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Deutschland – Chronische Schmerzen verschwinden häufig nicht einfach durch Tabletten, Salben oder Spritzen.
Eine Behandlung kann deshalb mehrere Bausteine verbinden – von Bewegung und Entspannung bis zu ärztlich geprüften Medikamenten.
Was Ihr zu dem Thema und mögliche schmerzlindernde Alternativen wissen müsst, folgt jetzt.
Wann gelten Schmerzen als chronisch?
Moderne Schmerzmittel gehören zu den wichtigsten pharmazeutischen Errungenschaften. Bei länger anhaltenden Beschwerden stoßen sie allein jedoch häufig an Grenzen.
Manche Präparate wirken nicht (mehr) ausreichend, andere sind bei dauerhafter Einnahme mit erheblichen Risiken verbunden und über allem steht die Tatsache, dass sie meist nur die Symptome bekämpfen.
Chronische Schmerzen verlangen deshalb meist keinen einzelnen "Geheimtipp", sondern ein abgestimmtes Behandlungskonzept, bei dem Schmerzmittel nur ein Baustein von mehreren sind.
Das bedeutet nicht, Medikamente durch Hausmittel zu ersetzen. Vielmehr geht es darum, die Ursache und die Art des Schmerzes zu berücksichtigen und verschiedene Verfahren sinnvoll miteinander zu verbinden.
Schmerzen werden meist als chronisch bezeichnet, wenn sie länger als drei Monate bestehen oder immer wiederkehren.
Anders als bei akutem Schmerz haben sie dann ihre ursprüngliche Warnfunktion (teilweise) verloren. Mitunter bleiben die Beschwerden sogar bestehen, obwohl eine Verletzung bereits verheilt ist.
Dahinter können unterschiedliche Mechanismen stecken. Entzündungen reizen Schmerzrezeptoren, geschädigte Nerven können neuropathische Schmerzen verursachen.
Außerdem kann sich die Verarbeitung von Schmerzsignalen im Gehirn oder Rückenmark verändern. Dadurch reagiert das Nervensystem empfindlicher, während Stress die Wahrnehmung zusätzlich verstärken kann.
Mögliche Folgen betreffen nicht nur den Körper. Häufig kommen hinzu:
Warum reicht eine einzelne Behandlung oft nicht aus?
Chronischer Schmerz wird von komplex miteinander verbundenen körperlichen und psychischen Faktoren beeinflusst. Deshalb empfiehlt sich häufig eine sogenannte multimodale Schmerztherapie.
Dabei arbeiten beispielsweise Ärzte, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten und Ergotherapeuten zusammen.
Ziel ist nicht immer völlige Schmerzfreiheit. Oft geht es zunächst darum, die Beschwerden zu verringern, Beweglichkeit zurückzugewinnen und den Alltag wieder besser bewältigen zu können.
Welche Bausteine sinnvoll sind, hängt von der Diagnose ab.
Zur Behandlung können klassische Medikamente und Naturheilpräparate ebenso gehören wie Physiotherapie, Ergotherapie oder verhaltenstherapeutische Verfahren. Auch Maßnahmen zur Stressbewältigung und geeignete Hilfsmittel kommen infrage.
Welche Rolle kann medizinisches Cannabis spielen?
Medizinisches Cannabis ist weder ein frei verfügbares Naturheilmittel noch automatisch die passende Lösung bei chronischen Schmerzen.
Nach den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses kann es allerdings bei einer schwerwiegenden Erkrankung verordnet werden, wenn geeignete Standardbehandlungen nicht zur Verfügung stehen oder nicht angewendet werden können und ein positiver Effekt zu erwarten ist. Die Entscheidung darüber trifft ein Arzt.
Für Patienten, denen Cannabis medizinisch verordnet wurde, kann Flowzz anschließend dabei helfen, verschreibungspflichtige Cannabisprodukte und Apothekenangebote samt Preisen und Verfügbarkeiten zu finden und zu vergleichen.
Eine solche Plattform ersetzt jedoch weder die Diagnose noch die Auswahl der Therapie.
Auch während der Behandlung bleibt eine ärztliche Begleitung wichtig. Wirkung und Nebenwirkungen müssen beobachtet werden. Das gilt besonders am Anfang, weil eine Therapie abgebrochen werden kann, wenn der erhoffte Nutzen ausbleibt oder unerwünschte Wirkungen auftreten.
Bewegung statt dauerhafter Schonhaltung
Wer Schmerzen hat, bewegt sich oft weniger. Kurzzeitig kann derlei Schonung sinnvoll sein, etwa nach einer frischen Verletzung.
Bei vielen chronischen Beschwerden kann dauerhafte Inaktivität jedoch zu einem Teufelskreis führen:
Bewegung sollte deshalb weder nach dem Motto "Augen zu und durch" erfolgen noch vollkommen vermieden werden.
Sinnvoller ist eine Belastung, die zur Erkrankung und zum aktuellen Leistungsstand passt. Je nach Ursache können infrage kommen:
- Ärztlich oder physiotherapeutisch angeleitete Übungen
- Spaziergänge, Radfahren oder gelenkschonendes Training
- Beweglichkeitstraining mit langsam gesteigertem Umfang
- Kurze Aktivitätsphasen, die regelmäßig wiederholt werden
Entscheidend ist die passende Dosierung. Neue, ungewöhnlich starke oder rasch zunehmende Schmerzen sollte man nicht wegtrainieren, sondern medizinisch abklären lassen.
Wie können Entspannung und Psychotherapie helfen?
Psychologische Verfahren bedeuten keineswegs, dass Schmerzen "nur im Kopf" stattfänden.
Vielmehr wird Schmerz im Nervensystem verarbeitet und kann durch Anspannung und belastende Erfahrungen beeinflusst werden.
Verhaltenstherapeutische Ansätze können dabei helfen, ungünstige Schonmuster zu erkennen und besser mit Schmerzspitzen umzugehen.
Entspannungsverfahren können die Behandlung ergänzen.
Dazu gehören progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Meditation oder ruhig ausgeführte Yogaübungen. Welche Methode passt, ist abermals individuell. Und meist bringt nicht die einmalige besonders ehrgeizige Sitzung den größten Nutzen, sondern regelmäßiges Üben.
Hilfreich kann außerdem ein Schmerztagebuch sein. Darin lassen sich Intensität, Tageszeit, Belastungen und eingenommene Medikamente festhalten. So werden mögliche Zusammenhänge sichtbar, die im Arztgespräch sonst leicht untergehen.
Was bringen Wärme, Kälte und weitere ergänzende Verfahren?
Wärme kann bei bestimmten Muskelverspannungen als angenehm empfunden werden, während Kälte unter anderem bei manchen akuten Reizzuständen eingesetzt wird.
Welche Anwendung sinnvoll ist, hängt von der Ursache ab. Und insbesondere bei Durchblutungsstörungen oder vermindertem Temperaturempfinden ist besondere Vorsicht nötig.
Auch Akupunktur und manuelle Therapie können Teil eines Behandlungskonzepts sein.
Ihre Eignung und die zu erwartende Wirkung unterscheiden sich jedoch je nach Erkrankung. "Natürlich" bedeutet dabei keineswegs "automatisch wirksam" oder "risikofrei".
Selbst pflanzliche Arzneimittel können Nebenwirkungen auslösen und andere Medikamente beeinflussen.
Wann sollte man mit Schmerzen zum Arzt?
Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn sie den Schlaf, die Beweglichkeit, die Arbeitsfähigkeit oder den Alltag beeinträchtigen.
Dringender medizinischer Rat ist notwendig, wenn zusätzlich Lähmungen, Gefühlsstörungen, Fieber oder ein deutlicher Verlust der Körperkontrolle auftreten.
Ebenso problematisch ist es, die Dosis frei verkäuflicher Schmerzmittel auf eigene Faust immer weiter zu erhöhen oder mehrere Präparate zu kombinieren.
Auch rezeptfreie Medikamente können bei häufiger bzw. zu langer Einnahme Organe schädigen.
Es gilt daher der eindringliche Rat: Nicht lange warten, nicht laienhaft selbst therapieren, nicht auf vermeintlich gute Ratschläge anderer Laien hören – sondern den Hausarzt ansteuern, um eine professionelle, individuell abgestimmte Schmerztherapie zu beginnen.
Fazit: Gute Schmerztherapie ist Teamarbeit
Chronische Schmerzen können das Leben enorm beeinträchtigen. Doch obwohl sie vielfach mit einem einzelnen Auslöser beginnen, lassen sie sich selten mit einem einzigen Mittel lösen.
Erfolgversprechender ist meist eine Behandlung, die medizinische Diagnostik, passende Medikamente,
Bewegung und psychologische Unterstützung verbindet.
Ergänzende Verfahren können nützlich sein, sollten aber zur Schmerzursache passen. Der wichtigste Schritt besteht deshalb nicht darin, den nächsten vermeintlichen Geheimtipp auszuprobieren. Es geht darum, gemeinsam mit dem behandelnden Arzt einen realistischen Plan zu entwickeln und sowohl Plan als auch Mediziner genügend Zeit zu geben.
Denn was chronisch geworden ist, braucht meistens Zeit, um wieder zu verschwinden.