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Justizskandal! Richter lässt im Connewitz-Prozess Journalisten und Besucher vor der Tür

Connewitz-Prozess in Leipzig findet unter teilweiser Ausschluss der Öffentlichkeit statt

Am Donnerstag startete in Leipzig der erste Prozess um den Neonazi-Überfall in Connewitz im Amtsgericht mit einem Eklat.

Von Alexander Bischoff

Leipzig - Vor dem Amtsgericht Leipzig begann am Donnerstagmorgen der erste Prozess um den Neonazi-Überfall im Januar 2016 auf den linksalternativen Stadtteil Connewitz.

Nichts geht mehr: Zahlreiche Journalisten und interessierte Bürger wurden nicht in den Gerichtssaal gelassen.

Obwohl mit großem Besucherandrang und Journalisten aus ganz Deutschland zu rechnen war, verhandelte der Richter in einem kleineren Saal und schloss so einen Teil der Öffentlichkeit aus.

Es waren tumultartige Szenen, die sich vor dem Verhandlungssaal 200 abspielten. Eine Armada von Justizwachtmeistern und Polizisten, die eigentlich die Sicherheit der Prozessbeteiligten gewährleisten sollten, waren damit beschäftigt, Journalisten und interessierte Bürger am Betreten des Raumes zu hindern. Denn der Saal, der gerade mal über 30 Zuschauerplätze verfügt, war bereits voll.

Mitten im Getümmel: Amtsgerichts-Präsident Michael Wolting, dem die Sache hochnotpeinlich war. Warum hatte sein Gericht für diesen öffentlichkeitsrelevanten Prozess keinen großen Saal zur Verfügung gestellt?

„Das ist Sache des Vorsitzenden Richters, da kann ich nicht eingreifen“, erklärte Wolting hilflos.

Nur 30 Zuschauerplätze für den Prozess des Jahres. Das Amtsgericht hätte noch größere Säle zur Verfügung gehabt.

Trotz des Tumults und zahlreicher ausgesperrter Journalisten und Besucher sah Amtsrichter Marcus Pirk keine Veranlassung, seine Saal-Wahl zu revidieren. Mit wortloser Arroganz schritt der Robenträger an den Wartenden vorbei und ließ selbst seinen Präsidenten abblitzen.

Zum Prozess: Angeklagt sind Martin K. und Dennis W. (beide 26). Mit mehr als 250 Kumpanen sollen sie am Abend des 11. Januar 2016 in Connewitz einmarschiert sein und entlang der Wolfgang-Heinze-Straße die Scheiben von 25 Läden, Kneipen und Wohnungen eingeworfen, 18 parkende Fahrzeuge demoliert und so einen Sachschaden von 113.000 Euro angerichtet haben (TAG24 berichtete).

Laut Anklage soll der aus dem rechten Milieu und der Hooliganszene stammende Mob mit Eisenstangen, Latten, Ästen und Pyrotechnik bewaffnet gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten schweren Landfriedensbruch vor.

Der Prozess heute ist der Auftakt einer Serie von insgesamt 92 am Amtsgericht anhängigen Verfahren zum Connewitz-Überfall am Amtsgericht.

Ließ nicht mit sich reden: Amtsrichter Marcus Pirk beharrte auf die Verhandlung im viel zu kleinen Saal.
Die Angeklagten Dennis W. (l.) und Martin K. verbargen zu Verhandlungsbeginn ihre Gesichter.

Fotos: Ralf Seegers