Corona-"Zweifler" nutzen doch die Öffentlich-Rechtlichen!

Von Björn Strauss

Berlin - Seit dem Beginn der Corona-Krise hat das ZDF regelmäßig Menschen zu ihren Einstellungen und Sorgen, aber auch zu ihrem Lebensalltag und ihrer Mediennutzung befragt - mit interessanten Fakten: So spielt "Unterhaltung" eine große Rolle, neben Informationen zu Corona & Co. Auch "Corona-Zweifler" nutzen das ZDF, allerdings lassen die sich lieber "nur" gern unterhalten.

Für die Studie der ZDF-Nutzung wurden 1000 Personen zwischen 14 und 70 Jahren vom 5. bis zum 12. März 2021 repräsentativ online befragt. Für viele wichtig sei das "Informationsangebot" wie zum Beispiel die "heute"-Nachrichten.
Für die Studie der ZDF-Nutzung wurden 1000 Personen zwischen 14 und 70 Jahren vom 5. bis zum 12. März 2021 repräsentativ online befragt. Für viele wichtig sei das "Informationsangebot" wie zum Beispiel die "heute"-Nachrichten.  © ZDF

Dabei werde deutlich, "wie wichtig die Öffentlich-Rechtlichen als Informationsquelle für die Befragten sind", wie bedeutsam in der Krise auch die Unterhaltung durch Medien sei.

Eltern etwa, die Kinder zu Hause und zum Teil im Homeschooling betreuen müssen, haben andere Bedürfnisse und Erwartungen an Medien als Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, oder auch solche, die durch die Krise in Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit geraten sind.

Die Generation Z (14- bis 29-Jährige) sowie Menschen, die an der Verhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen zweifeln, nehmen laut ZDF die Rolle der Medien in der Pandemie wiederum unterschiedlich wahr.

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Die Studie belegt "die Relevanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Coronakrise und zeigt, wie wichtig die Programmvielfalt des ZDF für die Gesellschaft ist", so das ZDF.

Mit einem differenzierten Angebot könne das ZDF "die unterschiedlichen Zielgruppen mit ihren ganz besonderen Bedürfnissen erreichen und gleichzeitig die verschiedenen Perspektiven zusammenzuführen", so ZDF-Intendant Thomas Bellut (66).

Im Umgang mit der Krise komme "den Medien eine besondere Bedeutung" zu

Für die Generation Z bieten Comedy, Satire (53 Prozent, insgesamt: 36 Prozent) oder "funk"-Formate Ablenkung im teils eintönig erlebten Alltag.
Für die Generation Z bieten Comedy, Satire (53 Prozent, insgesamt: 36 Prozent) oder "funk"-Formate Ablenkung im teils eintönig erlebten Alltag.  © FUNK

Nach einem Jahr Pandemie sei die Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung (März 2021) zwischen Lockerungen, Maskenskandalen, AstraZeneca-Impfstopp und dessen Wiederzulassung und dritter Welle als "angespannt" zu bezeichnen.

Das Wichtigste für die gebührenfinanzierten Sender: die Informationsfunktion. 58 Prozent der Befragten gaben an, dass Nachrichten von öffentlich-rechtlichen Sendern für sie eine wichtige Quelle für verlässliche Informationen zur Pandemie seien - nur bei 17 Prozent sei das nicht der Fall.

Für die Generation Z sind Instagram oder YouTube "überdurchschnittlich wichtige" Plattformen für ZDF-Inhalte, für 83 Prozent aber auch weiter "hauptsächlich die linearen Kanäle".

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Unterhaltung und Erholung sind ebenso wichtige Aspekte der Mediennutzung in Pandemiezeiten: So erwarten 61 Prozent der Befragten von den Öffentlich-Rechtlichen, dass sie Inhalte bieten, "bei denen die Zuschauerinnen und Zuschauer zur Ruhe kommen" oder Entspannung finden.

Corona-"Zweifler" nutzen eher die "Unterhaltungssparte"

Dokus und Ratgeber-Formate sind gern gesehene Sendungen im ZDF: Hier Produktentwickler Sebastian Lege (42), der die Lebensmittel-Industrie unter die Lupe nahm.
Dokus und Ratgeber-Formate sind gern gesehene Sendungen im ZDF: Hier Produktentwickler Sebastian Lege (42), der die Lebensmittel-Industrie unter die Lupe nahm.  © ZDF/Lars Döring

Eltern schätzen die Angebote für Kinder, die mediale Ruhepausen mit gutem Gewissen ermöglichen (Kindersendungen 52 Prozent; insgesamt: 21 Prozent / Bildungsinhalte für Schüler: 54 Prozent; insgesamt: 27 Prozent).

Bei Menschen, die in "systemrelevanten Berufen" arbeiten, sind demnach "vertraute Unterhaltungsangebote nach einem fordernden Arbeitstag" von hoher Relevanz.

Die Gruppe der "Zweiflerinnen und Zweifler" (15 Prozent der Befragten, wie sie das ZDF bezeichnet - also Menschen, die an den Maßnahmen der Bundesregierung oder an dem kommunizierten Ausmaß der Pandemie zweifeln), schauen dagegen sehr differenziert auf das ZDF: Sie nutzen das Informationsangebot des Senders durchaus, hinterfragen es oft.

Gleichzeitig werden gerade fiktionale Angebote, wie beispielsweise das Montagskino, aber auch deutsche Produktionen "als gern gesehene Auszeit vom grauen Corona-Alltag angenommen".

Weitere Ergebnisse zeigen:

  • dass vielen im März 2021 eine langfristige Perspektive in der Corona-Situation fehlt.
  • dass die Sorge um die eigene finanzielle Situation bei denen wächst, die beruflich durch die Krise eingeschränkt sind (63 Prozent; insgesamt: 31 Prozent)
  • sowie die Sorge um die generelle Auswirkung auf die Wirtschaft bei denen, die die Eindämmungsmaßnahmen generell infrage stellen (80 Prozent, insgesamt: 64 Prozent).
  • dass Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt (insgesamt: 53 Prozent) sowie um das eigene soziale Umfeld (43 Prozent) existieren.
74 Prozent der Befragten sagen, sie seien froh, beim Schauen von Serien und Filmen nicht an die alltäglichen Corona-Einschränkungen erinnert zu werden. Das zeigt die hohen Quoten der "Unterhaltung" (hier "Wilsberg").
74 Prozent der Befragten sagen, sie seien froh, beim Schauen von Serien und Filmen nicht an die alltäglichen Corona-Einschränkungen erinnert zu werden. Das zeigt die hohen Quoten der "Unterhaltung" (hier "Wilsberg").  © ZDF/Guido Engels

Für die Studie wurden 1000 Personen zwischen 14 und 70 Jahren vom 5. bis zum 12. März 2021 repräsentativ online befragt.

Titelfoto: ZDF

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