Fenstertausch: Darüber sollten Hausbesitzer vorher nachdenken
Deutschland – Wenn Fenster getauscht werden, stehen Energetik und Optik meistens im Fokus. Dabei bietet ein derartiger Eingriff in die Gebäudehülle samt Neukauf elementarer Bestandteile die Chance, deutlich weiter zu denken!
Wenn sowieso neue Fenster zu ordern sind und die alten Exemplare entfernt werden, finden sich hervorragende Grundlagen, um rings um Rahmen und Flügel vielleicht etwas mehr zu tun, als "nur" die Energetik zu verbessern.
Wichtig: Grundsätzlich dürfen die U-Werte von Fenstern niemals besser sein als die der umgebenden Wände, sonst können sich Feuchtigkeitsprobleme einstellen. Das sollte bei allen Varianten die zentrale Leitlinie sein.
Wer nach Ideen zum Fenstertausch sucht, sollte also weiterlesen.
Festfeldfenster
Die meisten hierzulande verbauten Fenster weisen zwei zentrale Merkmale auf:
1. Ein oder zwei Flügel mit Dreh-Kipp-Funktion – selten mehr.
2. Die Flügel gehen über die volle Höhe bis hinab zur Fensterbank.
Beides ist etabliert, letzteres ist aber nicht unbedingt praktisch.
Denn in dem Fall lässt sich das Fenster nie öffnen, ohne zuvor die Fensterbank leerzuräumen. Das ist je nach Raum und Deko-Geschmack ein größerer Akt.
Eine gute Alternative können Festfeld-, Kombinations- oder teilverglaste Fenster sein. Es existiert kein wirklich einheitlicher Begriff für diese Bauweise.
Der Unterschied: Der untere Fensterbereich lässt sich nicht oder getrennt von den Flügeln öffnen.
Dadurch liegt die Unterkante des eigentlichen Fensterflügels zehn oder mehr Zentimeter über der Fensterbank. Zum Öffnen ist kein Abräumen erforderlich, gleichzeitig wird die Lichteinstrahlung kaum vermindert.
Elektrische Rollladen
Über sehr lange Zeit wurden Rollladen händisch per Band bewegt. Aber: Werden die Fenster getauscht, dann gehört der Rollladen meist zwangsläufig dazu – schon, um zu vermeiden, dass sich durch einen schlecht gedämmten alten Kasten eine untragbare Schieflage bei den U-Werten ergibt.
Außerdem erfordert der Fenstertausch meist zwangsläufig gewisse Renovierungsmaßnahmen im Umfeld. Etwa neue Tapeten oder ein Beiziehen des Putzes.
Bedeutet, selbst, wenn die nötige Energieversorgung noch nicht vorhanden ist, wäre es ohne größeren Aufwand möglich, sie nachträglich zu integrieren – und das ist unbedingt sinnvoll.
Denn elektrische Rollladen sind...
- erheblich komfortabler zu bedienen und bieten dadurch nicht zuletzt im Alter ein Mehr an Lebensqualität
- je nach Herangehensweise schaltermanuell, fernbedient oder smart zu steuern - also auch automatisiert
- bei automatischen und fernbedienten Steuerungen ein idealer Baustein für mehr Abschattung, Witterungs- und Einbruchschutz
Mit anderen Worten: Es wäre definitiv ein Versäumnis, die Gelegenheit nicht wahrzunehmen. Zumal damit verschlissene Rollladenbänder für immer der Vergangenheit angehören.
Tipp: Sprecht mit dem Anbieter, ob es möglich wäre, das System als Aussteller-Rollladen umzusetzen. Das gestattet insbesondere im Sommer eine gute Kombination aus Abschattung und Belüftung.
Zukunftssichere Farbgebung
Die gängigsten Fenster bestehen heutzutage aus Kunststoff und sind "im Material" durchgefärbt.
Zwar ist es durchaus möglich, sie nachträglich durch Streichen oder Lackieren umzufärben, aber das ist ein aufwendiges Prozedere, das sehr viel und genaue Vorarbeit erfordert.
Diesbezüglich sollten Hausbesitzer sehr genau bedenken, in welcher Farbe sie die Fenster bestellen.
Denn sofern zumindest realistisch absehbar ist, dass das Haus in den kommenden Jahren einen neuen Anstrich erhält, könnte es sinnvoller sein, die neuen Fenster gleich in einer dazu passenden Farbe zu beschaffen, anstatt sie hinterher aufwendig streichen zu müssen.
Mehr Glasfläche
Fenstertausch funktioniert im besten Fall folgendermaßen:
1. Flügel aushängen
2. Rahmenschrauben in der Laibung entfernen
3. Rahmen entfernen und Umfeld säubern
4. Neuen Rahmen einsetzen und ausrichten
5. Neuen Rahmen einsetzen und ausrichten
6. Ausschäumen und verblenden
7. Flügel einhängen
Insbesondere bei Altbauten ist dieses Ideal jedoch nicht immer zu erzielen. Oft genug fallen deshalb Arbeiten am umgebenden Putz oder gar der Mauer an.
Erneut sollte das ein Anlass sein, um sich zu fragen, ob es nicht interessant wäre, in diesem Fall gleich etwas mehr Material wegzunehmen, um insgesamt größere Fenster installieren zu lassen – vielleicht auch nur an spezifischen Orten im Haus.
Denn es gilt: Nur, wenn sich die Fensterbreite verändert, muss ein ebenso breiterer Sturz eingezogen werden. Doch auch das ist für Profis tagtägliche Routine.
Bei modernen Fenstern haben die intransparenten Materialien einen größeren Anteil an der Gesamtfläche. Das ist der besseren Dämmleistung geschuldet. Durch einen 1:1-Tausch kann sich deshalb die Glasfläche verkleinern.
Einen Haken gibt es jedoch: Zwar unterscheiden sich die Landesbaugesetze, aber in den allermeisten Fällen erfordern größere Fenster eine Baugenehmigung, da sich Statik und äußeres Erscheinungsbild ändern.
Mehr Fensterflügel
Je nach Raum und Möblierung kann es bereits ab einer Flügelbreite von unter einem Meter schwierig werden, die Fenster zu öffnen und sich dennoch wie gewohnt im Zimmer zu bewegen.
Wer dieses Problem bereits bei seinen alten Fenstern beobachtete oder plant, nach dem Fenstertausch auch die Innenräume umzugestalten, sollte einen Zollstock zur Hand nehmen und messen, wie sich schmalere Fensterflügel positiv auswirken würden, wenn sie in den Raum hinein geöffnet werden.
Es gibt eine Verbesserung? Dann wäre es nur folgerichtig, bislang einflügelige gegen zwei- oder mehrflügelige Exemplare zu tauschen.
Da die Aufteilung sehr frei gewählt werden kann (die Flügel müssen keineswegs gleichbreit sein), lassen sich hier sehr individuelle Lösungen finden. Je nach Gebäude sehen mehrflügelige Fenster obendrein charmanter aus.
Erhöhter Einbruchschutz
Ein Großteil aller Einbrüche erfolgt über gut zugängliche Fenster und Fenstertüren. Diese werden schlichtweg über einen schweren Schraubendreher aufgehebelt.
Eher wenige Einbrecher gehen das Risko ein, beim Eindringen durch die Haustür gesehen zu werden oder durch das Einschlagen von Glas Aufmerksamkeit zu erregen.
Angesichts dessen wäre es definitiv sinnvoll, die neuen Fenster zumindest mit sogenannten Pilzkopfzapfen zu bestellen, anstelle der normalerweise verbauten, zylindrischen Verriegelungselemente.
Denn im Gegensatz zu abschließbaren Fenstergriffen bieten diese im Profil T-förmigen Elemente erheblich größeren Widerstand gegen Aufhebeln und bedeuten nur einen sehr geringen Aufpreis gegenüber normalen Bauteilen.
Zumindest an denjenigen Fenstern, die sich problemlos erreichen lassen, sollten Hausbesitzer so vorgehen.
Das Fazit zum Fenstertausch
Wer neue Fenster einbauen lässt, hat dabei in aller Regel die Energetik im Fokus. Zweifellos ist sie definitiv ein sehr wichtiger Punkt.
Dennoch sollte das nicht dazu führen, dass andere Dinge vernachlässigt werden. Denn der Ausbau der alten Fenster ist in jedem Fall auch eine Chance dafür, verschiedene andere Dinge besser zu machen als bisher – und somit die Wohn- und Nutzungsqualität des Hauses an entscheidenden Punkten zu optimieren!
Titelfoto: KI-generiert mit Flux Kontext Fast