ANZEIGE
Deutschland – Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist aktuell wieder vermehrt im Umlauf. Infektionen mit dem Atemwegserreger nehmen seit einigen Wochen zu, meldet das Robert Koch-Institut (RKI).
RSV wird häufig vor allem als Risiko für Säuglinge wahrgenommen, kann aber auch bei älteren Menschen schwere Infektionen auslösen. Das gilt insbesondere, wenn Vorerkrankungen bestehen.
Prof. Dr. Frederik Trinkmann, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie aus Heidelberg, ordnet die aktuelle Lage ein und erklärt, worauf ältere Menschen achten sollten.
Steigende RSV-Zahlen in der kalten Jahreszeit
Infektionen mit RSV nehmen alljährlich in den kalten Monaten zu. "Die Häufigkeit und die Schwere von RSV-Infektionen hat eine sehr starke saisonale Komponente", erklärt Prof. Dr. Trinkmann.
"RSV ist ein saisonaler Atemwegserreger, der vor allem zwischen Oktober und April vermehrt zu Infektionen führt."
RSV ist in diesen Monaten besonders aktiv, weil dann ideale Bedingungen für die Verbreitung des Virus herrschen: Menschen verbringen mehr Zeit in geschlossenen Räumen, oft bei geringem Abstand.
Dadurch kann sich der Erreger leichter übertragen. Zudem macht trockene Heizungsluft die Atemwege anfälliger für Infektionen, und die Immunabwehr ist im Winter generell schlechter als im Sommer.
Die Wahrscheinlichkeit von Ansteckungen steigt dadurch deutlich.
Typischerweise erreicht die RSV-Saison bis Ende März ihren Höhepunkt und dauert bis in den April hinein. Bei gesunden Erwachsenen verlaufen Infektionen zumeist mild – für bestimmte Personengruppen gilt das jedoch nicht.
Alter und Vorerkrankungen erhöhen das Risiko für schwere Verläufe
Mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr von schweren RSV-Infektionen, vor allem bei bestehenden Erkrankungen.
"Bei Patienten, die Risikofaktoren wie ein hohes Alter und Vorerkrankungen aufweisen, kann eine RSV-Infektion zu einem schweren Verlauf und auch zum Krankenhausaufenthalt führen", erläutert Prof. Dr. Trinkmann.
Der Grund: Das körpereigene Abwehrsystem funktioniert im Alter nicht mehr so gut. Schwächen Vorerkrankungen das Immunsystem dann zusätzlich, kann es das Virus nicht mehr so effektiv bekämpfen.
Das Risiko für schwere Verläufe einer RSV-Infektion steigt ab einem Alter von etwa 60 Jahren und insbesondere wenn Vorerkrankungen wie Asthma, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder Herzschwäche bestehen.
Es kann zu Komplikationen wie einer Lungenentzündung kommen. Auch eine intensivmedizinische Betreuung bis hin zur künstlichen Beatmung kann erforderlich werden.
Wenn sich Risiken gegenseitig verstärken
Vorerkrankungen spielen bei RSV eine doppelte Rolle. Sie erhöhen zum einen das Risiko für einen schweren RSV-Verlauf. Zum anderen kann eine Infektion mit RSV Einfluss auf Vorerkrankungen nehmen und bestehende Beschwerden verschlimmern.
In der Praxis kann das bedeuten, dass sich der Gesundheitszustand nach einer RSV-Infektion nur sehr langsam wieder normalisiert. Es könne sehr lange dauern, "bis Betroffene wieder das vorherige Niveau erreichen", so Prof. Dr. Trinkmann.
Damit nicht genug: "Und es gibt keine Garantie, dass der Zustand vor der Infektion überhaupt wieder erreicht wird“, ergänzt der Experte. So könne zum Beispiel die Lungenfunktion „dauerhaft beeinträchtigt sein und nicht mehr ihren Ausgangswert erreichen".
Begrenzte Therapieoptionen erhöhen die Bedeutung der Prävention
Ein zentrales Problem bei RSV ist, dass es keine gezielte medikamentöse Behandlung gibt.
"In der Regel lassen sich nur die Symptome therapieren, indem wir Patienten zum Beispiel Sauerstoff verabreichen", berichtet Prof. Dr. Trinkmann.
Deshalb ist es im Alter besonders wichtig, vorzubeugen. Zu den grundlegenden Schutzmaßnahmen zählt, sich regelmäßig die Hände zu waschen und Abstand zu erkennbar erkrankten Personen zu halten.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Impfprävention.
"Es geht nicht darum, eine Infektion zu hundert Prozent zu verhindern, sondern die Krankheitsschwere abzumildern und etwa eine Krankenhausbehandlung oder sogar intensivmedizinische Versorgung abzuwenden", betont Prof. Dr. Trinkmann. Besonders für ältere Menschen mit Vorerkrankungen sei die RSV-Impfung ein relevanter Schutz.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Schutzimpfung für:
- Menschen ab 60 Jahren, die eine schwere Vorerkrankung wie eine chronische Herz- oder Lungenkrankheit haben oder in einer Pflegeeinrichtung leben
- alle Personen ab 75 Jahren
"Besonders Menschen mit Vorerkrankungen sollten diese Schutzoption auf jeden Fall nutzen“, rät der Facharzt.
Gerade in der RSV-Hochsaison kann ein frühes Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt über das persönliche Infektionsrisiko und eine mögliche Impfung helfen, schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden.