Familie erlebt nach Krebs eines Kindes wieder unbeschwerte Tage: "Das macht ganz arg viel"
Von Magdalena Henkel
Rust - Nach der Krebserkrankung eines ihrer Kinder kann eine Familie im Europa-Park in Rust die Sorgen hinter sich lassen. Warum diese Auszeit für sie so besonders ist.
Kathrin Baumann muss nicht lange überlegen, wenn man sie fragt, was diese Woche bedeutet hat. "Einfach an nichts denken zu müssen, kein Termin, nicht irgendwie, was war da noch - das macht ganz arg viel", sagt die Mutter aus dem schwäbischen Göppingen.
Fünf Tage lang war ihre Familie im Kinderhaus "Kleine Helden" im Europa-Park - und fünf Tage lang war das Leben wieder leicht.
Das war nicht selbstverständlich: Ihr jüngerer Sohn Leo, sieben Jahre alt, hat in seinem kurzen Leben schon mehr durchgemacht als viele Erwachsene. Mit drei Jahren wurde bei ihm ein bösartiger Nierentumor entdeckt - die Niere musste entfernt werden.
Knapp ein Jahr später der nächste Schlag: Eine Lungenentzündung führte Leo ins Krankenhaus - und derselbe Arzt sagte: Seine Lunge sei voller Metastasen. Da war Leo vier Jahre alt.
"Wir waren so gar nicht drauf vorbereitet", sagte Baumann. "Dein Leben stellt sich von einem auf den anderen Tag um."
Kathrin Baumann: "Das gibt einem unfassbar viel"
Diesmal war die Behandlung intensiver - mehr Chemotherapie, erneut eine Operation, dazu Bestrahlung. Sieben Monate dauerte es diesmal. "Leo heißt für uns nur noch 'der Kämpfer'", sagte seine Mutter. Seit zwei Jahren gilt er als krebsfrei - eine Schwelle, die gerade bei diesem schnell wachsenden Tumor besonders bedeutsam sei.
Für Baumann ist die Erleichterung spürbar, wenn auch die Sorge einer Wiedererkrankung nicht ganz verschwindet. "Man muss sich diese Krebsbrille irgendwie wieder runterkriegen", sagte sie.
Leos Erkrankung war für die gesamte Familie ein Einschnitt, auch für seinen neunjährigen Bruder Ben. Zwei Jahre lang galten strenge Regeln, vieles war nicht möglich. Doch im Europa-Park saßen die Eltern einfach da und schauten zu, wie die Jungen zusammen Spaß hatten, erzählte Baumann. "Die sind wieder ein Team. Das tut einfach gut."
Das Kinderhaus "Kleine Helden" in der neuen Westernstadt Silver Lake City ist ein Projekt der Unternehmerfamilie Mack. Familien nach überstandener Krebstherapie können sich bewerben, dort vier Nächte kostenlos zu verbringen.
Was diese Tage bedeutet haben, geht für Baumann und ihre Familie über Fahrgeschäfte und Wasserbahnen hinaus: "Diese Erlebnisse wieder gemeinsam als Familie – das gibt einem unfassbar viel."
Titelfoto: Bildmontage: Kathrin Baumann/dpa, Philipp von Ditfurth/dpa

