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Krasse Aufnahmen! So werden in Leipzigs City Drogen vertickt

Drogendeal in Leipziger Innenstadt am Hauptbahnhof

Drogenhochburg Leipzig: So laufen die Deals mitten in der Stadt ab.

Von Alexander Bischoff

Leipzig - In den Grünanlagen zwischen Hauptbahnhof und Oper blüht er Sommer wie Winter: der Drogenhandel. Wir zeigen hier mal, wie‘s funktioniert.

Gut gelaunt läuft der junge Mann mit der weißen Kappe im Park am Schwanenteich auf und ab, spricht freundlich Passanten an. Mit einer jungen Frau verschwindet er dann hinter die Rabatte, etwas wechselt von Hand zu Hand.

Es war die nunmehr 13. Razzia, die das Gemeinsame Ermittlerteam Bahnhof-Zentrum am Dienstag durchführte (TAG24 berichtete). Von 16 bis 22 Uhr kontrollierten Beamte von Bundes- und Landespolizei gemeinsam mit Zivilfahndern insgesamt 59 Verdächtige, hoben Drogendepots mit verkaufsfertigen Portionstütchen aus und stellten insgesamt 178,1 Gramm Rauschgift sicher - überwiegend Cannabisprodukte.

Wie gehen die Dealer vor? TAG24-Reporter postierten sich am Tag nach der Razzia mal am Schwanenteich hinter der Oper und schauten einem der Drogendealer bei der Arbeit zu.

Der junge Mann mit dem weißen Basecap - dem Anschein nach Nordafrikaner - geht unablässig die Wege auf und ab, erbietet nahezu jedem Passanten einen überschwänglichen Gruß. Seine Augen schreien dabei förmlich: "Sprich mich an, wenn du was brauchst ....".

Wenig später verschwindet er mit einer jungen Frau hinter einer Rabatte. Es wird kurz verhandelt, dann wechselt etwas von Hand zu Hand. Vermutlich ein Geldschein. Der Mann mit der Kappe kommt zurück auf den Weg, schaut sich kurz um, dann eilt er zu einem Busch auf der anderen Wegseite - offenbar sein Depot. In aller Ruhe schiebt er die Blätter zur Seite und fingert etwas aus dem Ziergehölz heraus.

Mit etwas in der Hand verlässt der junge Mann die Rabatte und eilt auf die andere Wegseite zu einem Busch.

Derweil sitzt die Dame auf einer Parkbank etwas abseits.

Nach der Visite im Strauch nimmt "Weißkäppchen" Blickkontakt zu der nervös in unsere Richtung blickenden Lady auf. Kurz darauf erhebt diese sich und läuft den Weg Richtung Oper. Auf der anderen Teichseite geht der Dealer in die gleiche Richtung. An der Südseite des Schwanenteichs kreuzen sich ihre Wege, wieder wechselt dabei etwas von Hand zu Hand. Der Deal scheint perfekt. Schnell eilt der "Geschäftsmann" zurück zu seinem Busch, wirft einen kurzen Blick darauf und läuft dann wieder den Weg auf und ab.

Für Leipzigs Rauschgiftfahnder ist die Drogenszene trotz der Achtungserfolge kaum zu packen. Denn bei den Verdächtigen finden sie meist nur Kleinstmengen. Und der Stoff in den Depots, die sich in Sträuchern, hinter Baumrinden und in Erdlöchern befinden, lässt sich nur schwer den einzelnen Dealern beweiskräftig zuordnen. „Das funktioniert eigentlich nur, wenn wir die Person direkt bei der Entnahme am Depot erwischen“, erzählt ein langgedienter Drogenfahnder.

So ist es denn kein Wunder, dass schon am Tag nach der Großrazzia die Grünanlagen wieder gut besucht waren von illegal Gewerbetreibenden. Und das Grinsen in ihren Gesichtern verrät, dass sie von Polizei und Justiz offenbar nicht viel zu befürchten haben...

Im Busch scheint ein "Schatz" versteckt zu sein. Der Botanikfreund fingert etwas aus dem Ziergehölz.
Mit gefüllter Hand nimmt "Weißkäppchen" den Weg Richtung Oper, wo sich die Wege zwischen ihm und der Dame wieder kreuzen. Und wieder wechselt etwas von Hand zu Hand.

   

Fotos: Alexander Bischoff