mitgeteilt. Grund zur Beunruhigung dürfte es jetzt jedoch nicht mehr geben.

Titelfoto: dpa/Str

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