Berlin – Ein versehentlich mitgeschickter Kommentar wird zur Titelgeschichte: Der Spiegel veröffentlichte interne Notizen von Elif Eralp (45). Darin äußerte die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Angst vor Terror-Sympathisanten – und bat darum, keine Namen zu nennen.
Der Spiegel entschied sich dennoch für die Veröffentlichung. Begründung: Das öffentliche Interesse wiege schwerer als das Schutzinteresse einer Politikerin.
Doch wo endet Journalismus – und wann beginnt die Verletzung von Vertrauen?
Darüber sprechen TAG24-Chefredakteur Robert Kuhne und Politikberater Peter Stawowy in der aktuellen Folge des Podcasts "Unglaublich…" unter dem Titel: "Darf der Spiegel das?"
Angst, Politik und ein Versehen
Der Spiegel hatte mit Eralp ein Interview geführt und es zur Freigabe an ihren Pressesprecher geschickt. Zurück kam der Text mit internen Anmerkungen, in denen Eralp Angst vor einem Mann äußerte, der den Hamas-Terroranschlag vom 7. Oktober auf Israel gutheiße.
Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit (64) verteidigte die Veröffentlichung: "Am Ende steht die Sicherheit Berlins über der Sicherheit einer Regierenden Bürgermeisterin."
Kritiker sehen darin einen Bruch journalistischer Redlichkeit. Befürworter argumentieren aber: Wer ein hohes Amt anstrebt, muss auch unter Druck erklären können, wie er Entscheidungen trifft.
Der Fall Ibrahim Ibrahim
Im Zentrum steht Ibrahim Ibrahim (70), ein bekannter pro-palästinensischer Aktivist aus Berlin. Er steht der PFLP nahe – einer Organisation, die von EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Nahe steht Ibrahim aber auch den Berliner Linken, tauchte sogar auf deren Wahlparty auf. Es gibt Fotos mit Politikerinnen.
Eralp wollte seinen Namen im Interview nicht bestätigen, weil sie Angst um sich und ihre Familie habe. Der Spiegel veröffentlichte die internen Notizen dennoch.
Die Folge fragt: Darf der Spiegel das? Aber auch: Darf eine führende Politikerin Angst haben? Und was bedeutet es, wenn sich eine Spitzenkandidatin offenbar vor Menschen in ihrem eigenen politischen Umfeld fürchtet?
Leaks, Macht und Medien
Im Podcast wird der Berliner Fall Eralp mit den im Oktober 2026 geleakten AfD-Mails und dem Spiegel-Titel über Ulrich Siegmund verglichen. Dort lautete die Schlagzeile am 13. August 2026 "Der gefährlichste Mann Deutschlands" – wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Die Ausgabe verkaufte sich außergewöhnlich gut und Siegmund nutzte den Titel als Werbe-Material in seinem Wahlkampf.
Auch bei den AfD-Leaks veröffentlichte der Spiegel interne Kommunikation (von Alice Weidel). Die Folge fragt: Gibt es einen einheitlichen Maßstab – oder wird je nach politischem Lager unterschiedlich abgewogen?
Vertrauen in Journalismus?
Laut Ipsos vertrauen nur 22 Prozent der Deutschen dem Berufsstand der Journalisten. Bei Politikern sind es nur 8 Prozent. Der Fall Eralp könnte also Vertrauen gegenüber Journalisten stärken, wenn Transparenz und Sorgfalt sichtbar werden.
Der Fall Eralp kann es aber auch weiter zerstören, wenn der Eindruck entsteht, dass Journalisten nutzen, was ihnen in die Hände fällt, um Reichweite und Aufmerksamkeit zu generieren.
Die neue Folge verbindet Medienkritik, Rechtsfragen, den Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs und die Frage nach vertrauensvollem Journalismus.
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"Unglaublich… Der Podcast" ist eine Produktion der TAG24 NEWS Deutschland GmbH.