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Deutschland – Der demografische Wandel in Deutschland lässt sich nicht wegdiskutieren. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt stetig, während stationäre Einrichtungen unter Personalmangel und Aufnahmestopps leiden.
Doch abseits der nüchternen Statistik steht oft ein ganz persönlicher Wunsch: Die meisten Menschen möchten ihren Lebensabend dort verbringen, wo sie sich auskennen, wo jeder Winkel Erinnerungen birgt und die Nachbarn vertraut sind.
Ein Umzug in eine stationäre Einrichtung kommt für viele einem Verlust der Autonomie gleich.
Angehörige stehen daher häufig vor einer Zerreißprobe zwischen der eigenen Berufstätigkeit, der Versorgung der eigenen Kinder und der Verantwortung für die alternden Eltern.
Was es für Alternative gibt, erfahrt Ihr hier.
Endlich aufatmen: Betreuung in den eigenen vier Wänden
Um den Umzug in eine fremde Umgebung zu vermeiden, suchen Familien oft händeringend nach praktikablen Lösungen. Der ambulante Pflegedienst, der mehrmals täglich vorbeischaut, reicht bei fortschreitender Hilfsbedürftigkeit oder Demenz oft nicht mehr aus.
Damit Senioren in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können, entscheiden sich viele Familien mittlerweile für eine professionelle 24-Stunden-Pflege, die den Alltag enorm erleichtert.
Bei diesem Modell zieht eine Betreuungskraft, häufig aus osteuropäischen EU-Ländern, direkt in den Haushalt der zu betreuenden Person ein.
Anders als im Pflegeheim wechselt das Personal nicht schichtweise mehrmals am Tag. Die Anwesenheit einer festen Bezugsperson schafft Sicherheit und Struktur.
Ein solches Arrangement deckt in der Regel die Grundpflege, also Hilfe bei der Körperhygiene, dem Ankleiden und der Mobilität ab. Ebenso übernimmt die Kraft hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Kochen, Putzen oder Einkaufen.
Medizinische Behandlungspflege wie das Setzen von Spritzen bleibt jedoch weiterhin Aufgabe examinierter Fachkräfte des örtlichen Pflegedienstes.
Individuelle Versorgung statt Minuten-Takt
Ein wesentlicher Unterschied zur stationären Unterbringung liegt in der Zeitökonomie.
In vielen Heimen bestimmt der Dienstplan den Tagesablauf der Bewohner. Personalmangel führt dort oft dazu, dass Pflegehandlungen im Minutentakt absolviert werden müssen. Für Gespräche oder individuelle Wünsche bleibt kaum Raum.
Im eigenen Zuhause bestimmt der Senior den Rhythmus. Wann gefrühstückt wird, entscheidet der Bewohner, nicht die Küchenleitung. Spaziergänge an der frischen Luft oder das gemeinsame Betrachten alter Fotoalben gehören ebenso zum Leistungsumfang wie die körperliche Versorgung.
Diese Form der Zuwendung wirkt sich oft positiv auf das Gemüt der Betroffenen aus. Gerade bei Menschen mit Demenz kann die vertraute Umgebung in Kombination mit einer konstanten Bezugsperson Ängste mindern und Orientierung geben.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Kostenaspekte
Wer sich für diese Form der Unterstützung interessiert, sieht sich oft mit Fragen zur Legalität und Finanzierung konfrontiert.
Das gängigste Modell ist die Entsendung nach EU-Dienstleistungsfreiheit. Dabei ist die Betreuungskraft bei einem Dienstleister im Heimatland angestellt, der Steuern und Sozialabgaben abführt. Auftraggeber in Deutschland sollten zwingend auf das Vorliegen einer A1-Bescheinigung achten. Dieses Dokument dient als Nachweis für die ordnungsgemäße Sozialversicherung im Herkunftsland.
Finanziell lohnt sich ein genauer Vergleich.
Auf den ersten Blick wirken die monatlichen Kosten für eine sogenannte 24-Stunden-Kraft hoch. Stellt man jedoch die Eigenanteile eines Pflegeheimplatzes dagegen, verschiebt sich das Bild. Da die Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Heim ebenfalls vom Bewohner getragen werden müssen, ist die häusliche Lösung oft konkurrenzfähig oder sogar günstiger.
Zur Finanzierung kann das Pflegegeld der Pflegekasse genutzt werden. Auch die steuerliche Absetzbarkeit als haushaltsnahe Dienstleistung senkt die effektive Belastung.
Entlastung für das familiäre Umfeld
Die Entscheidung für eine häusliche Betreuung wirkt sich unmittelbar auf die Lebensqualität der Angehörigen aus.
Wer die Verantwortung für die tägliche Grundversorgung abgeben kann, gewinnt Freiraum zurück. Töchter und Söhne müssen nicht mehr nach Feierabend putzen oder am Wochenende vorkochen.
Die gemeinsame Zeit kann wieder für Gespräche und Nähe genutzt werden, statt für organisatorische Pflichten draufzugehen.
Es geht hierbei um mehr als nur praktische Hilfe.
Das Wissen, dass im Notfall jemand vor Ort ist, beruhigt ungemein. Nächtliche Unruhe oder die Angst vor Stürzen verlieren ihren Schrecken, wenn eine Ansprechperson im Nebenzimmer schläft. So bleibt das Elternhaus ein Ort der Geborgenheit und muss nicht aufgegeben werden, nur weil die Kräfte im Alter schwinden.
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